Kelten Zunächst kleine Schritte

© Foto: Simon Wagner
Grabenstetten / SIMON WAGNER 17.11.2013

Vor der Haustüre der Gemeinden Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Hülben liegt eine der größten keltischen Siedlungen Westeuropas. Sie stammt aus der Zeit etwa um 100 bis 200 Jahre v. Chr. Spektakuläre Funde auf dem rund 15 Hektar großen Gelände sorgen immer wieder für Aufsehen. Für den jüngsten Paukenschlag war einmal mehr Achim Lehmkuhl verantwortlich. Der ehrenamtliche Mitarbeiter der Landesdenkmalpflege, fand vor wenigen Wochen auf einem frisch gepflügten Acker ein rund 2100 Jahre altes, eisernes Kesselgehänge. Im Land ist solch ein Relikt aus keltischer Zeit bislang einmalig.

Es sind Funde wie diese, die die besondere Stellung des „Heidengrabens“ unterstreichen und deutlich machen, welch kulturelles Erbe die einstigen Bewohner des sogenannten Oppidums ihren Nachfahren hinterlassen haben. Was man aus diesem Erbe machen kann, wie es gelingen kann, dieses archäologische Highlight als Standortfaktor im touristischen Sinne und als Teil der Regionalentwicklung umzudeuten, darum ging es unter anderem während des Kolloquiums am Freitag und Samstag. Ausgewiesene Experten und Praktiker verschiedener Fachrichtungen und Himmelsrichtungen, stellten auf Einladung des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, des Fördervereins für Archäologie, Kultur und Tourismus (FAKT), der Universität Tübingen, der Gesellschaft für Archäologie und der Keltenwelten aktuelle Arbeiten, Ansichten und Erfahrungen in der Grabenstetter Gaststätte „Lamm“ vor.

Zwischen 50 und 80 Interessierte folgten den jeweiligen Referaten und gewannen so Einblicke in Projekte, wie in das des Freilichtmuseums Heuneburg, am Glauberg im hessischen Wetteraukreis oder im bayerischen Altmühltal. Dort überall ist bereits das verwirklicht, was man sich für die Heidengraben-Region vorgenommen hat: Ein Zusammenspiel von sichtbar rekonstruierter Forschung, von Natur und Tourismus. Oder wie Jürgen Steiner vom Schwäbischen Albtourismusverband seinen Vortrag überschrieb: „Den Heidengraben auf der touristischen Landkarte sichtbar machen“.

„Kolossal“ nannte der FAKT-Vorsitzende Peter Heiden die Informationsfülle, die an beiden Tagen ans Licht kam. Da ging es um archäologische Befunde, um Ansatzpunkte einer touristischen Kernkonzeption und um ganz praktische Hinweise zur Umsetzung. „Jetzt müssen wir erst einmal zur Ruhe kommen“, so Heiden. In Arbeitskreisen sollen nun Ideen sortiert, diskutiert und auch zusammen mit den Anrainergemeinden nach finanzieller Machbarkeit abgeklopft werden. Aber eine viel gehörte Botschaft klang besonders nach: „Es hat überall lange gedauert.“

„Wir müssen uns etwas gedulden“, will er den Rat ernst nehmen, zunächst kleine Schritte statt große Projekte, wie ein Kelten-Informationszentrum, in Angriff zu nehmen. Wahrscheinlicher ist da etwa ein kleinerer Info-Pavillon oder die Ausweisung von themenbezogenen Wanderrouten, samt Infotafeln. Bei allen möglichen, touristischen Angeboten, ein substantielles Anliegen ist ihm die Akzeptanz in der Bevölkerung. Nur sie kann die Infrastruktur (etwa in Form von Gästebetten) schaffen, die nötig ist, um den Heidengraben als Urlaubsziel zu verankern.

Dass nur wenige heimische Bürger an der Vortragsreihe teilnahmen, wertet er als Beleg für fehlende Bezüge zu einer „Wahnsinns-Landschaft“ und ihrer spektakulären Geschichte. Mit dem rund 100 Mitgliedern zählenden FAKT-Verein ist er angetreten, das zu ändern. Er hat auch die Ortsansässigen im Blick, wenn er sagt: „Wir wollen, dass man hier etwas erleben kann.“ Ein zukunftsweisender Schritt hierzu wurde am Wochenende getan, ist sich Heiden sicher: „Ich sehe das Kolloquium als Meilenstein für weitere Entwicklungen“, so sein fast euphorisches Fazit.

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