Klassik Von der Schönheit Gottes und des Gesangs

Der Bassbariton Bryn Terfel wird bei seinem Auftritt im Künzelsauer Carmen-Würth-Forum von Annabel Thwaite am Flügel begleitet.
Der Bassbariton Bryn Terfel wird bei seinem Auftritt im Künzelsauer Carmen-Würth-Forum von Annabel Thwaite am Flügel begleitet. © Foto: Würth/Hans Neukircher Neale
Künzelsau / Andreas Dehne 06.11.2018
Der walisische Weltstar Bryn Terfel zelebriert einen fast perfekten Liederabend im Carmen-Würth-Forum. Er ist begeistert von der Akustik des Saales.

Guten Tag und danke schön.“ Das sind die ersten gesprochenen Worte des Bassbaritons Bryn Terfel im Künzelsauer Carmen-­Würth-Forum. Da hat er schon etwa eine halbe Stunde gesungen: Lieder von Franz Schubert wie „Liebesbotschaft“ und „Auf dem Wasser zu singen“. Auf Deutsch, obwohl er dieser Sprache gar nicht mächtig zu sein scheint.

„I come from Wales“, fährt er in seiner Muttersprache fort. „And I want to take the hall to Wales.“ Seine Begeisterung für die grandiose Akustik des Kammermusiksaales im Carmen-­Würth-Forum überträgt sich auch auf die Zuhörer. „Carmen, please can I take it away?“, fragt er die anwesende Namensgeberin des Forums.

„Zufällig“ die richtigen Noten

Dann verlässt er zur gespielten Überraschung seiner famosen ­Begleiterin Annabel Thwaite am Flügel den Ablauf des gedruckten Programmes und singt einige ­Lieder aus seiner groß­britannischen Heimat. Für die natürlich „zufällig“ die richtigen Noten­blätter bereit liegen. Darunter ein ganz fantastisches „Danny Boy“, die „inoffizielle Hymne“ der Iren.

Er erzählt – auf Englisch – von seinem Besuch bei Glenlivet, einer der namhaften Whisky-­Destillerien in Schottland, und behauptet: „I don’t remember much of it.“ Aber ein Lied will er behalten haben, das eine Verkäuferin gesungen haben soll. ­„Ye Banks and Braes.“ Und auch das will er natürlich nicht für sich ­behalten. Je länger er singt, desto mehr kann man seine Begeisterung für die Akustik des Raumes nachvollziehen.

Das Publikum lauscht einem Bassbariton, dessen grandiose Stimmgewalt sich wie eine musikalische Offenbarung förmlich im akustisch perfekt klingenden Raum ausbreitet. Begleitet am Flügel von der sehr ruhigen, aber nicht minder perfekt aufspielenden Annabel Thwaite, kann das Carmen-­Würth-Forum seine ganze akustische Pracht entfalten. Das Publikum, inzwischen geradezu frenetisch begeistert, feiert ihn beim Abschied mit stehenden Ovationen. Sir Bryn Terfel nimmt es mit walisischer Gelassenheit und Humor. Er interpretiert mit zunehmender Begeisterung alte englischsprachige Lieder, plaudert mit dem Publikum, versucht zwischendurch immer wieder, das Carmen-Würth-Forum nach ­Wales zu verfrachten, und singt das „Tosturi Dew“. Die „Gnade Gottes“ umschreibt er mit den Worten „The Beauty of God“.

Dem Publikum nahe sein

Er lehnt am Flügel, tupft sich immer wieder die nasse Stirn ab, steht am Rand der Bühne, um seinem Publikum nahe zu sein, und irgendwann wirft er sein Jackett zur Seite. „Tewje is not a rich man“, ruft er nach knapp 90 Konzertminuten und einigen Zugaben ins sofort aufkreischende Publikum. „But he loves his five daughters. Dear God.“ Zum famosen Abschied interpretiert er die Rolle des jüdischen Milchmannes aus einem russischen Schtetl. Was für ein Augenblick, als er singt: „If I was a rich man.“ Wer als Zuschauer an einer solch grandiosen Aufführung teilnimmt, kann für den Moment des Auftrittes von Sir Bryn Terfel gar nicht mehr reicher sein wollen.

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