Rund 300 Mitglieder zählt der Geflügelzucht- und Vogelschutzverein Dettingen, etwa 60 davon sind aktiv. Sei es "wohlwollend mithelfend" bei Aktionen und Veranstaltungen, wie Vorsitzender Klaus Müller erklärt. Er gehört zu denjenigen, die einerseits züchten und darüber hinaus auch im Vogelschutz aktiv sind. Und für andere gilt gerade dem das Hauptaugenmerk - zu ihnen zählt Helmut Bader. Winterruhe kennt er nicht, denn Vogelschutz ist auch aktiver Naturschutz. Der Verein kümmert sich um vier Schutzgehölze rund um Dettingen, die in den Wintermonaten gepflegt werden müssen. Bis März ist dazu Zeit, die Einsätze werden über Arbeitseinsätze koordiniert und geleistet. Eine unter Umständen körperlich anstrengende Arbeit.

In den Schutzgebieten befinden sich auch Futterstellen für Vögel, die von Helmut Bader regelmäßig kontrolliert werden: "Ein bis zwei Mal die Woche schaue ich dort je nach Bedarf vorbei", berichtet er vom arbeits- und zeitintensiven Ehrenamt. Über die Notwendigkeit permanenter Winterfütterung der in heimischen Gefilden verbliebenen Vögel herrschen auch unter Experten und Wissenschaftlern unterschiedliche Ansichten, in Dettingen werde jedenfalls im November damit begonnen: "Wir füttern kontinuierlich über den ganzen Winter", berichtet Bader von der gängigen Praxis in Dettingen. Pause werde auch in schneearmen Zeiten aus gutem Grund nicht gemacht, denn einerseits habe sich die Landwirtschaft massiv geändert: "Es gibt so gut wie keine Stoppelfelder oder Ackerrandstreifen mehr." Und dort wie auch einst auf Misthäufen hätten die Vögel auch in den Wintermonaten Futter gefunden.

Auch die Industrialisierung und Verbauung trage andererseits ihren Teil dazu bei, dass sich der Lebensraum für Vögel geändert habe. Und so habe laut Bader eine Untersuchung ergeben: Überall dort, wo konstant gefüttert werde, steige auch die Population der Vögel. "Es ist bewiesen, dass es dort mehr Brut gibt."

Damit die Vögel in diesem veränderten Lebensraum ausreichend Möglichkeiten haben, sich ein Nest zu bauen, unterhält der Vogelschutzverein 150 auf der Dettinger Gemarkung verteilte Nistkästen. Zum Teil befinden die sich in der Zuchtanlage, auf Streuobstwiesen oder am Waldrand: "Ich habe auch schon Privatleute gefragt, ob ich einen in ihrem Garten aufhängen darf", berichtet Bader. Diese Nistkästen gilt es über die Wintermonate zu reinigen, die alten Nester kommen raus. 90 Prozent sind laut Baders Erfahrung in der Regel belegt: Wann mit der Brut begonnen wird, ist von der Witterung abhängig. Mit dem Nestbau beginnen die Meisen, bereits im März machen sie Erkundungsflüge: "Sie schließen dann schon mal einen kleinen Mietvertrag ab", erzählt Helmut Bader schmunzelnd.

Auch die Futterstellen sind im Winter sauber zu halten, das gilt auch für das Häuschen im Garten oder auf der Wiese: "Der Dreck muss raus, bevor es neu bestückt wird", erklärt Helmut Bader. "Ich habe immer einen Kehrwisch im Auto." Gefüttert wird mit Sonnenblumenkernen und Haferflocken, vor allem der Zaunkönig und das Rotkehlchen bevorzugen Weichfutter. Außerdem stellt der Vogelschutzverein auch selbst Futterkeile her, die verkauft werden: "Da weiß man wenigstens, was drin ist." Das sei bei den handelsüblichen Futterknödeln nicht immer der Fall, so werden seinen Erfahrungen nach schon mal Ambrosiasamen verarbeitet.

Der Lohn für die Mühen: An Futterplätzen ist eine Vielzahl an Vögeln zu beobachten, an demjenigen in der Zuchtanlage herrscht ein reges Kommen und Gehen, darunter Haussperlinge und verschiedene Meisen. "In kürzester Zeit waren fünf verschiedene Vogelarten hier", freut sich Helmut Bader. Sein Wissen rund um die heimischen Vögel vermittelt er ab dem Frühjahr übrigens wieder bei vogelkundlichen Wanderungen.

Futterkeile

Die vom Geflügel- und Vogelschutzverein hergestellten Futterkeile werden bei dessen Schauen oder von Helmut Bader verkauft, Telefon: (0 71 23) 7 11 01. In seinem Privathaus in der Kreuzgasse 4 hat er ein kleines Schaufenster eingerichtet, auch dort können die Futterkeile erworben werden.

SWP