Bad Urach Von Postkarten, Schmugglern und Partnerschaften

Bad Urach / Anne Laaß 11.09.2017

Käthe und Martin Luther gaben zum Auftakt des Stiftsfests in Urach eine Weinprobe. Aber sie sind nicht die einzigen geschichtsträchtigen Figuren, die dieser Tage in der Kurstadt vorbeischauten. Primus Truber (gespielt von Roland Brutscher) ließ es sich am Sonntag nicht nehmen und führte die kleinsten Gäste durch das Einkehrhaus.

Kurz bevor er sich mit den Kindern auf den Weg machte, fasste er sein Wirken zusammen. Er habe die Bibel übersetzt, aber, was ihm wichtig war, die slowenische Schrift mitbegründet, um das Wort Gottes auch den Bauern zugänglich zu machen. Neben den biografischen Aspekten sollten die jüngsten Stiftsfest-Besucher auch etwas über das Schmuggeln lernen. „Die Kinder wissen heute gar nicht mehr, was das eigentlich ist“, so Truber alias Roland Brutscher. Einen Grund dafür sieht er in einem vereinten, offenen Europa.

Reformation als Thema

„Wir versuchen Europa erlebbar werden zu lassen“, sagt Bärbel Hartmann, Leiterin des Stifts. Grundsätzlich würde das Fest immer zum Tag des offenen Denkmals sein und somit das Motto geben. Das trifft nun nicht auf 2017 zu. Unter dem Titel „Reformation in Europa“ präsentiert sich das evangelische Einkehrhaus. „Wir sind alle ein Teil davon“, erklärt Hartmann. Seit elf Jahren organisiert sie das Fest. Dabei ist der Kirchenrätin wichtig, gemeinsam einen schönen Gottesdienst zu erleben. Und während des Festes „in glückliche und lächelnde Mienen“ zu schauen, so Hartmann. Das schaffe man durch ein gut eingespieltes Team und „fleißige ehrenamtliche Helfer“, sagt die Kirchenrätin. Das Fest im und um das Uracher Stift soll für alle Sinne sein. Von der Musik, über die Küche bis hin zu den Postkarten, die mit verschiedenen Motiven Grüße aus Bad Urach vermitteln. Auch hier ist der europäische Gedanke verankert. Durch die Karten wolle man die Gäste animieren, ihren Freunden einen Gruß zu senden, ob auf italienisch, französisch oder kroatisch.

Freundliche Helfer

Das Stiftsteam umfasst etwa 35 Helfer, wobei noch rund zehn Ehrenamtliche hinzukommen, um das Fest auf die Beine zu stellen. „Es kommen immer wieder neue Ehrenamtliche dazu“, sagt Hartmann. Sie haben unterschiedliche Fähigkeiten, die wiederum dazu beitragen, neue Angebote zu integrieren. Ingrid Günther ist eine der neuen Helferinnen. „Es ist nicht mein einziges Ehrenamt“, erzählt die 77-Jährige. Aber als Bärbel Hartmann fragte, ob jemand beim Stiftsfest helfen würde, „da habe ich einfach zugesagt“, so Günther. Sie habe die Zeit und die Lust dazu. Durch die Arbeit lerne man immer wieder neue Menschen kennen, kann Kontakte knüpfen. „Ich würde es nächstes Jahr gern wieder machen“, sagt die 77-Jährige.

Ihr stimmt Margret Keller zu. Sie ist seit etwa fünf Jahren im ehrenamtlichen Team. „Ich helfe prinzipiell gern“, begründet die 73-Jährige ihre Entscheidung. Hier treffe sie nicht nur neue, sondern auch alte Bekannte wieder. Mit einem Lächeln begrüßt Andrea Blankenburg die Gäste des Festes. „Heute läuft es sehr gut, das Essen ist fast weg“, resümiert sie an der Kasse. Der hauptamtlichen Helferin mache die Arbeit Spaß, wie sie sagt.

Das Programm war im Sinne der Reformation und der Geschichte des Stifts. So standen gemeinsame Gespräche wie die „Bibelanstalt von damals in ihrer Bedeutung für heute“, mit Dragica Urtelj, Generalkonsulin. Oder „Slowenien/Kroatien im Stift, damals und heute – künstlerisch und ökumenisch“ mit Pfarrer Luka Ilic und dem Künstler Matej Metlikovic an. Letzterer führte auch durch seine Ausstellung „Illuminations“, die schon seit dem 16. Juli im Stift zu sehen ist. Zudem gab es noch Hausführungen und die Möglichkeit, vom Kirchendach über Bad Urach zu schauen mit Dorothea Henzler.

Eröffnet wurde der Sonntag mit einem Gottesdienst in der Amanduskirche, bei dem Bischof Geza Filo aus Ljubljana teilnahm. Neben Programmpunkten für Kinder, die sich mit dem Thema Europa befassten, stand klar die Gemeinschaft im Fokus.

500

Jahre Reformation in Europa. Unter diesem Motto stand das Stiftsfest in Bad Urach. Zum Tag des offenen Denkmals hatten Besucher die Chance, Führungen durchs Stift zu machen.