Sachte streicht Marc Pollack über den alten Tisch auf dem Dachboden des Glaserhofs in Breitenthal bei Roggenburg. Das Möbelstück sieht aus wie in Jahrhunderten nachgedunkelt. Leichte, ausgeschliffene Senken auf der Oberfläche erzählen von ebenso langem Gebrauch. Also ein altes Möbelstück? Nicht ganz. Auf alt gemacht? Schon gar nicht. Alt und doch neu? Schon eher. "Denn die Oberfläche besteht aus alten, dicken Dielenbrettern aus unserem Bestand", erzählt der gelernte Schreiner und Gründer der Firma Antikwerk. Den Unterbau hat die Werkstätte in Weißenhorn gebaut - diese haben Pollack und dessen Kompagnon, der Schreinermeister Stefan Heise, vom dortigen Möbelhaus Wirth gemietet.

Seit 25 Jahren arbeitet und handelt Antikwerk mit historischen Baustoffen: Tausende von alten Türen, Fenstern, Dielen, Pfosten, Tonnen von alten Balken, Ziegeln, Fliesen, Beschlägen, geschmiedeten Eisenzäunen, Lampen, landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten bevölkern die Lagerflächen der Firma. Alte Materialien, aus denen neues Wohnen entsteht. Den Stil - "unsere Handschrift, die sich im Laufe der Jahre entwickelt hat" - unter dem Begriff Landhaus zusammenzufassen, wäre zu kurz gegriffen. "Viele unserer Stücke finden einen Platz in neuen Häusern, im Umfeld moderner Einrichtung", erzählt Pollack. "Andere Leute wollen sich eine rustikale Stube einrichten." Dazu gibt es Aufträge wie den vom Betreiber einer Gaststätte, erbaut zu Beginn des 20. Jahrhunderts, umgebaut in den 70ern. "Da gilt es, alte Substanz hervorzuheben und mit Neuem zu ergänzen." Die Vorstellungen seien so vielfältig wie die Individualität der Liebhaber historischer Baustoffe. Allen gemeinsam: "Die Abkehr von der Wegwerfgesellschaft."

Ein Zentrum dieses seit Jahren stetig wachsenden Trends hat das Antikwerk im Glaserhof bei Breitenthal gefunden, restauriert und angemietet - an der Grenze zwischen den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg. Das 1742 erbaute Gut hat vor der Säkularisierung im frühen 19. Jahrhundert den Äbten des Klosters Roggenburg als Sommerresidenz gedient. Für das Antikwerk ist es der ideale Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. "Wir brauchten einen Platz, an dem wir unsere Ideen und unsere Arbeitsweise verdeutlichen können." Das ganze Jahr gibt es Veranstaltungen - im angegliederten Café wie auch auf dem ganzen Gelände. Anhänger von Biolandwirtschaft und -gartenbau, Züchter alter Tierrassen, Kunsthandwerk, Darsteller napoleonischer Schlachten, Modeschöpfer - alle finden sie eine Bühne samt ordentlich Publikum am Glaserhof. Fast alle Baustoffe des Antikwerks stammen aus dem Umkreis von 50 Kilometern. Jedes Stück Holz, das die Firma verlässt, geht zuvor durch die thermische Holzwurmbehandlung in der Weißenhorner Schreinerei. Dort werden die kleinen Tierchen, die niemand im Haus haben will, mittels Hitze statt mit Gift getötet. Angst, dass einmal der Nachschub an alten Balken, Dielen, Ziegeln ausgehen könnte? "Da hatten wir anfangs auch Panik", sagt Pollack. Aber mit dem Bekanntheitsgrad steige auch die Zahl der Anbieter. Das neueste Projekt: Eine ehemalige Tabakfabrik mit einem unermesslichen Fundus. "Tausende Pressvorrichtungen für Tabak aus Holz, alte Tische, sogar noch alte, originalverpackte Emaille-Werbeschilder." Als nächsten Schritt kann sich Pollack vorstellen, das Stil-Spektrum auf Exponate der 50er und 60er Jahre auszuweiten. Aber dazu bräuchte man einen weiteren Ausstellungsort. Eine Art Loft - "mit Glas und Beton wäre in diesem Fall das Stimmigste."

Programm das ganze Jahr