Eine unruhige Nacht hatten vier Anwohner der Kinzig in Schiltach (Kreis Rottweil). Weil sie ihre Autos nah am Fluss geparkt hatten, klingelte die Polizei sie gegen 3 Uhr heraus, damit sie die Fahrzeuge in Sicherheit bringen konnten. Wer so schnell keine Gummistiefel zur Hand hatte, holte sich dabei nasse Füße. Nach Informationen der Polizei stand das Wasser zu der Zeit bereits unter den Karosserien, und die Autos drohten weggeschwemmt zu werden.

Feuerwehr prüft Dämme

In vielen Landesteilen hat der seit Samstagabend anhaltende Regen Flüsse und Bäche anschwellen lassen. Besonders betroffen davon sind der Ortenaukreis, der Nordschwarzwald, die Schwäbische Alb und das Allgäu. Auch zwischen Hausach und Wolfach hat die Kinzig das Bett verlassen. Nach Auskunft des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt Ortenaukreis prüfen die Feuerwehren entlang der Rench die Dämme. Heute Morgen waren in der Ortenau 14 Feuerwehren im Einsatz, um Keller auszupumpen.

Hochwasser nichts Ungewöhnliches

Bereits am Sonntagmittag musste die Landesstraße zwischen Leinstetten und Bettenhausen bei Dornhan im Kreis Rottweil gesperrt werden. Dort hatte nach Auskunft der Polizei eine stark sprudelnde Quelle die Wurzeln eines Baumes unterspült. Er hatte keinen Halt mehr und fiel im Wind um. Dabei riss er mehrere Elemente der Leitplanke heraus. In Simonswald im Kreis Emmendingen entwickelte sich an einem Hang ein sonst übliches Rinnsal zu einem reißenden Fluss. Das Wasser schoss den Hang hinunter und riss jede Menge Erde mit sich. Ein Haus, das am Fuß des Hanges steht, wurde von den Erdmassen beschädigt. Schäden gebe es am Mauerwerk, mindestens zwei Räume seien nicht mehr bewohnbar, sagte ein Sprecher der Polizei in Freiburg. Das Hochwasser an sich sei nicht ungewöhnlich, sagte Manuela Nied, Hydrologin bei der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) Baden-Württemberg. Außergewöhnlich sei, dass große Landesteile betroffen seien.

Wasserstände steigen weiter

„Die einzelnen Hochwasserstände sind nicht dramatisch“, sagte sie. Die meisten Wasserstände lägen im Bereich eines 2-jährlichen Hochwassers. Das heißt, es kommt statistisch gesehen in zwei Jahren ein Mal vor. Nur an der Rench sei ein 10-jährliches Hochwasser zu verzeichnen. Auch an der Lauchert auf der Schwäbischen Alb sei so ein 10-jährliches Hochwasser zu erwarten. Dort steigen die Pegelstände noch. In vielen anderen Landesteilen sind sie stabil oder fallen schon wieder. „Doch die Wasserstände werden nochmal ansteigen“, prognostiziert die Expertin. Die Meteorologen sagen für die kommende Nacht weitere starke Regenfälle voraus, vor allem für den östlichen Teil des Landes. Wie sich die Pegelstände entwickeln, ist auf der Internetseite der Hochwasservorhersagezentrale zu beobachten. Unter der Adresse hvz.baden-wuerttemberg.de  erscheint unter den Punkten „Wasserstand“ und „Pegelkarte“ eben diese Pegelkarte mit der aktuellen Entwicklung der Wasserstände. Die Pegelstände werden nach Aussage von Manuela Nied stündlich aktualisiert. Darauf sind auch Punkte zu sehen, die blinken. Das bedeutet, dass der Wasserstand eine bestimmte Höhe überschritten hat und die betroffenen Kommunen informiert werden müssen. „Die müssen dann aktiv werden, Straßen oder Parkplätze sperren und Brücken beobachten“, sagt die Hydrologin.