Schon in den 1990er Jahren haben sich Interessierte zusammengeschlossen, und die Idee verfolgt, ein zukunftsfähiges ÖPNV-Modell aufzustellen. In meiner Erinnerung ist noch das Jahr 1997, als eine Sonderfahrt mit dem damals neuzeitlichen dieselgetriebenen Niederflurfahrzeug der DB zum Bahnhof Weißenhorn organisiert wurde. In Weißenhorn formierte sich die Gruppe der Reaktivierungsfreunde um Reinhold Reibl. 2001 trat ich dieser Bürgerinitiative bei.

2004 kam es zu einem ersten Gutachten zur möglichen Reaktivierung, das damals vom Kreistag und den Stadträten der anliegenden Kommunen mit positiver Mehrheit zur Kenntnis genommen wurde. Als hilfreiches Instrument erwiesen sich die Aktionstage „Ohne Auto mobil“. 2008 erfolgte ein weiteres Gutachten, das Grundlage war für die Neuauflegung eines Nahverkehrskonzeptes für den Landkreis Neu-Ulm.

Der  damaligeLandrat Erich Josef Geßner und Vertreter des Regionalverbandes bemühten sich weiter um einen Auftraggeber für den Bahnbetrieb zu finden. Dies scheiterte vor allem darin, dass die damalige Staatsregierung sich nicht in der Lage sah, die Reaktivierung überhaupt ins Auge zu fassen. Die Bahn selbst zeigte kein Interesse.

Die Unternehmer Groer und Oetinger bekundeten im Falle einer Stilllegung der Strecke, diese selbst zu übernehmen. Das Bemühen von Landrat Geßner, einen Infrastrukturunternehmer zu gewinnen, fruchtete darin, dass die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm ihre Zusage trafen, die Strecke zu pachten und im Falle der Reaktivierung zu kaufen. Dies erfolgte im Frühjahr 2009. Im April 2013 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss, im Mai der erste „Spatenstich“ am Bahnhof Weißenhorn.

Seit dem 15. Dezember 2013 ist der „Weißenhorner“ im Einsatz und hat den öffentlichen Nahverkehr im Kreis Neu-Ulm und in der Region in einem völlig neuen Maßstab gerückt. Durch die Erschließung des Umlandes mit dem Bus ist es gelungen, dem ehrgeizigen Ziel, gleichwertigere Lebensverhältnisse auf dem Land sowie in der Stadt zu schaffen, näher gekommen. Die Schiene ist das Rückgrat einer schnellen, sicheren und zuverlässigen Erschließung einer Region.

Zeit des Autos endet

Die Reaktivierung der Bahnstrecke Senden–Weißenhorn ist als Referenz für den Personenverkehr auf der Schiene und die Neukonzeption des ÖPNV in der Region Donau-Iller zu verstehen und zu sehen. Als mustergültiges Projekt in Bayern ist es zukunftsweisend: Das Auto hatte seine Berechtigung, jetzt gilt es zu neuen Horizonten aufzubrechen.