Ein Fastfood-Restaurant, eine Disko, mehr Sportplätze und besser ausgebaute Radwege waren nur einige Wünsche, welche die rund 50 Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren beim dritten Jugendforum der Stadt im Großsachsenheimer Jugendhaus geäußert haben.

Bereits zum dritten Mal waren junge Menschen von allen Sachsenheimer Schulen  dazu eingeladen, sich über die Gegenwart und Zukunft ihrer Heimtstadt Gedanken zu machen. „Zunächst haben wir allen Teilnehmern die Kommunalpolitik und deren aktuelle Themen näher gebracht. Die Jugendlichen sollten erfahren, welche Entscheidungs- und Beteiligungsprozesse es auf kommunalpolitischer Ebene in Sachsenheim, aber auch im Landkreis Ludwigsburg gibt“, erklärte Stadtjugendpfleger Nico Blum.

Nach dieser allgemeinen Einführung haben die Jugendlichen unterschiedliche Themen, die für sie in der Stadt relevant sind, gesammelt und zu ihren wichtigsten Punkten Arbeitsgruppen gebildet. Am Nachmittag schließlich stellten die Teilnehmer des dritten Sachsenheimer Jugendforums Gemeinderäten, Fachbereichsleitern der Stadtverwaltung und Schulleitern ihre erarbeiteten Ideen detailliert mit Schaubildern vor.

„Wir wollen das W-Lan in der Stadt revolutionieren und verschiedene Hot-Spots mit gratis W-Lan schaffen. Solche Stellen könnten beispielsweise am Spielplatz im Schlosspark, am Bolzplatz an der Schule, an der Rundbank in der Von-Koenig-Straße sowie am Skaterpark sein“, schilderte Manuel Müller aus Hohenhaslach, der damit die Attraktivität der Stadt für die jungen Menschen steigern möchte. Die Jugendlichen wollen in Großsachsenheim mit den W-Lan-Hot-Spots beginnen und diese auch auf bestimmte Standorte wie zentrale Bushaltestellen in den einzelnen Stadtteilen ausdehnen. „Wir denken, dass dieses Projekt in sechs bis zwölf Monaten zu realisieren ist“, betonte der 15-jährige Manuel Müller. Gemeinderat Peter Brosi ermunterte die Gruppe um den jungen Hohenhaslacher ihr Ziel weiterhin motiviert zu verfolgen, aber auch die Sicherheitsaspekte zu bedenken und dafür geeignete Lösungen zu finden.

Etwas weiter war das Projekt von Esra Menzil, Lea Ballmann, Philine Stöckler, Michelle Kramer und Meric Iceli bereits fortgeschritten, da es bei den zurückliegenden Jugendforen ebenfalls zur Sprache kam. „Wir wollen eine Jugendhütte errichten, deren Wände innen und außen mit Graffitis verschönert werden sollen. Die Pläne dafür erstellt schon ein Architekt. Ein geeignetes städtisches Grundstück an einem Feldweg zwischen Großsachsenheim und dem Eichwald-Gelände ist auch bereits gefunden“, erläuterte die 15-jährige Esra Menzil. Die Hütte soll keine Türen und Fenster haben und vor allem in den Sommermonaten mit Grillplatz den Jugendlichen als Treffpunkt dienen.

Für bessere Bus- und Bahnverbindungen ins Schulzentrum nach Großsachsenheim setzten sich Selina Schneeweis und Cici Anastasiou ein. „Es wäre wünschenswert, wenn die Bustaktzeiten an den Unterrichtsbeginn oder das Unterrichtsende angepasst werden könnten oder auch umgekehrt. Sonst müssen die Schüler aus bestimmten Teilorten wie Kleinsachsenheim morgens viel zu früh aus dem Haus, um nicht zu spät zum Unterricht zu kommen, und nachmittags nach dem Unterricht müssen sie lange auf den Bus warten“, betonte Cici Anastasiou. Der Schulleiter der Gemeinschaftsschule, Bernhard Dietrich, sagte, dass es durchaus möglich sei, den Unterricht später beginnen zu lassen, dass dies jedoch weitreichende Konsequenzen habe, da auch mögliche Belegzeiten der Sporthallen und des Hallenbads darauf abgestimmt werden müssten. Auch für eine Veränderung der Taktzeiten der Busverbindungen sei ein langer Atem nötig, machte Dietrich den Jugendlichen wenig Hoffnung auf eine schnelle Realisierung ihres Wunsches.

Nicht ganz so schwierig umzusetzen, ist das Projekt von Jan Reisinger und seinen Freunden aus Großsachsenheim. Die 14-Jährigen möchten gerne einen Jugendbeirat in der Stadt aus der Taufe heben und den Jugendlichen damit ein Mitspracherecht in der Sachsenheimer  Kommunalpolitik sichern. „Wir wollen, dass nicht alles über unsere Köpfe hinweg entschieden wird, denn es geht dabei schließlich um unsere Zukunft. Wir werden den Jugendbeirat an allen Schulen der Stadt mit Präsentationen vorstellen und die Jugendlichen zum Mitmachen auffordern. Bis Mitte April hoffen wir schon in diese Richtung etwas bewegen zu können“, machte Jan Reisinger deutlich.

Fußball-Bundesliga im Jugendhaus übertragen


Sven Reisinger verfolgt mit seiner Arbeitsgruppe ein Ziel, das vor allem die männlichen Jugendhausbesucher auf ihrer Wunschliste ganz weit oben platziert hatten. „Wir möchten gerne erreichen, dass samstags im Großsachsenheimer Jugendhaus Übertragungen der Fußball-Bundesliga zu sehen sind. Zur Finanzierung des nötigen Receivers und Abonnements wollen wir mit dem Verkauf von Getränken beitragen. Dies wäre für junge Fußballfans zwischen 10 und 18 Jahren eine enorme Bereicherung des Freizeitagebots“, so  Reisinger.

Jugendhausleiterin Dörte Lange hatte Bedenken, da zu Zeiten der Fußballübertragungen das Jugendhaus geschlossen hat und dafür samstags extra geöffnet werden müsse. „Dafür brauchen wir wieder Personal, das finanziert werden muss. Aber ich kann mir vorstellen, dass wir testweise an einem oder zwei Samstagen ausprobieren, wie die Resonanz ist“, stellte Lange fest.

Der Schulleiter der Kirbachschule, Rainer Graef, schlug vor, dass die Aufsicht bei den Fußballübertragungen auch ehrenamtlich organisiert werden könne. Stadtjugendpfleger Nico Blum wird im Gemeinderat über die Ergebnisse der unterschiedlichen Arbeitsgruppen berichten. Die Sachsenheimer Jugendlichen selbst wollen ihre Themen ebenfalls weiter vorantreiben. mig