Bier Glyphosat ist Gift für das Reinheitsgebot

Region / Thomas Vogel 16.02.2017

Bier ist ein ganz besonderer Saft. Groß war daher das Echo, als voriges Jahr ein privates Umweltinstitut Spuren des Wirkstoffs Glyphosat in einigen Bieren nachwies. „Eine Kampagne, ein Medienhype“, lautet die Einschätzung von Klaus Gehring, bei der Landesanstalt für Landwirtschaft zuständiger Referent für Unkrautbekämpfung. Aber: Die Konsumenten hätten schon tausende Liter trinken müssen, um den Grenzwert zu erreichen, „da wäre der enthaltene Alkohol viel früher toxisch wirksam geworden“.

„Die Dosis ist egal“, meinte anschließend Rudolf Feuchtmayr, der Gastgeber des dreistündigen Abends im Brauereigasthof Autenried und Chef der gleichnamigen Brauerei. „Wenn ich mit so etwas in der Zeitung steh’, kann ich morgen meinen Laden zumachen.“ Hier der nüchterne Wissenschaftler, da der vom Vertrauen der Verbraucher abhängige Lebensmittelproduzent. Und im Plenum Landwirte, denen das umstrittene, preislich relativ günstige Glyphosat, auch als Roundup bekannt, in vielen Situationen als unverzichtbar erscheint. Es vernichtet „Unkräuter“, die sonst die Kulturpflanzen zu überwuchern drohen. Auf EU-Ebene läuft das Prüfverfahren für eine Verlängerung der Zulassung. Kontrovers die Einschätzung, ob es krebserregend ist.

Gehring sieht indes keine Gefahren, sofern das Mittel gemäß den Bestimmungen eingesetzt wird. Er erwartet die Verlängerung der Zulassung, zugleich aber zusätzliche nationale Regelungen. Denn die Frage sei längst ins Fahrwasser der politischen Diskussion gelangt und werde somit „politisch“, nicht nach Faktenlage entschieden.

Aber wie kam denn nun das Glyphosat ins Bier, wie der Titel des vom Verband für landwirtschaftliche Fachbildung Krumbach-Weißenhorn veranstalteten Abends lautete. Über die Gerste, mutmaßt Gehring. In den nördlichen und östlichen Bundesländern mit ihrer eher industriell geprägten Landwirtschaft, aber auch im Ausland, würden die Felder oft noch kurz vor der Ernte mit dem Mittel behandelt, „um den Mähdreschereinsatz zu optimieren“. Die Maßnahme liege im „Graubereich“. Eigentlich dürfte das Korn dann nur noch als Tierfutter verwendet werden. Feuchtmayr schützt sich nach seiner Aussage gegen solche Ware ab: „Kein Glyphosat, das steht in den Malzverträgen drin.“

Nicht nachhaltig?

Im Süden der Republik mit den kleinteiligen Strukturen sei das Problem weniger gravierend. Gleichwohl stellte Gehring keinen Freibrief für das umstrittene Mittel aus, von dem in Deutschland rund 5000 Tonnen pro Jahr versprüht würden, was im Vergleich mit anderen Ländern eher wenig sei. Trotzdem: „Wir liegen bei der Behandlungshäufigkeit an der Grenze.“ Wer sein Betriebskonzept auf Glyphosat abgestellt hat, verfolge keine „nachhaltige Landwirtschaft“. Für den Wissenschaftler sind vor allem die zunehmenden Resistenzen von Unkräutern eklatant, auch in Bayern sei das zu beobachten. In Folge komme es zur Entwicklung von „Monsterunkräutern“, aber auch zu einem gravierenden Rückgang der Artenvielfalt.

In ihrem Lösungsansatz waren sich die beiden Referenten im Grundsatz einig. Feuchtmayr, der eine kleine Landwirtschaft betreibt, drückt es so aus: „Wer eine g’scheite mechanische Bodenbehandlung macht, braucht das Zeug nur in absoluten Ausnahmefällen.“ Er denkt an die mittelfristigen Folgen für das Grundwasser und an die nächsten Generationen. „Wir müssen doch nicht immer auch noch das allerletzte aus den Böden herausholen wollen.“

Landesbehörde und Brauereibetrieb

Innovation Als Wegbegleiter in die Zukunft für die Landwirtschaft im Freistaat – so versteht sich die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft. Um zukunftsfähig zu bleiben, heißt es auf der Internetseite, könne sich die Landwirtschaft von Innovationen ebensowenig abkoppeln wie andere Wirtschaftsbereiche. Präsident ist Jakob Opperer, Rosenheim.
Traditionsbetrieb Im Jahre 1650 von Heinrich de Lapiére gegründet, war die Brauerei Autenrieder jahrhundertelang in adeligem Besitz. 1912 erwarb Alois Rudolph das Unternehmen. Er übergab 1964 an seinen Neffen Leonhard Feuchtmayr – und begründete so eine Familientradition. Heute heißen die Geschäftsführer Rudolf und Peter Feuchtmayr.

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