Seeburg Wer Zeit hat, der hilft mit

Freiwillige Helfer um den Seeburger Ortsvorsteher Heinz Gnoyke räumen das Seeburger Gemeindehaus aus.
Freiwillige Helfer um den Seeburger Ortsvorsteher Heinz Gnoyke räumen das Seeburger Gemeindehaus aus. © Foto: Kirsten Oechsner
Von Kirsten Oechsner 27.08.2018

Alles muss raus, so heißt seit drei Wochen das Motto in Seeburg: Engagierte Bewohner des kleinsten Bad Uracher Stadtteils packen an jeweils zwei Abenden in der Woche an und räumen das Gemeindehaus leer. Türen und Schränke, Küchenelemente oder auch Regale werden in Container-Mulden geschafft, zwei davon wurden bereits prall gefüllt abtransportiert und viele weitere werden laut Ortsvorsteher Heinz Gnoyke noch folgen.

Die Eigenleistungen sind mit der Stadt Bad Urach abgesprochen und wurden unter den Einwohnern durchaus kontrovers diskutiert: „Nun stehen aber alle dahinter“, erklärt Gnoyke. Basis des freiwilligen Engagements ist eine Liste, erstellt von Architekt und Bauamt: „Darauf steht, was wir machen sollen und was wir alles dürfen“, so Gnoyke, Installationsarbeiten sind beispielsweise tabu.

Montags und freitags ab 18.30 Uhr lassen derzeit einige Seeburger ihre privaten Arbeiten ruhen und treffen sich am Gemeindehaus. Das soll in den nächsten Jahren zum Ortsmittelpunkt werden: Die Feuerwehr zieht ein, die Verwaltung zieht vom Alten Rathaus ins dann neu gestaltete Gebäude um, Archiv sowie die Bücherei werden dort ebenfalls untergebracht und der Saal bleibt erhalten. Ein Projekt, das laut Zeitplan im Lauf des Jahres 2020 abgeschlossen sein soll, und dennoch ist Eile geboten: Bereits Ende Juli 2019 wird das neue Fahrzeug für die Feuerwehr geliefert. Dann muss eigentlich laut Ortsvorsteher Gnoyke wenigstens die neue Fahrzeughalle bereits fertig sein.

 Im Augenblick ist das freiwillige Ausräumkommando vor allem mit dem Abbau der nachträglich ins Gebäude installierten Trennwände beschäftigt: „Die Verarbeitung ist richtig gut“, meint ein Helfer anerkennend. „Das ist eine mühsame Arbeit, weil alles geschraubt ist.“ Doch Hilfe naht, ein weiterer Freiwilliger holt kurzerhand von zu Hause einen Akkuschrauber – die Wege sind kurz in Seeburg.

 Beim Abbau kommen bei den Helfern zahlreiche Erinnerungen hoch, an die Schulzeit beispielsweise. Denn gebaut wurde das Gebäude 1964 als Schulhaus, später zog der Kindergarten ein und dann die Haldenwang-Schule aus Münsingen. Als die Sonderschule ausgezogen war, stand das Gebäude zunächst leer und wurde dann von der Kirchengemeinde gemietet, die Räume konnten auch von der Ortsverwaltung und der bürgerlichen Gemeinde genutzt werden. Und nun folgt mehr als ein Faceliftiting: „Das Haus wird komplett entkernt“, weiß einer der Helfer – nichts bleibe so, wie es ist.

Die Raumaufteilung wird sich komplett ändern. Im unteren Stock residiert dann die Feuerwehr, im oberen die Verwaltung, eine neue Küche und Toiletten werden eingebaut, das Gebäude energetisch saniert. Die Böden sowie das Treppenhaus bleiben indes erhalten.

Heinz Gnoyke hätte es gern gesehen, weniger wegwerfen zu müssen. Doch es fanden sich keine Interessenten für brauchbare Regalelemente oder auch Spielsachen aus Kindergartenzeiten: Noch steht ein alter Kaufladen da, kleine Schränkchen und sogar Puppen.

Mit der Bereitschaft unter den 300 Seeburgern zu helfen, ist er indes zufrieden: „Es hat sich ein harter Kern von sechs bis sieben Helfern herauskristallisiert“, freut sich der Ortsvorsteher. „Und das trotz der Ferien.“ Immer wieder würden neue Freiwillige unverbindlich dazu stoßen: „Wer kann, der kommt.“

Unter den helfenden Männern hat sich bereits ein Ritual etabliert: Nach der auf maximal zwei Stunden beschränkten Arbeit gehen sie nicht sofort auseinander, sondern genießen in der Runde noch ein Feierabend-Bier.

„Das stärkt die Gemeinschaft unter uns Seeburgern“, berichtet Heinz Gnoyke von einem positiven Nebeneffekt der durchaus anstrengenden Arbeitseinsätze.

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Rund sieben Seeburger zählen zum harten Kern der Ehrenamtlichen, die dieser Tage das Gemeindehaus in Seeburg räumen. Dort zieht auch die Verwaltung ein.

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