Region / NID/JAN/MUT Landrat und Bürgermeister freuen sich, dass die Bahn bald wieder rollt zwischen Senden und Weißenhorn. Doch nicht allen gefällt die Entscheidung.

"Gut, dass der Planfeststellungsbeschluss da ist", sagte der Sendener Bürgermeister Kurt Baiker. Da es im Dezember losgehen solle, habe auch die Stadt mit dem Bau der Park&Ride-Plätze ein "ehrgeiziges Projekt" vor sich. Zudem gelte es, den Pkw-Parkplatz am Sendener Bahnhof zu einem großen Busbahnhof umzubauen. Denn Senden soll künftig Mobilitätsdrehscheibe für den öffentlichen Personennahverkehr werden: Die bisher zwischen Senden und Weißenhorn verkehrende Busse sollen nicht parallel zur Bahn fahren, sondern Zubringerfunktionen übernehmen. Baiker weiter: Da die Regierung sich gegen die von der Kommune favorisierte Haltestelle "Unter der Halde" entschieden habe, müsse das Thema erneut im Stadtrat behandelt werden. "Aber das sind Detailfragen, die Bahn ist ohne Frage ein absoluter Gewinn für uns."

Herbert Ruf, einer der Wullenstetter, der das Vorhaben stellvertretend für viele andere kritisierte, wiederholte gestern einige Einwände: Die enge und steile Heerstraße sei "schon ein Problem" für potentielle Fahrgäste, die Auswahl der Regierung für ihn daher eine "Fehlentscheidung". Und er befürchte, dass durch vom Zug ausgelöste Erschütterungen die Gebäude an der Schiene, etwa die Kirche "Mariä Verkündigung", beschädigen - auch wenn die Regierung von Oberbayern sagt, damit sei nicht zu rechnen. Herbert Ruf sagt, am meisten schmerze ihn die Schließung des Bahnübergangs "Im Gerinne".

"Ich bin positiv gestimmt, dass wir die Linie vor Weihnachten noch einweihen können", sagte Landrat Erich Josef Geßner, der mit dem Kreistag und den Kommunen die vorbereitenden Gutachten für das Projekt in Auftrag gegeben hatte. Dass so viele Entscheidungsträger die Reaktivierung der Strecke befürworten, "haben wir auch dem Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner zu verdanken". Dieser habe verdeutlicht, dass diese Strecke nach Bayerisch-Schwaben der erste Schritt für den Aufbau eines regionalen S-Bahn-Systems sein kann. Entsprechend stark engagierten sich die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm. "Auch in der Administration des Wirtschaftsministeriums und bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft haben wir engagierte Förderer." Dies - und das jüngste Gutachten - verdeutliche, dass die Reaktivierung funktionieren werde.

Bernhard Jüstel, Sprecher der Kommunalen Agenda Verkehr aus Weißenhorn, war ganz aus dem Häuschen. "Ich bin hocherfreut", sagte der Bahnlobbyist. Jahrelang habe er mit seinen Mitstreitern dafür gekämpft, dass wieder Personenzüge nach Weißenhorn fahren. Es habe sich gelohnt, an dem Ziel auch gegen so manche "Widerstände und Querschläger" festzuhalten. "Heute ist ein toller Tag."

Das sah der Weißenhorner Bürgermeister Wolfgang Fendt genauso. Nun habe seine Stadt Planungssicherheit, etwa was den Umbau des heruntergekommenen Bahnhofs oder die Verlegung des Busbahnhofs betrifft. Die Entscheidung für die Wiederaufnahme des Personenverkehrs bedeute einen Quantensprung für den Standort Weißenhorn. Sie ist laut Fendt aber mehr: "Die ganze Region darf sich freuen." Fendt ist überzeugt: "Wenn wir in 20 Jahren zurückschauen, werden wir sagen: Diese Entscheidung gehört zu den besten, die für den Kreis Neu-Ulm und die Region gefällt wurden."