Der letzte Schliff, die Schluss-Retusche, fehlt noch. Lange Zeit lag das sieben Quadratmeter große Bild auf der Arbeitsplatte im Pfarrhaus. Jetzt steht es in einer Seitenkapelle der Klosterkirche „und darf sich ausruhen“, wie Restauratorin Christine Götz sagt. Wenn sie von dem Gemälde spricht, verwendet sie oft Formulierungen wie für ein lebendiges Wesen. Kein Wunder. Sie sei „mit dem Bild zusammen- und an der Aufgabe gewachsen“.

Die war auch für die erfahrene Restauratorin, die in Oberelchingen schon drei wertvolle Klosteransichten und das Porträt von Abt Schindele vor dem Vermodern gerettet hat, nicht alltäglich. Anfang 2014 begann die Arbeit an dem Konventbild.  Es zeigt die Mönche, die 1778 zum Kloster gehörten. Der aus Tomerdingen stammende Künstler hat sie zum Gruppenbild versammelt und in Reih’ und Glied aufgestellt.

Erste Überlegungen zur Restaurierung wurden schon 2013 angestellt, sagt die Expertin aus Blaubeuren.  Überhaupt lasse sich nicht messen, wie viele Stunden an gedanklicher Arbeit, an Gesprächen mit Fachleuten vom Denkmalamt, mit Kollegen, aber auch mit Handwerkern nötig waren, um die Herausforderungen zu meistern. Dazu gehörten das immense Schadensbild und das Format: Das Bild ist gut 2,40 Meter breit und 2,70 Meter hoch. „Das kann man nicht einfach hin- und herdrehen“, sagt die 43-Jährige. Daher hat sie ein spezielles Gerüst entwickelt und bauen lassen, von dem aus sie die auf dem Arbeitstisch ausgebreitete Leinwand bearbeiten konnte. Die war mit einer Eigenkonstruktion gespannt und bisweilen mit Sprudelkästen beschwert, um sie zu glätten. Eine wirksame, kostenneutrale Methode: „Ich dachte, den Sprudel trink’ ich sowieso“, sagt Götz.

Mehr als 100 Stunden lag oder hockte die Restauratorin in Schutzkleidung und mit Atemmaske auf dem Gerüst und trug Zentimeter für Zentimeter Schimmel ab. Zuvor hatte sie die Malschicht auf der Vorderseite gesichert und anschließend auf der Rückseite die Materialien abgetragen, die ihre Vorgänger zur Stabilisierung des Bildes angebracht hatten: Frühere Restauratoren hatten Zeitungen, Küchenhandtücher aufgeklebt – mit Kleister. Der sei jedoch anfällig für Mikroorganismen. „Es war wohltuend, das Gemälde von dieser Last zu befreien. Es atmete richtig auf“, schildert Götz diese Phase der Restaurierung. Danach stopfte sie mit einer Art Kunstharz die Löcher im originalen Bildträger, klebte kleinste Fäden unter der Lupe auf. Die nächste Schwierigkeit war der Umzug des wertvollen  Werkes vom Pfarrhaus in die Kirche. Sechs Leute halfen beim Transport, und alles ging gut.

Jetzt ist das Bild in der Kirche, „um sich zu akklimatisieren“. Wenn es fertig ist, kommt es wohl an seinen angestammten Platz über den Eingang zur Sakristei. Ihr werde es schwerfallen, sich eines Tages von dem Werk zu verabschieden, fürchtet Götz. Andererseits ist sie bereits jetzt hochbeglückt vom Ergebnis: Sie hätte nie gedacht, dass das Bild einmal so glatt und eben werden könnte, wie es sich jetzt präsentiert. Sie ist froh, das „unwiederbringliche Kunstwerk“ gesichert zu haben.

Wannenmacher zeige bei diesem Werk zwar nicht seine Virtuosität. Darum sei es ihm in diesem Fall auch nicht gegangen. Das Gemälde ist vielmehr ein historisches Dokument, das belegt, wer damals zum Konvent gehörte. Die Namen der Mönche stehen auf der Rückseite des Bildes. „Wir können sie aber leider nicht den abgebildeten  Personen zuordnen“, erklärt Götz. Ihre Aufgabe als Restauratorin sei es, das Kunstwerk zu erhalten. Es gehe nicht darum, es in neuem oder möglicherweise nie dagewesenem Glanz erstrahlen zu lassen, wie oft irrtümlich angenommen werde.

Nichtsdestotrotz war die Rettung sehr aufwändig, wegen des „konkurrenzlosen Schadensbildes“, an dessen Beseitigung sie sich je nach Eingang der Spendengelder gemacht hat. Jetzt ruhte die Arbeit einige Zeit, weil Ebbe in der Kasse herrschte.

Vor kurzem ging allerdings wieder eine Spende ein, wie Richard Ambs vom Verein „Freunde des Klostermuseums Elchingen“, der sich um den Erhalt der Kunstschätze kümmert, auf Anfrage sagt. Die Restaurierung war auf 50.000 Euro veranschlagt, damit komme man wohl hin. Hätte sich  niemand um das Gemälde gekümmert, „wäre in 20 Jahren nicht mehr viel davon übrig“, meint die Restauratorin.