Memmingen / Bianca Frieß

Ein 34-Jähriger aus dem Landkreis Neu-Ulm hat sich in den vergangenen Jahren viel zu Schulden kommen lassen: von Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahl bis hin zu sexuellen Handlungen in einem Hallenbad – wobei auch noch die beiden Hakenkreuz-Tattoos auf seiner Brust zu sehen waren. Die meisten dieser Taten verübte der Mann im Rausch, unter Einfluss von Alkohol und Drogen.

Berufung nach Freiheitsstrafen aus Neu-Ulm

Das Amtsgericht Neu-Ulm hatte ihn dafür schon zu Freiheitsstrafen von einem Jahr und sechs Monaten sowie von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Dagegen wurde Berufung eingelegt, weshalb die Verfahren nun am Freitag vor dem Memminger Landgericht nochmal aufgerollt wurden.

Angeklagter will Therapie für Kind und Familie durchziehen

Dabei wurde aber nicht die Schuld des 34-Jährigen in Frage gestellt. Vielmehr ging es um die Bildung einer Gesamtstrafe. Und vor allem um die Frage: Kann der Mann wegen seines massiven Suchtproblems in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden? „Ich will die Therapie jetzt wirklich durchziehen“, sagte der 34-Jährige. Schließlich habe er nun ein kleines Kind, eine Familie. „Ich will, dass das jetzt klappt – dass ich nichts mehr trinke, wenn ich rauskomme.“

Täglich mindestens 15 Bier und Drogen

Schon als Jugendlicher habe er angefangen, regelmäßig Alkohol zu trinken, erzählte der Angeklagte. „Jeden Tag 15 Bier, manchmal mehr.“ Dazu kommen Drogen: „Heroin, Tabletten, ab und zu Kokain.“

Seit einigen Jahren nimmt er schon an einem Substitutionsprogramm teil, bekommt vom Arzt Methadon. Mit Alkohol und Drogen hat er allerdings trotzdem nicht aufgehört. Seine Lebensgefährtin, die Mutter seines Kinds, ist in der gleichen Situation, berichtete der Verteidiger. „Die ziehen sich gegenseitig runter.“

Seit 2002 bereits 15 Mal verurteilt

Die Liste der Vorstrafen des 34-Jährigen ist lang: Seit 2002 wurde er insgesamt 15 Mal verurteilt. Immer wieder ist er gegenüber der Polizei aggressiv geworden, hat die Beamten beleidigt, bedroht, andere Menschen geschlagen. Außerdem ist er wiederholt ohne Fahrkarte Zug gefahren, hat unter anderem Alkohol und ein Handy gestohlen.

Im Schwimmbad Hakenkreuz-Tattoos gezeigt und „intim geworden“

Ähnlich liest sich die Liste der Vergehen, um die es in den aktuellen Verfahren ging. Dazu kommt ein Vorfall im Illertisser Freizeitbad Nautilla im Herbst 2017. Der heute 34-Jährige „wurde im Solebecken mit seiner Freundin intim“, heißt es in der Akte, die Richter Jürgen Hasler verlas. Als ein Bademeister das Paar aufforderte, das zu unterlassen, wurde er beleidigt. Außerdem waren dabei zwei Hakenkreuze zu sehen, die der 34-Jährige als Tattoo auf der Brust trägt – ein Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation und damit verboten.

Betrunken mit dem Mofa einen Unfall gebaut

Nur wenige Tage später war der Mann erneut in dem Bad. „Wieder waren die zwei Hakenkreuze für jedermann zu sehen“, sagte Hasler. Außerdem ist der Angeklagte betrunken Mofa gefahren und hat dabei einen Unfall verursacht.

Am Ende verurteilte das Gericht den 34-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt drei Jahren und sechs Monaten. Dabei ist auch noch eine weitere Haftstrafe von anderthalb Jahren eingerechnet, die das Amtsgericht Ulm im Herbst 2018 ausgesprochen hatte. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten übereinstimmend auf drei Jahre plädiert. Seine Strafe kann der Mann – wenigstens teilweise – zum Entzug in einer Klinik verbringen. „Er wird ohne eine Therapie weitere Straftaten begehen“, sagte Richter Hasler. Und gab dem 34-Jährigen mahnende Worte mit auf den Weg: „Das ist Ihre letzte Chance. Die müssen Sie nutzen.“

Der Angeklagte und sein Verteidiger erklärten noch im Gerichtssaal, auf Rechtsmittel verzichten zu wollen. Damit ist das Urteil rechtskräftig und die Unterbringung in der Entziehungsanstalt kann so schnell wie möglich angeordnet werden. „Super“, sagte der 34-Jährige: „Danke.“

Was besagt der Paragraf 64?

Entzug Der Paragraf 64 des Strafgesetzbuchs regelt die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: Das wird angeordnet, wenn eine Person „den Hang hat, berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen“ und eine Tat begeht, die darauf zurückgeht.

Erfolg Diese Anordnung ergeht aber nur, wenn eine Aussicht besteht, dass die Behandlung Erfolg hat. Laut Gutachter ist das bei dem 34-Jährigen der Fall. Er habe selbst die Bereitschaft zur Therapie erklärt.