Diesel-Gipfel Innung ist vorsichtig optimistisch

Landkreis Ludwigsburg / Frank Ruppert 04.10.2018

Der Diesel-Gipfel und seine Folgen beschäftigen auch Autofahrer, Händler und Werkstätten im Landkreis Ludwigsburg. Neben Stuttgart gehören nämlich auch Ludwigsburg und Heilbronn zu den von Stickoxid besonders belasteten Städten: „Derzeit sind 14 Städte in Deutschland in diesem Sinne besonders belastet. In diesen sind schnelle Verringerungen der Emissionen der PKW-Flotte äußerst dringlich und besonders effektiv. Auch hier ist es das wichtigste Ziel, Fahrverbote zu vermeiden“, heißt es in dem am Dienstag von der Bundesregierung vorgestellten „Konzept für saubere Luft und die Sicherung der individuellen Mobilität in unseren Städten“. In Ludwigsburg war laut Umweltbundesamt der Jahresmittelwert von mehr als 50 Mikrogramm Stickoxide pro Kubikmeter Luft mit 51 Mikrogramm überdurchschnittlich. Neben einer Umtausch-Aktion von Euro-4- und Euro-5-Diesel erwartet der Bund auch, dass Autohersteller die Kosten für eine Hardware-Nachrüstung übernehemen.

„Der Gipfel ist zu Ende und es wird ein Fazit präsentiert, aber Konkretes ist noch nicht bekannt“, sagte Markus Klein am Dienstag. Der Bietigheimer KFZ-Meister ist Kreisvorsitzender der KFZ-Innung. Fest stehe mit dem vorgestellten Beschluss zunächst einmal, dass die von der Landesregierung geforderte Blaue Plakette für „saubere“ Fahrzeuge nicht komme. „Das ist gut, denn irgendwann haben wir nur noch Plaketten auf den Autos“, meint Klein.

Präzisierungsbedarf sieht er bei den Themen Umtausch und Nachrüstung. „Die ersten Autoherrsteller haben ja schon abgewunken und wollen die Nachrüstung nicht übernehmen. Eigentlich lohnt es sich auch nur bei neueren Euro-5-Dieseln“, sagt der Experte. Mit 3000 bis 5000 Euro sei für den Einbau eines solchen SCR-Systems zu rechnen, abhängig vom Modell. Wenn dies die Hersteller nicht übernehmen, aber eine Umtauschprämie von mehreren Tausend Euro anbieten, sei es eben eine Frage der Abwägung für den Kunden.

Handwerker erhalten Förderung

Dass jetzt die Prämie auch für Gebrauchtwagen gilt, findet Klein gut, weil sich viele eben trotz Förderung keinen Neuwagen leisten könnten. Fraglich sei allerdings, ob es überhaupt genug gebrauchte Benziner gebe, wenn nun alle ihre Diesel umtauschen wollten. „Die gebrauchten Benziner aus Deutschland sind auch im europäischen Ausland sehr gefragt“, weiß der Bietigheimer. Dass die Handwerker einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent für die Nachrüstung bekommen sollen, sieht er als richtig an, weist aber auch auf das Problem der Wohnmobile hin. Deren Anzahl erhöhe sich immer mehr und die seien nicht speziell aufgeführt in dem Konzept der Bundesregierung.

Trotz aller Kritik an den noch vielen offenen Fragen, etwa wieviel Prämie es gibt und welche Autohersteller eine Nachrüstung übernehmen, sieht Klein darin eine Chance, Fahrverbote etwa in Ludwigsburg zu verhindern. Insgesamt sieht er drohenden Fahrverboten gelassen entgegen: „Schon allein weil immer mehr Menschen auf neue Autos wechseln, wird die Luft besser und einem Jahr wird es vielleicht kein Thema mehr sein, ein Fahrverbot zu erlassen“, meint Klein.

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