Weißenhorn Buben retten Rollifahrer: „Würden jederzeit wieder so handeln“

Max (links) und Levin saßen am Weiher in der Nähe des Weißenhorner Freibads, als ein Mann ins Wasser stürzte.
Max (links) und Levin saßen am Weiher in der Nähe des Weißenhorner Freibads, als ein Mann ins Wasser stürzte. © Foto: Patrick Fauß
Weißenhorn / Bianca Frieß 17.08.2018
Ein 82-Jähriger ist in einen Weiher in Weißenhorn gefallen. Das haben zwei 13-Jährige beobachtet – und nicht gezögert.

Zuerst waren die Jungs schockiert. „Aber dann ist das wie ein Reflex, du handelst einfach“, sagt Max. Ohne lange zu überlegen hat er sich die Schuhe ausgezogen, ist ins Wasser gerannt. Sein Freund Levin hat derweil Hilfe geholt.

Die beiden 13-Jährigen haben am Donnerstagnachmittag einen älteren Mann aus dem Weiher in der Nähe des Weißenhorner Freibads gerettet. Der 82-Jährige war gegen 16.20 Uhr mit seinem Rollstuhl am Ufer unterwegs, geriet offenbar mit einem Rad in die Böschung. „Und auf einmal macht es Platsch, und er fliegt ins Wasser“, sagt Max – und zwar mit Bauch und Gesicht nach unten. „Da wussten wir sofort, dass er in großer Gefahr, fast schon in Lebensgefahr war.“

Genau richtig reagiert

Der Mann konnte sich nicht aus eigener Kraft aufrichten. Max habe ihn deshalb gleich stabilisiert, ein Stück weit aus dem Wasser herausgezogen, erzählt Levin. „Und ich bin solange zum Freibad gerannt.“ Am Eingang traf er auf eine Frau, die sofort mit zum Weiher kam. „Zu dritt haben wir dann versucht, den Herrn aus dem Wasser zu ziehen.“ Wenig später kam noch ein Mann dazu, der mit seiner Familie am Weiher spazieren war. Zusammen gelang schließlich die Rettung.

Max rannte dann gleich nochmal zum Freibad, um einen Bademeister mit einem Sanitätskoffer zu holen. Derweil alarmierte sein Freund mit einem Handy den Rettungsdienst. „Wir haben den Mann dann wieder auf seinen Rollstuhl gesetzt und in den Schatten gefahren, es war ja sehr sonnig dort“, erzählt Levin. Der 82-Jährige habe nach der Rettung zwar nicht viel geredet. „Wie es aussah, hatte er aber keine Beschwerden.“ Der Rettungsdienst lieferte den Rentner trotzdem zur weiteren Untersuchung in die nahe Stiftungsklinik ein. Wenig später konnte er aber schon wieder entlassen werden.

Lage des Seniors war „nicht ungefährlich“

Der 82-Jährige wurde nicht verletzt, heißt es von der Polizei. Das habe er den beiden Jungs zu verdanken. „Sie haben wirklich toll reagiert“, sagt Sprecher Christian Eckel: „Solche Leute braucht man.“ Ob der 82-Jährige wirklich in Lebensgefahr war, könne er nicht genau sagen. Auf jeden Fall war die Lage des Seniors laut Polizei aber „nicht ungefährlich“.

Vor dem Unfall saßen die beiden 13-Jährigen aus Weißenhorn zusammen am Weiher. Sie haben ihre Ferien genossen, Eistee getrunken und Musik gehört – bis der Senior ins Wasser stürzte. Beide waren zuvor noch nie in einer solchen Situation. „So etwas passiert ja auch nicht alle Tage, das war ehrlich gesagt schon ein kleiner Schock“, sagt Max. Und sein Freund Levin ergänzt: „Wir wussten auch nicht genau, was zu tun ist, wir haben einfach irgendwas gemacht.“ Und das war genau das Richtige, wie sich herausstellte.

Am Tag nach dem Vorfall sind die Jungs dann schon ein bisschen stolz auf ihre Rettungsaktion. Jederzeit würde er wieder genauso handeln, sagt Max. „Dass es dem Mann jetzt gut geht, ist echt ein gutes Gefühl.“

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Dramatische Einsätze in der Region

Aktionen In der Region gibt es immer wieder erfolgreiche Rettungsaktionen. Einige Beispiele:

Elchingen Erst am vergangenen Sonntag haben zwei Männer einen Rentner aus einem See bei Unterelchingen gerettet. Der 74-Jährige hatte während des Schwimmens Herz-Kreislauf-Probleme bekommen und drohte, unterzugehen.

Senden Im Februar haben Helfer von Polizei, Wasserwacht und Feuerwehr eine 64-Jährige aus dem Wasser am Ayer Wehr gezogen. Ein Anwohner hatte ihre Hilferufe gehört. Hier gab es auch 2012 einen großen Rettungseinsatz: Ein Mann war beim Versuch, das Wehr hinunterzuschwimmen, mit der Badehose an einem Nagel hängen geblieben. Bei starker Strömung brauchten die Rettungskräfte fast eine Stunde, um ihn zu bergen.

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