5 250 000 000 000 Plastikteilchen schwimmen im Meer. Das sind 269 000 Tonnen oder 38 500 Lastwagenfüllungen. Pro Jahr gelangen rund 7,5 Tonnen weiterer Plastikmüll in die Weltmeere. Umweltschützer holen das Plastik aus den Mägen toter Tiere. "Mittlerweile gibt es wohl mehr Müll als Fische im Meer", sagt Tanja Nagel, die an der Berufsschule in Illertissen gemeinsam mit Sebastian Schmidt das Umweltteam leitet.

Gemeinsam mit weiteren Lehrkräften an der Schule haben sie eine Ausstellung zum Thema "Umgang mit der Ressource Plastik" initiiert, die die Schüler der verschiedenen Fachbereiche gestalteten. Im Unterrichtsraum des Fachbereichs Ernährung und Versorgung stehen nun große Stelltafeln, an denen Wissenswertes über Plastik zu erfahren ist. Etwa über die Verwendung von Plastiktüten im Einzelhandel, oder die gesundheitlichen Auswirkungen der Verwendung von hormonähnlichen Stoffen, wie Bisphenol A in Kinderspielzeug. Der Zehntklässler Lucas Voss hat mit seiner Gruppe den Lebenszyklus einer Plastikente als Mutimedia-Show erarbeitet. Die Quintessenz: "Wahnsinn, wie schädlich PVC ist", sagt er. Und: Man müsse sich mehr Gedanken auch über die Wiederverwendung von Spielzeug machen: "Am besten ist es, die Ente zu verschenken oder noch besser: Sie gleich anders herzustellen." Ein Jahr lang haben sich die Schüler mit dem Thema Plastik auf je ihre eigene Art auseinandergesetzt. Die Idee zu der Ausstellung war aber nicht nur, dass die Schüler ein Bewusstsein für Ressourcenschonung bekommen, "sondern auch, weil wir uns um den Titel Umweltschule in Europa beworben haben", sagt Schmidt aus dem Umweltteam. Ein solches transparentes Mülltrennsystem haben sich auch die Schüler in Illertissen zusätzlich zu ihrer Ausstellung überlegt. Außerdem steht nun am Eingang der Schule ein großer Behälter, in dem Pfandflaschen von den Schülern gespendet werden können, deren Erlös für soziale Projekte in der Region verwendet werden soll. "Das Ziel unserer Beschäftigung mit dem Thema ist, dass jeder Schüler nicht nur sensibilisiert wird, sondern seinen eigenen Weg findet, wie er verantwortungsvoll mit Kunststoffen umgeht", erläutert Nagel. So sind in der Ausstellung auch positive Aspekte des Werkstoffes Plastik dargestellt, wie etwa der Einsatz von Carbon im Flugzeugbau, oder die revolutionären Möglichkeiten des 3D-Drucks.

"Wir haben wirklich daraus was gelernt", sagt Leyla Beyazay, die sich mit damit beschäftigt hat, wie lange der Müll bis zu seiner Verrottung braucht. Während Zeitungen sich etwa in sechs Wochen auflösen, braucht ein Kaffee-Styropor-Becher rund 50 Jahre. Und eine Einwegwindel ganze 450 Jahre. "Wir als Verbraucher sollten das bedenken und etwas ändern", sagt die Schülerin. Sie jedenfalls trinke jetzt nur noch aus Glasflaschen. Die Ausstellung, die sich die Schüler der Berufsschule die ganze Woche lang anschauen und gemeinsam mit ihren Lehrern mittels eines Kreuzworträtsels erarbeiten konnten, soll nun in die Staatliche Berufsschule in Neu-Ulm wandern und anschließend eventuell in der Stadt Illertissen einen weiteren Platz finden, an dem auch die Öffentlichkeit sich die Arbeiten anschauen kann. Wann und ob die Berufsschule als Umweltschule zertifiziert werden wird, weiß man aber noch nicht. Klar sei aber jetzt schon, dass viele Schüler nur anhand der Bewerbung und der Beschäftigung mit dem Thema Plastik einiges gelernt hätten, sagt Schmidt.

Umwelterziehung: 48 000 Schulen machen mit

Internationales Projekt

"Umweltschule in Europa/ Internationale Agenda 21-Schule" ist eine Ausschreibung der internationalen Stiftung für Umwelterziehung (F.E.E.), an der sich inzwischen weltweit etwa 48 000 Schulen in mehr als 58 Staaten beteiligen. Für Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) Projektträger, acht Bundesländer sind beteiligt. In Bayern wird das Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz mit einem Betrag von jährlich rund 45 000 Euro gefördert. Die in Bayern aufgegriffenen Themen reichen von Energiesparmaßnahmen an den Schulen und Klimaschutzfragen über Baumpflanzaktionen und Biotopschutzmaßnahmen, bis hin zur Umsetzung eines schuleigenen Müllrecyclingkonzepts.

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