Seeburg Wenn die Mutter den Sohn überbietet

© Foto: Kirsten Oechsner
Seeburg / 21.12.2014

Die Seeburger kaufen ihre Christbäume nicht, die Dorfbewohner ersteigern sie: Dabei geht's für die Bieter finanziell oft höher hinaus als geplant. Doch Spaß macht die Traditionsveranstaltung mit Kultfaktor.

KIRSTEN OECHSNER

Fichten und Weißtannen oder auch edle Nordmanntannen: 45 Christbäume hat Dietmar Schweizer im Namen der SG Seeburg/Trailfingen bei einer Gärtnerei in Münsingen geordert, um sie auf einen ungewöhnlichen Weg an den Mann und die Frau zu bringen. Die Seeburger kaufen ihre Exemplare nicht, sondern ersteigern sie – da kennen manchmal sogar Familienangehörige kein Pardon, wenn es um ein besonders schönes Exemplar: „Super, da steigert die Mutter dem Sohn rein“, bemerkt einer in der großen Runde, das Gelächter ist auf seiner Seite.

Und auch so manches Ehepaar ist sich nicht einig, während der Mann eifrig den Preis nach oben treibt, ist seine Ehefrau unzufrieden: „Der Baum passt doch gar nicht zu uns rein“, schimpft sie und strahlt nachher dennoch. Der Gatte wurde überboten, der Hausfrieden ist gerettet.

Doch nicht nur Seeburger lassen sich dieses Ereignis nicht entgehen: Es sind auch viele Menschen aus der Kernstadt und den umliegenden Orten da. Klar, geht’s vordergründig um den Erwerb eines Christbaums. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz.

Man kennt sich, Kommentare bleiben da nicht aus. „Der treibt den Preis aber hoch“, heißt es aus einer Ecke. „Ist doch klar, es ist ja auch ein Uracher“, wird kommentiert. Manche Exemplare fallen durch, kommen partout nicht an: „Den kann man ja erst mit drei Promille loben“, bemerkt ein Senior. Ein anderes ist miniklein, Kommentare bleiben auch hier nicht aus: „Das Bäumle kann man ja mit ins Bett nehmen.“

Doch Auktionator Schweizer kommt meistens kaum nach, so schnell fliegen ihm die Zahlen um die Ohren – doch den Überblick behält er immer: „48,49, 50, 51 – zum ersten zum zweiten und zum dritten“. Richtig enttäuscht ist keiner, wenn’s mit dem Wunschbaum nicht klappt – die Auswahl ist groß. Glücklich reagieren diejenigen, die ihr Traumexemplar ersteigert haben – auch wenn’s eventuell etwas überteuert ist: „Das kommt ja einem guten Zweck zu“, meint eine Frau, und ihr Mann zückt den Geldbeutel. Der Erlös der Versteigerung ist für die aktiven Jungspieler in der SG Seeburg/Trailfingen bestimmt. Das ist jedenfalls seit 15 Jahren so, damals übernahm Dietmar Schweizer die Versteigerung: „Die gab’s schon lange vorher unter dem alten Bürgermeister“, berichtet er aus der Geschichte des Dorfes. „Vorher haben es verschiedene Vereine gemacht.“

Eingebunden ins Geschehen ist übrigens auch der Jugendclub: Dessen Mitglieder holen am 10. Januar die dann wieder abgeschmückten Christbäume gegen ein Entgelt ab. Das ist indes nicht der einzige Service, schon bei der Versteigerung selbst wird einiges geboten: „Wir sägen euch eure Bäume auf Wunsch ab“, erklärt Schweizer. „Und nach Hause liefern wir sie auch.“

Doch das hat Zeit: Nach der Auktion bleibt die Runde zusammen, bei Glühwein und Grillwurst gibt's viel zu bereden – über vertane Chancen beim Bieten zum Beispiel. Oder über das große Glück, den perfekten Baum erwischt zu haben. Wie sie letztlich geschmückt aussehen, ist eine andere Sache – das wird sich beim Christbaumloben weisen.