Energie 250 000 Liter Heizöl werden schon eingespart

Inspizierten den neuen Fernwärmeanschluss in der Weinstube Hinträger. Von links: Berthold Raschke (Wohnbaugesellschaft), Bürgermeister Wolfgang Fendt, Roland Schipf (Bifa).
Inspizierten den neuen Fernwärmeanschluss in der Weinstube Hinträger. Von links: Berthold Raschke (Wohnbaugesellschaft), Bürgermeister Wolfgang Fendt, Roland Schipf (Bifa). © Foto: Claudia Schäfer
Weißenhorn / Claudia Schäfer 03.05.2018

Die angenehme Wärme in der Weinstube Hinträger sorgte gestern für zufriedene Mienen bei Landrat Thorsten Freudenberger und Bürgermeister Wolfgang Fendt, die sich dort mit Fernwärmekunden zum Erfahrungsaustausch trafen. Schließlich gehört das Hinträger-Anwesen zu den 18 Objekten, die bisher an das wachsende Weißenhorner Fernwärmenetz angeschlossen sind. 30 werden es sein, wenn bald der erste Bauabschnitt fertig ist und der zweite Bauabschnitt beginnt (siehe Info-Kasten).

Monatelang wurde geplant und gebuddelt, um die Abwärme des Müllkraftwerks künftig für die Wärmeversorgung von Weißenhorner Unternehmen, Einrichtungen und Privatleuten zu nutzen. Fast neun Millionen haben Landkreis und Stadt mit Unterstützung des Bundes in ein Vorhaben investiert, auf das viele laut Landrat Freudenberger mit „großer Skepsis“ geblickt haben und das jahrelang auf die Umsetzung warten musste. Doch nun ist das laut Freudenberger „hochgradig sinnvolle Projekt“ in einem ersten Teil verwirklicht und das Zwischenergebnis laut Bürgermeister Wolfgang Fendt „sehr positiv“.

„Bürgern viel zugemutet“

Trotz der wenigen Monate am Netz und der noch überschaubaren Zahl der Anschlüsse wurden durch die Fernwärme bereits 250 000 Liter Heizöl eingespart, rechnete Alois Alt als Geschäftsführer der Fernwärme Weißenhorn GmbH vor. Das Potenzial ist riesig: Theoretisch könnten mehr als drei Viertel der Gebäude in Weißenhorn mit der Abwärme aus dem Müllkraftwerk versorgt werden, erklärte Roland Schipf vom Bifa-Umweltinstitut in Augsburg, das das Projekt technisch begleitet.

Dass der Weg zum Erfolg nicht zuletzt wegen der umfangreichen Bauarbeiten buchstäblich  steinig war, betonten alle Beteiligten. Freudenberger und Fendt dankten den Weißenhornern, die in den vergangenen Monaten wegen Sperrungen und Umleitungen teils große Unannehmlichkeiten auf sich nehmen mussten. „Wir haben den Bürgern viel zugemutet“, sagte der Rathauschef. Im Bereich der Haupttrasse vom Müllkraftwerk zum Claretinerkolleg seien nun keine größeren Einschränkungen mehr zu erwarten, auch wenn noch einige Schönheitsreparaturen anstehen, sagte Alois Alt: „Wir werden alles so hinterlassen, wie wir es vorgefunden haben.“ Dafür geht es ab kommender Woche im zweiten Bauabschnitt weiter in Richtung Nikolaus-Koperni­kus-Gymnasium. „Quasi nebenher“ wird das große Baugebiet „Mittlere Platte“ im Südosten mit angeschlossen, so Alois Alt. Die Nachfrage unter den dortigen Bauherren  sei „sehr groß“.

Den Einzelfall prüfen

Werbung für die Fernwärme kommt nicht nur von offizieller Seite, sondern auch von den Kunden der ersten Stunde. Hilde Oefner, die ihre Elektroheizung zugunsten der Fernwärme aufgab, sprach von einer „tollen Sache“. Der Anschluss habe gut geklappt, die Räume würden nun anders als früher in wenigen Minuten warm. „Ich möchte die Fernwärme nicht mehr missen.“ Auch Berthold Raschke, Hausmeister der Weißenhorner Wohnungsgesellschaft, sprach vom problemlosen Anschluss mehrerer Gebäude an die Fernwärme.

Ob sich der Anschluss der Fernwärme für einen Kunden tatsächlich lohne, müsse immer im Einzelfall geklärt werden, sagte Roland Schipf – und das auch mit Blick auf die Wartungskosten einer herkömmlichen Heizung. Bei der Fernwärme sei der jährliche Kundendienst in die Kosten eingerechnet, für den technischen Support sorgten rund um die Uhr die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm. „Im Idealfall beheben wir Störungen, bevor der Kunde überhaupt etwas davon mitbekommt.“

Doch nicht nur der wirtschaftliche Aspekt sollte bei einer Entscheidung in Sachen Fernwärme wichtig sein, betonte Fernwärme-Kunde Anton Hinträger: „Es geht ja schließlich auch um unsere Umwelt.“

Versorgung gewährleistet

Etappe Im Bauabschnitt eins wurden seit Mai 2017 rund fünf Kilometer Leitungen vom Müllkraftwerk bis zur Stiftungsklinik und zum Claretinerkolleg verlegt. Über den Spitalweg führt die Leitung zudem bis in die Maximilian- und Lenbachstraße. Als knifflig erwiesen sich die beiden Bahnquerungen und die Querungen an Roth und Nebenroth, sagte Alois Alt.

Peri Am Müllkraftwerk im Westen der Stadt wurde ein großer Wärmetauscher gebaut, in einem Stationsgebäude am Bahnübergang Daimlerstraße sind sämtliche Aggregate und die Leittechnik untergebracht. Die Verbindung zum Biomasse-Kraftwerk der Firma Peri sichert die Versorgung mit Fernwärme, falls das Müllkraftwerk stillsteht.

Fortsetzung Der Bauabschnitt zwei beginnt kommende Woche und führt von der Günzburger Straße zu Mittelschule und Gymnasium. Die Kosten liegen bei rund 5,4 Millionen Euro, fertig sollen die Arbeiten im September sein.

Innenstadt Ein weiterer Bauabschnitt verbindet ab 2019 die Innenstadt mit dem Fernwärmenetz.