Emotionen pur vor der Kulturach-Veranstaltung: In die Aufregung und das Lampenfieber vor dem Konzert vor heimischem Publikum mischte sich bei den fünf Musikerinnen von "Les Roulettes" die Freude über das so nicht erwartete Interesse: Knapp 140 Zuschauer waren in die Volksbank geströmt, die Sitzplätze im Sitzungsraum waren schnell vergeben, und so mancher Besucher musste stehen oder sogar mit einem Platz in der zweiten Reihe vorlieb nehmen, im Foyer. "Wir sind total überwältigt", sagte Sängerin Martina Weber denn auch zur Begrüßung. "Ich hoffe, wir enttäuschen Sie nicht."

Im Gegenteil: Die Gäste hätten den Fünf mit sichtlicher und hörbarer Begeisterung musizierenden Frauen noch ewig zuhören können. Doch nach der dritten Zugabe, einem der schönsten wohl stimmungsvollsten "Rausschmeißer" war endgültig Schluss mit einem nachhaltig beeindruckenden Konzert: "Nach Rio Reisers Übers Meer kann nichts mehr kommen", erklärte Martina Weber.

Martina Weber ist eine Leadsängerin, die sich viel traut und dadurch gängigen Hits einen ganz eigenen Stempel aufdrückt: Seis bei Adels "Rolling in the deep" oder dem Song "Somebody that I used to know" von Gotye. Martina Weber steht als Frontfrau zwar im Mittelpunkt, doch ohne zu dominieren - ihre Mitspielerinnen haben genug Raum und Möglichkeit sich zu entfalten: Jede macht alles - mehrstimmig singen wie auch an verschiedenen Instrumenten musizieren, die alles andere als gängig sind. Irmi Hipp-Kiefer steht am Kontrabass, Ursula Hanke und Katharina Riemer spielen unter anderem Gitarre und Akkordeon, Fulya Tavman-Kurz beherrscht nicht nur das Cajon, sondern auch die Trommel und das Xylophon.

Alle Musikerinnen zusammen sorgen für eine wilde musikalische Mischung und eigenwillige Interpretationen, mit lustigen und flotten Momenten, melancholischen Seiten und ruhigen, nachdenklichen Phasen. Und sie sorgen vor allem auch für Überraschungen abseits der vielfach gehörten Hits, die man mitsingen kann: Felix Meyer hat Martina Weber in Hamburg als Straßenmusiker gehört und war begeistert, zwei seiner Songs gehören nun zum "Les Roulettes"-Programm. Ingrid Michaelson ist etwas bekannter, Anett Louisan ebenfalls und ZAZ inzwischen ohnehin. Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger ist ein Geheimtipp, Carla Brunis Chanson kennt auch nicht jeder.

"Les Roulettes" haben sich die fünf Musikerinnen genannt, weil sie laut Martina Weber ein Programm zwischen "alles möglich und nichts geht mehr" haben, stets dreht sich bei ihnen alles und alles ist in Bewegung: Die Stile, die Stimmungen, die Länder und mit ihnen auch die Sprachen, in denen gesungen wird: Deutsch, Französisch, Englisch und eine "wilde Mischung" aus dem Osten Europas.

Seit sechs Jahren musizieren die fünf zusammen: "Wir haben in einem Alter damit begonnen, in dem sich andere Frauen einen Hund oder einen Liebhaber zulegen oder gleich beides", berichtete Martina Weber von der Entstehungsgeschichte. Das Publikum war sich einig, dass die Musikerinnen die richtige Entscheidung gefällt haben: Von den Newcomerinnen in etwas reiferem Alter wird man sicherlich noch mehr hören, "Les Roulettes" setzen neue Akzente in der Musikszene der Region.

Info Im Juni findet keine Kulturach-Veranstaltung statt, die nächste ist am Freitag, 13. Juli, 20 Uhr, ein italienischer Abend in der Dürnitz des Schlosses. Die Kulturacher gestalten ein Programm zwischen Vesper und Vesper mit Liedern und Texten von heiter bis nachdenklich. Der Vorverkauf hat begonnen, Karten gibt es im Residenzschloss und beim italienischen Laden "Aglio, Olio e Peperoncino".