Ein Millionenprojekt hat die Riedericher Leser der SÜDWEST PRESSE beim Stammtisch interessiert. Im Anklang an die Metzinger Bäderdebatte gab es die Nachfrage an Bürgermeister Tobias Pokrop, ob und wann denn das Lehrschwimmbecken in Riederich saniert wird.

Klare Aussagen konnte der Verwaltungschef den rund 30 anwesenden Gästen nicht geben. Der Fördermittelantrag sei gestellt, man warte nun auf eine Antwort. Sollte der Antrag positiv beschieden werden, so würde das Lehrschwimmbecken für schätzungsweise 2,5 Millionen Euro saniert und verändert werden: Der Grund für diese Summe ist, dass die Kosten, um für die Fördermittel aus dem Bundestopf infrage zu kommen, bei über einer Million Euro liegen müssen. Daraus ergeben sich die 2,5 Millionen, von denen 1,5 aus dem Finanzetat der Gemeinde gestemmt werden müssen, inklusive der Folgekosten. Bereits 2011 zur Bürgerversammlung haben sich die Riedericher und auch der Gemeinderat für eine Erhaltung des Lehrschwimmbeckens ausgesprochen. Auf die Frage, ob denn auch saniert werde, wenn es keine Zuschüsse gibt, erklärte Tobias Pokrop: „Es ist eine Freiwilligkeitsleistung.“ Die Gemeinde habe viele Pflichten und man müsse sehen, wann die Modernisierung des Schwimmbeckens verwirklicht werden könne. Dabei ist das Bad allein durch die Kurse der Volkshochschule und des TSV gut frequentiert. Allein montags nutzen 80 Erwachsene das Lehrschwimmbecken, betonte Johanna Kruppa, die ehemalige VHS-Leiterin. Zudem sei das Schwimmbecken ein Aushängeschild für die Ortschaft. „Hier haben viele Schwimmen gelernt“, kam es aus der Leserstammtischrunde. Ein Beschluss zugunsten des Riedericher Bades ist bereits vor Jahren gefasst wurden. Vorrang haben Pokrop zufolge aber die Pflichtaufgaben, wie die U3-Kinderbetreuung.

Kinder als Herausforderung

Wie für viele andere Kommunen auch ist die Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren zur Herausforderung geworden. Das wurde beim Leserstammtisch klar. Eine Frage beschäftigte die Runde im Besonderen: Warum ist die Kernzeitbetreuung nicht flexibel? Eine Mutter berichtete davon, dass sie gern die Tage der Kernzeitbetreuung habe tauschen wollen. Der Grund dafür seien andere Arbeitszeiten. Die alleinerziehende Mutter brachte sogar einen schriftlichen Nachweis des Arbeitgebers bei. Dennoch sei ein Wechsel der Betreuungszeit nicht vor dem kommenden Jahr möglich. Sogar der Gemeinderat habe in einer nichtöffentlichen Sitzung über den Fall debattiert, sich wohl aber mehrheitlich gegen eine Ausnahme der bestehenden Regelungen entschieden. Die Satzung sehe lediglich drei Punkte vor, bei denen eine flexible Änderung der Betreuungszeiten möglich wäre: Tod eines Elternteils, Arbeitslosigkeit und Wegzug. Selbstverständlich könnten die gebuchten Zeiten geändert werden, und zwar zwei Mal jährlich: im Juni und im November. Für die junge Mutter, die auf den Job und den Kernzeitplatz angewiesen ist, war diese Erklärung unverständlich. „Leute, wacht auf, man muss flexibel sein“, fordert sie die Gemeinderatsmitglieder auf.

Bürgermeister Tobias Pokrop versuchte indessen, den Standpunkt der Verwaltung zu erläutern. Es sei schlicht eine Gratwanderung, und es müsse genau abgewogen werden, ab wann man welche Ausnahme zulasse. Zudem verwies er auf die mehrheitliche Entscheidung des Gremiums. Rätin Gisela Kromer merkte außerdem an, dass die Anforderungen und Ansprüche im Bereich der Kinderbetreuung sich enorm entwickeln würden. Bürgermeister Pokrop ergänzte das und erklärte: „Eltern sehen immer nur ihren Fall“, die Aufgabe der Gemeinde sei es jedoch, alles im Blick zu haben. Auch die personelle Entwicklung und das begrenzte Platzangebot. Immerhin 50 Kinder könnten täglich von der Kernzeit Gebrauch machen. Aus der Stammtischrunde kamen allerdings Wortmeldungen, die sich für die junge Mutter aussprachen. Schließlich sollte man die Kinder nicht an den Rand schieben und könne doch auf die Problematik der Frau eingehen. Während der Bereich Kinderbetreuung keine Nachwuchsprobleme, sondern oftmals mehr Nachfragen als Plätze hat, sieht es beim TSV Riederich umgekehrt aus.

Aus dreien wurde einer

Kürzlich traten Gisela Kromer und Herbert Mayer als Vorstände des TSV zurück, Nachfolger konnten nicht gefunden werden. Die Führung des größten Riedericher Vereins wird noch bis zur außerordentlichen Versammlung von Dieter Kull übernommen. In etwa sechs Monaten wird dann auch der letzte aus dem ehemaligen Führungstrio des TSV seinen Rücktritt antreten. Sollte sich bis dahin niemand finden, der den Vorsitz übernimmt, könnte der wohl schlimmste Fall eintreten: die Auflösung des TSV. Das verdeutlichte Kull beim Leserstammtisch. Man habe bereits vor der Mitgliederversammlung im Oktober über Monate versucht, Nachfolger zu finden. „170 Briefe habe ich geschrieben und zu einer internen Informationsveranstaltung eingeladen“ sagte Gisela Kromer. Getan hat sich bislang nichts. So konnte auch Dieter Kull keine eindeutige Aussage zum Verbleib des Vereins machen.

Bessere Nachrichten hatte dafür Bürgermeister Tobias Pokrop: Das Generationenhaus, auf das die Ortschaft schon seit mehr als zehn Jahren wartet, wird wohl nun endlich Realität. „Im Frühjahr könnten die Bauarbeiten beginnen“, so der Verwaltungschef. Bislang würden die Anträge dafür zwar noch vom Landratsamt geprüft, aber er hoffe auf einen Spatenstich im kommenden Jahr.

Ein Abend, viele Themen


Die Themen, die während des Leserstammtisches besprochen wurden, werden noch gesondert in Artikeln behandelt: ob Verkehr, Fingerspitzengefühl für Falschparker, fehlende Sportlerehrungen oder ein Kinderhaus in der Gemeinde.