Bad Urach Zurück in die 80er Jahre

Kai Thomas Geiger (rechts) und Tom Naumann. Foto: Dorothee Scheurer
Kai Thomas Geiger (rechts) und Tom Naumann. Foto: Dorothee Scheurer
Bad Urach / DOROTHEE SCHEURER 19.04.2013
Den Begriff "autoreverse" kennen viele Jugendliche heute im Zeitalter von MP3-Playern und Smartphone nicht mehr. Kai Thomas Geiger hat den Begriff kürzlich in der Buchhandlung am Markt erläutert.

Es war in den 70er und 80er Jahren technisch zwingend, dass ein Cassettenrecorder zum Musikabspielen gerade diese automatische Seitenumkehrfunktion "autoreverse" besaß. "Autoreverse" ist auch der passende Titel für den Erstling von Kai Thomas Geiger, der hier die Geschichte einer Jugendclique von 1979 bis 1984 in Stuttgart erzählt. "Der Titel hat mir gleich gefallen", erzählt der Autor bei der Lesung in der Buchhandlung am Markt. "Aber er muss klein geschrieben werden, denn mit einem "Auto hat er wenig zu tun". Die Cassetten haben eine A- und eine B-Seite. Auf der A-Seite sind in der Regel die Hitsingles und auf der B-Seite die anspruchsvolleren Titel. So gibt es auch im Buch eine A- und eine B-Seite.

Druckfrisch stellte der Stuttgarter das Buch in Bad Urach vor. Begleitet wurde er von seinem Freund, dem Gitarristen Tom Naumann. Die beiden kennen sich seit über 25 Jahren, als Geiger noch in der Metall-Band Sinner spielte.

Geiger, Jahrgang 1966, ist in Möhringen aufgewachsen. Musik, die ihn als Jugendlicher sehr stark prägte und einschneidende Erlebnisse hat er im Buch verarbeitet. Mehrmals betont er während der Lesung, "das Buch ist nicht autobiografisch, aber authentisch". Manche der Geschichten hat er nur gehört und dann gesammelt. Aber es ist deutlich, viele eigene Erlebnisse fließen mit ein.

Für die Zuhörer ist es eine Reise in die Vergangenheit, als der größte Elektronikanbieter Lerche in Stuttgart noch drei Filialen hatte, man bei Photo Porst die Bildabzüge bestellte, Tanzkurs bei der Stuttgarter Tanzschule Dieterle machte oder im Ottokatalog von Unterwäsche bis Möbeln alles bestellte.

Vor einiger Zeit hat Geiger mal wieder den alten Plattenspieler angeworfen. "Das Knistern hat mich gestört". Worauf ein Zuhörer widerspricht: "Das gehört für mich dazu". Autoreverse brauchen beide nicht mehr. Es ist doch praktisch, wenn man eine CD einlegt und nicht auf die B-Seite umdrehen muss.

Zum Schreiben kam Geiger eher zufällig. Einer seiner ehemaligen Mitschüler hatte bei einem Klassentreffen seiner alten Schule, des Möhringer Königin-Charlotten-Gymnasiums, ein kurioses Lehrerquartett dabei. Geiger fand diese Idee so witzig, dass er sie in einem Blog im Internet postete. Das fand der Verlagsleiter vom Theiss-Verlag so interessant, dass dieser ihn bat, doch ein Buch über seine Jugendzeit in Stuttgart zu schreiben. Für Geiger, der auch als Werbetexter und Gestalter für bekannte Marken wie Adidas oder dm arbeitet, war dies doch eine Herausforderung. Zwar hatte er 2000 bei einem Filmdrehbuch (für den Film "Dead Fish" mit Gary Oldmann) mitgearbeitet, doch an ein Buch hatte er nie gedacht. Immer offen für Neues wagte er es und erzählte anfangs niemand davon. Nach zwei Jahren Arbeit ist ein einfühlsames, warmherziges Buch über die Geschichte des Rocks und die Jugend in den 80ern herausgekommen.

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