Künzelsau Solist und Orchester im Miteinander

Künzelsau / Ralf Snurawa 06.12.2018
Bravo-Rufe gibt es für Pianist Dmitry Masleev und die Würth-Philharmoniker im Carmen-Würth-Forum.

Johannes Brahms hatte sein erstes Klavierkonzert zunächst als eine Sonate für zwei Klaviere geplant. Doch dann wurde eine Sinfonie daraus und schließlich ein Konzert für Klavier und Orchester. Der Sinfonie-Charakter blieb dabei zentrales Moment. Das Klavier ist weniger dem Orchester gegenübergestellt als in anderen Kla­vier­konzerten.

Kraftvoll und spannungsreich

Genau dies unterstrich am Samstag der junge Pianist Dmitry Masleev, der vor drei Jahren durch den Gewinn des Tschaikowski-Wettbewerbs in Moskau bekannt geworden ist, zusammen mit den Würth-Philharmonikern unter der Leitung von Leon Botstein im Carmen-Würth-Forum in Gaisbach. Kraftvoll und spannungsreich eröffnete das Orchester. Botstein ließ Raum für das Auskosten zarter Momente. Er und Masleev legten trotz aller Ecken und Kanten und plötzlicher Wendungen Wert auf einen kompakten Eindruck. Das Tempo des F-Dur-Seitenthemas, das erst vom Klavier vorgetragen wird, ging Masleev weitaus zügiger an als viele seiner Kollegen.

Öfter nahm sich Masleev zurück und ließ die Holzbläser und Hörner mit ihrem sanften, weichen Ton zur Geltung kommen. So gelang im langsamen Mittelsatz eine hervorragende Verdichtung von Klavier- und Orchesterklang. Mit dem Schlusssatz, einem Rondo, wurde der Kontrast gesucht: scharf in der Betonung, aber voll Spiellust. Das Publikum bedachte diese mitreißende Wiedergabe mit viel Beifall.

Mysteriös klingende Überleitung

Knüpfte Brahms in seiner Komposition bei Beethoven an, so versuchte dies Antonín Dvorák in seiner sechsten Sinfonie wiederum bei Brahms. Besonders die Ecksätze offenbaren dies. Leon Botstein arbeitete diese Bezüge gut heraus. Darüber hinaus zeigte Botstein ein Faible fürs Klang­liche, etwa im ersten Satz bei einer wundervoll mysteriös klingenden Überleitung.

Der Furiant (ein böhmischer Volkstanz) im Scherzo-Satz offenbarte perfekt abgestimmte Wechsel zwischen den Instrumentengruppen und brachte ein kräftig betontes Wirbeln, das eigentlich schon dem Tänzerischen entfremdet erschien.

Gesangliches Moment und ausgelassene Spiellust trafen im Finale aufeinander. Federnde Triolen standen sehnsüchtigem Tönen gegenüber und mündeten in eine überschäumende Stretta, die in ihrem Klangjubel im choralartigen Spiel der Blechbläser innehielt, um erst danach zu enden. Leon Botstein und die Würth-Philharmoniker ernteten für diese Darbietung Bravorufe und begeisterten Beifall.

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