Verkehr Immer mehr Lkw parken auf der Standspur.

An den Rastanlagen im Land fehlen Tausende Parkplätze für Lastwagen.
An den Rastanlagen im Land fehlen Tausende Parkplätze für Lastwagen. © Foto: dpa
Kupferzell/Waldenburg / Heike Kinkopf 08.09.2018

Aufgereiht wie die Perlen einer Kette stehen nachts Lkw hintereinander auf dem Standstreifen der Autobahn. Der letzte in der Reihe stellt in einiger Entfernung ein Warndreieck auf. Die Fahrzeuge haben keine Panne. Die Fahrer halten die vorgeschriebenen Ruhezeiten ein. Weil es an Rastplätzen mangelt, parken sie direkt auf der Autobahn. Und das immer häufiger.

Täglich kontrolliert die Polizei die Standstreifen. „Illegal parkende Lkw sind ein permanentes Problem, insbesondere auf der A 6“, sagt Helmut Wacker, Leiter der Verkehrspolizeidirektion Weinsberg. Zurzeit verschärft es sich.

Die Ursachen liegen für Wacker auf der Hand: Der Lkw-Verkehr sei deutlich gestiegen, es gebe zu wenig Parkplätze und außerdem seien die vorhandenen zeitweise wegen Bauarbeiten geschlossen. Michael Endres, Pressesprecher der Autobahnbetreibergesellschaft ViA6West, bestätigt: „Es wird schlimmer.“

Vier Tote seit 2014

Stehen Lkw auf dem Standstreifen, passieren mitunter schwere Unfälle. Seit 2014 kamen dabei vier Menschen im Bereich der Verkehrspolizeidirektion ums Leben, sagt Wacker, zuletzt Mitte Januar. Wie viele Unfälle tatsächlich auf Standstreifen-Parker zurückzuführen sind, wird statistisch nicht erfasst. Die Laster behindern laut Wacker außerdem Rettungs- und Abschleppfahrzeuge. Denen bleibe häufig nur der Standstreifen, um an eine Unglücksstelle zu kommen.

Es fehlen Parkplätze. Die Rastanlage Hohenlohe etwa ist vor Kurzem auf beiden Seiten ausgebaut worden. Gut zwei Jahre später ist die Anlage nach wie vor regelmäßig überfüllt.

Die Politik will den Neu- und Ausbau vorantreiben. In Baden-Württemberg wird dem Landesverkehrsministerium zufolge ein Bedarf von 9000 Lkw-Parkplätzen für das Jahr 2025 prognostiziert. Dem steht ein Bestand von 6700 Stellplätzen gegenüber. Doch die Gesetzgebung und der Umstand, dass der „Neu-, Aus- und Umbau von Rastanlagen in der jeweiligen Umgebung keine hohe Akzeptanz haben“, erschwerten das Ganze, wie eine Sprecherin mitteilt. Zudem nehme der Schwerlastverkehr schneller zu als Stellplätze gebaut werden könnten. „Es geht nicht so schnell, wie man es sich wünscht.“

Der Unfall im Januar beim Rastplatz Bauernwald, bei dem zwei Menschen verbrennen und eine Frau schwer verletzt wird, ist juristisch noch nicht abgeschlossen. Ein Audi-Fahrer kam einem Gutachten zufolge aus ungeklärter Ursache von seiner Spur ab und krachte in das Begleitauto eines Schwertransports, der auf der Einbiegespur zum Rastplatz hielt. Ein Lkw-Fahrer soll die Zufahrt versperrt haben. Der Rastplatz war belegt. Der Rechtsanwalt des Mannes sieht keine strafbare Handlung seines Mandanten, sagt Christoph Meyer-Manoras, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Hauptursächlich für das Unglück sei das Tempo des Audis von 160 km/h gewesen.

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