Bad Mergentheim „Der Konsument hat eine enorme Macht“

Teilnehmer der Podiumsdiskussion über das Thema „Verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln“ in Bad Mergentheim waren (von links) Landwirt Rudolf Bühler, Slow-Food-Conviviums-Leiter Hans-Werner Bunz, Fachexperte Otto Geisel, Pfarrer im Ruhestand Willi Mönikheim als Moderator, Gastronom Markus Reinauer, Demeter-Landwirt Dietmar Hofmann und Johannes Ulrich von der Hohenlohe-Gesellschaft.
Teilnehmer der Podiumsdiskussion über das Thema „Verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln“ in Bad Mergentheim waren (von links) Landwirt Rudolf Bühler, Slow-Food-Conviviums-Leiter Hans-Werner Bunz, Fachexperte Otto Geisel, Pfarrer im Ruhestand Willi Mönikheim als Moderator, Gastronom Markus Reinauer, Demeter-Landwirt Dietmar Hofmann und Johannes Ulrich von der Hohenlohe-Gesellschaft. © Foto: Peter D. Wagner
Bad Mergentheim / Peter D. Wagner 20.09.2018
Ums Thema „Verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln“ dreht es sich in Bad Mergentheim. Der Tenor: „Kein Produzent wird etwas herstellen, was nicht gekauft wird“.

Verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln“ lautete der Titel einer informativen Podiumsdiskussion in Bad Mergent­heim, die auf großes Zuschauer­interesse stieß. Präsentiert hat die Veranstaltung die Naturschutzgruppe (NSG) Taubergrund im Rahmen ihres Jahresthemas „Artenvielfalt und Ernährung“ in Kooperation mit Slow Food Mainfranken-Hohenlohe und der evangelischen Kirchengemeinde.

„Wir alle können als kritische Bürger durch umweltbewusstes Konsumverhalten und beim Einkauf immer auch das Tierwohl im Stall sowie die Vielfalt an Wildkräutern, Insekten und Vögeln in Feld und Flur im Blickfeld behalten als auch Einfluss nehmen auf die Artenvielfalt“, betonte der NSG-Vorsitzende Josef Gulde. Eine tiefsinnige Geschichte eines kleinen Getreidekorns erzählte zur Einstimmung Pfarrer im Ruhestand Willi Mönikheim, der die Veranstaltung moderierte.

„Ökologische Landwirtschaft ist vierfach effizienter als die chemisch-technische, da man auch die externen Kosten und den externen Nutzen berücksichtigen muss, was oft verkannt wird“, berichtete Landwirt Rudolf Bühler, der zudem darauf hinwies, dass 70 Prozent der Nahrungsprodukte durch kleine Landwirtschaftsbetriebe erzeugt würden. „Wenn wir in die Zukunft blicken, sollten wir getrost eine ökologische Landwirtschaft bevorzugen, die Natur ordentlich bewirtschaftet und nicht zerwirtschaftet.“

Menschheit geht es schlecht

„Wenn wir mit einer Landwirtschaft weitermachen, die rücksichtslos mit Gift und Chemie agiert, dann geht es der Menschheit schlecht“, meinte Slow-Food- Conviviums-Leiter Hans-Werner Bunz. Mit einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur sei nicht nur der Boden, sondern unter anderem auch der mit den Tieren gemeint. „Wenn wir Verantwortung übernehmen, sollten wir auf sowohl gut schmeckende als auch sauber und fair erzeugte Lebensmittel achten.“

„Über Mitarbeiterverpflegung in der Gemeinschaftsgastronomie sprechen nur wenige. Wir haben über die besten 50 Unternehmen in diesem Bereich ein Ranking erstellt und präsentieren sie als Leuchtturmbeispiele“, berichtete Fachexperte Otto Geisel über eine von ihm und seinem Team erstellte bundesweite Expertise zur Qualität von Kantinen in Großunternehmen.

Dabei sei es nicht um Geschmack gegangen, sondern vor allem um Kriterien wie etwa verantwortungsvoller Einkauf. Es habe sich herausgestellt, dass die Betriebsgastronomie in Großunternehmen nicht einmal ein ­Prozent der Gesamtausgaben betreffe. „Unternehmen erkennen zunehmend, dass der verantwortungsbewusste Einsatz von Lebensmitteln sowie eine gesunde und nachhaltige Ernährung der Mitarbeiter sehr wichtig ist.“

Gastronomie sei eine Plattform für alle Menschen, doch nur ein relativ geringer Prozentsatz der Kunden habe das Bewusstsein für den Wert eines verantwortungsvollen Handelns mit Erzeugnissen im Gaststättengewerbe, teilte Gastronom Markus Reinauer mit Sorge mit. „Es stellt sich die Frage, wer diese Sprache für die große Masse dechiffrieren kann“, äußerte er sich nachdenklich. Sein Gastronomiebetrieb suche die Tiere beim Landwirt noch lebend nach ethischen, theologischen und ökologische Aspekten aus, um dann auch nach geschmacklichen und handwerklichen Aspekten verantwortungsbewusste Spezialitäten zubereiten sowie servieren zu können.

Demeter von vielen belächelt

„Als wir uns für eine ökologische Landwirtschaft nach Demeter-­Kriterien entschieden haben, wurden wir von vielen belächelt“, erläuterte Demeter-Landwirt Dietmar Hofmann. „Wir haben niemanden verdrängt, sondern das Wachstum hat sich geradezu von alleine entwickelt. Wir machen das aus Leidenschaft.“ „Konventionell wirtschaftende Landwirte speziell in unserer Region handhaben viele Dinge nicht verkehrt“, betonte Hofmann. Seiner Prognose nach werden noch mehr Betriebe zur ökologischen Landwirtschaft übergehen und hinzukommen.

„Es gibt einen Erzeuger, Hersteller und Produzenten, am Ende steht der Konsument“, hob Johannes Ulrich von der Hohenlohe-­Gesellschaft hervor. Daher habe der Konsument eine „enorme Macht, denn kein Produzent wird etwas herstellen, was nicht gekauft wird“, verdeutlichte er. „Schauen Sie darauf, was und wo Sie einkaufen – damit entscheiden Sie nach wirtschaftlichen und ethischen Gesichtspunkten über einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln“, appellierte Ulrich.

Im Anschluss hatten die Zuhörer in offener Runde wie auch beim abschließenden Empfang die Gelegenheit zu individuellen Fragen, Gesprächen und Diskussionen mit den Fachreferenten, was auch eifrig genutzt wurde.

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