Bretzfeld Hohenlohische Tafelfreuden

BESH-Preisträgerin Birgit Wolf macht sich in Bitzfeld um die hohenlohische Küchen- und Wirtshauskultur verdient.
BESH-Preisträgerin Birgit Wolf macht sich in Bitzfeld um die hohenlohische Küchen- und Wirtshauskultur verdient. © Foto: d
Bretzfeld / Beatrice Schnelle 06.12.2018
Schon lange pflegt die Bitzfelder Gastwirtin Birgit Wolf ihre „kochende Leidenschaft“. Ihr Hofgut ist seit fünf Generationen in Familienbesitz.

Birnen- oder Ananasquitte mit Rosinen und Walnüssen gefüllt, knusprig überbacken mit einer Masse aus Fruchtfleisch und Eischnee: Dieses außergewöhnliche Dessert lockt auf der Speisekarte des Gasthauses „Zum Löwen“ in Bretzfeld-Bitzfeld. Das Rezept habe sie aus einem 200 Jahre alten Kochbuch, verrät Birgit Wolf. Die Löwen-Wirtin erhielt den BESH-Agrarkulturpreis in der Kategorie Kultur und Soziales, da sie sich um die Bewahrung der traditionellen hohenlohischen Wirtshauskultur und der hohenlohischen Küche besonders verdient gemacht hat, meint die Jury.

„‚Besonders verdient gemacht‘ würde ich ja nicht sagen“, wehrt die 55-Jährige bescheiden ab. „Ich geb’ mir halt Mühe.“ Sie biete traditionelle Gerichte in ihrer ursprünglichen Zubereitungsweise an, „so, wie ich es bei meiner Oma gesehen hab’“. Grundlage für ihre „Sößle“ seien zum Beispiel immer selbst gekochte Knochenbrühen.

Großen Zuspruch bei den Gästen finde das Thema „Braten“, für das die begeisterte Köchin diverse Varianten in petto hat. Eine weitere Spezialität des Hauses sind die Wildbret-Gerichte. Das Fleisch stammt aus dem eigenen Revier in den Waldenburger Bergen. Trotz dieser aufwändigen Tafelfreuden müssen die Gäste nicht allzu tief in Tasche greifen: „Wir bieten gutbürgerliche Küche zu ganz normalen Preisen an,“ betont Wolf.

Das 380 Jahre alte, denkmalgeschützte fränkische Hofgut in dem 1400-Einwohner-Dorf Bitzfeld ist seit fünf Generationen im Familienbesitz. Der Kochlöffel befindet sich dort schon lange fest in Frauenhand. 1984 übernahm ihn die damals 19-jährige Birgit von ihrer Großmutter Frieda, die 50 Jahre lang Herrin über den Herd war. Mutter Lisa habe sich mehr um den landwirtschaftlichen Bereich gekümmert. 2000 wurde der Stall umgebaut und in das „Landhaus Wolf“ mit 13 Gästezimmern verwandelt. Heute arbeiten in der Gasthofküche manchmal drei Frauengenerationen Seite an Seite, denn Tochter Julia ist mittlerweile ebenfalls in den Familienbetrieb eingestiegen. Birgit Wolfs Ehemann starb vor 16 Jahren.

Fritz, der jüngste ihrer drei Brüder, kümmert sich nebenberuflich um den Ackerbau und sorgt so für die nachwachsenden Rohstoffe, aus denen die Heizenergie für die Gebäude gewonnen wird. Schwiegersohn Andreas trägt in seiner Freizeit zur Reichhaltigkeit der Speisekarte bei: Er baut leidenschaftlich gerne Obst und Gemüse an. So kommen unter anderem die erwähnten, besonders zarten Birnen- und Ananasquitten auf den Tisch.

Rindfleisch bezieht der „Löwen“ unter anderem vom Bio-Hof der Familien Kochendörfer. Dieser Orlacher Hof ist das Geburtshaus von Großmutter Frieda. „Dass so viel direkt aus der Verwandtschaft kommt macht mich froh und hoffnungsvoll für die nächste Generation“, sagt Birgit Wolf dankbar.

Wie fast alle Gastronomen haben die Wolfs mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Damit sie den Betrieb mit ihrem zwölfköpfigen Team bewältigen können, ist die Wirtschaft unter der Woche erst ab 17 Uhr geöffnet. Auf diese Weise komme sie selbst mit etwa zehn Stunden Arbeit pro Tag hin.

Die Arbeit der Bauern achten

Sehnt sich die fleißige Frau manchmal nach einem bequemeren Leben? Ab und zu denke sie daran, aber sie liebe nun mal das Kochen, die Begegnung mit vielen, netten Menschen und das „ganze Drumherum“. Ihr schönster Lohn sei das Lob ihrer Gäste. Außerdem: „Die Generationen vor mir haben das ja auch durchgezogen, und ich empfinde einen gewissen Stolz, dass ich es schaffe, das Gasthaus zu erhalten.“

Den BESH-Agrarkulturpreis findet sie „super“, weil die Veranstaltung Öffentlichkeit für die Landwirte schaffe. Dass deren harte Arbeit meist als selbstverständlich betrachtet werde, sei schlimm: „Sie haben unsere Wertschätzung in höchstem Maße verdient!“

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