Bad Urach / Kirsten Oechsner

Der Run auf die Premiumwanderwege löste bei der Bad Uracher Bergwacht einen regelrechten Einsatz-Boom aus: 2016 wurden die ehrenamtlichen Lebensretter 31 Mal alarmiert, im Jahr zuvor waren es noch fünf Einsätze weniger. Ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht: In den ersten Wochen des neuen Jahres, waren die Bergretter bereits acht Mal gefordert.

Nah am Absturzgelände

Disziplin haben Wanderer und Ausflügler nicht immer, vielfach werden die Gefahren unterschätzt: „Wir befinden uns hier in einem Mittelgebirge mit recht steilen Wegabschnitten, die durchaus mit den Alpen vergleichbar sind“, erklärt Greiner. Im Gegensatz zum Gebirge befinde man sich am Albtrauf jedoch schnell mittendrin in gefährlichem Terrain: „Bestes Beispiel ist der Hanner Fels, da ist man vom Parkplatz aus in fünf Minuten im Absturzgelände.“

Aus einem vermeintlichen kurzen Spaziergang kann schnell eine anspruchsvolle Wanderung werden: „Wir beobachten, dass es zwei Extreme gibt“, so Greiner. „Die einen sind professionell ausgerüstet und nehmen die Sache sehr ernst und andere sind in Flip Flops auf steilen Wegen unterwegs.“ Da wundert es nicht, dass sich ein vermeintlich einfaches Gelände wie die Gütersteiner Wasserfälle vor allem nach Regen zu einem Einsatzschwerpunkt entwickelt: „Da ist es dort extrem rutschig.“ Ein weiterer Unfallschwerpunkt befand sich im Bereich der Höll, wo die Bergwacht an einer Stelle insgesamt vier verletzte Personen bergen musste: „Die sind jeweils einem Scheinweg gefolgt, der ins Nichts führte.“

Bei der Hälfte der Einsätze wissen die Menschen nicht, wo sie sich befinden: „Das kann zu einer großflächigen und zeitintensiven Suche führen“, weiß Greiner aus Erfahrung. Bergretter Bernd Greiner erinnert sich an einen extremen Fall: „Da meinte jemand er sei am Runden Berg verunglückt. Letztlich war’s das Calverbühl.“

 Im Durchschnitt dauert es anderthalb Stunden bis die zu rettende Person im Rettungswagen liegt, ein Einsatz im unwegsamen und vor allem steilem Gelände kann aber durchaus viel länger dauern: „Wir unterliegen keiner Hilfsfrist“, erklärt Greiner. Mit dem Bergwacht-Bus fahren die Bergretter so weit wie möglich bis zum Einsatzort: „Ab da heißt es laufen oder auch klettern.“ Und das mit schwerem Rettungs-Gepäck auf dem Rücken.

Zur Unterstützung besitzt die Bad Uracher Bergwacht seit 2013 einen geländegängigen Quad – aber auch damit kommen die ehrenamtlichen Helfer nicht an alle Einsatztorte.

 Die Bergretter versehen einen oftmals körperlichen anstrengenden   Dienst mit viel Verantwortung und einem hohen Maß an Verpflichtung: „Bei uns geht es nicht, keine Lust zu haben“, macht Greiner deutlich. Auf 400 Einsatzstunden ist die Uracher Bergwacht im vergangenen Jahr gekommen, insgesamt 2500 Stunden wurden geleistet: Zu den Einsätzen, die übrigens nicht vergütet werden, kommen Aus- und Fortbildungen, aber auch Reparatur und Erhalt der Ausrüstung sowie Naturschutz-Maßnahmen.

Für Bernd Geiger ist’s eine Möglichkeit, seine Hobbys Skifahren, Tourengehen, Bergsteigen und Klettern mit der Hilfe an Menschen zu verbinden. Bergwachtleiter Jörg Greiner schätzt es, immer wieder etwas dazu zu lernen: „Das gibt mir ein saugutes Gefühl, wenn ich unterwegs bin, auch in den Bergen“, erklärt er. „Man geht mit den Gefahren viel bewusster um.“

Die Bergwacht in Bad Urach

Die Bergwacht Bad Urach, 1981 gegründet, ist in der DRK Bergwacht Württemberg organisiert, dem DRK Kreisverband Reutlingen angegliedert und dort auch mit einem Sitz im Präsidium vertreten. Die Ausbildung ist anspruchsvoll und zeit- wie auch prüfungsintensiv – erst nach drei Jahren werden die Anwärter zu Bergrettern. Basis ist ein Kurs in erster Hilfe, darauf folgen eine Ausbildung mit dem Fokus auf Aktivitäten im Sommer wie Klettern im Fels und im Winter, wozu auch Lawinenkunde gehört.   kioe