Grafenberg Vom Vater viel gelernt – auch das Geben

Grafenberg / Michael Koch 24.07.2018

In den 1980er Jahren gründete Rudolf Rampf in der alten Grafenberger Turnhalle einen Ein-Mann-Betrieb, in dem er an Gießharzen aus Polyurethan tüftelte. Die Geschäftsidee darf bis zum heutigen Tag als erfolgreich bezeichnet werden. Im am 30. Juni 2018 abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchte die Rampf-Gruppe einen Umsatz von 184,5 Millionen Euro mit Produkten und Lösungen rund um reaktive Kunststoffsysteme. Längst haben Michael und Matthias Rampf ihren Vater in der Geschäftsführung abgelöst – und wie ihr Senior lassen auch die beiden Söhne ihr Umfeld am Erfolg der Firma teilhaben. Michael Rampf erklärt, dass dies zum einen aus der sozialen Verantwortung heraus geschieht, zum anderen auch den Anforderungen des Unternehmens zugute kommt.

Herr Rampf, können Sie dem Außenstehenden in kurzen Worten erklären, was Ihr Unternehmen eigentlich macht?

Michael Rampf Mit kurzen Worten ist das gar nicht so leicht, denn wir machen ziemlich viel. Wir haben sechs Kernkompetenzen definiert – der rote Faden dabei sind die reaktiven Gießharzsysteme. Diese entwickeln wir und stellen sie her, was nach wie vor unser Kerngeschäft ausmacht. Darüber hinaus sind wir inzwischen auch im Maschinenbau tätig. Unter anderem bauen wir mit epoxidharzgebundenem Mineralguss Gestellbauteile für Maschinen in der Laser- oder Verpackungsindustrie und konstruieren ganze Produktionslinien für die Automobilindustrie.

Können Sie ein konkretes Anwendungsbeispiel nennen?

Ein ganz neuer Bereich ist zum Beispiel die Sportschuhindustrie. Reebok hat eine revolutionäre Produktionstechnik entwickelt, die man sich wie einen 3D-Druck vorstellen kann. Man kann damit für jeden Fuß einen individuellen Schuh herstellen und der Kunde kann auch noch das Aussehen selbst bestimmen. Der Prototyp wurde in unserem Tochterunternehmen in Wixom, USA, hergestellt. Wir haben Reebok dann die Dosieranlage geliefert, die das verwendete Flüssigmaterial mischt und aufträgt. Wir sehen darin ein riesiges Potenzial. Weitere Anwendungsbeispiele sind unsere Kohlenstofffaser- und Glasfaserteile für die Luftfahrtindustrie, unsere Blockmaterialien für den Modell- und Formenbau oder unsere Dichtungsschäume für die Automobil-, Elektro- und Haushaltsgeräteindustrie.

Klingt so, als wären Sie breit aufgestellt. Die Geschäfte laufen also gut?

Mit unseren weltweit 840 Mitarbeitern haben wir im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 184,5 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Plus von etwa sieben Prozent. In den Vorjahren haben wir jeweils um etwa zehn Prozent zugelegt. Die Auftragsbücher sind bis in den Januar schon voll, wir rechnen im kommenden Jahr mit einem Umsatz von 195 Millionen Euro. Also kurz gesagt: Rampf-Produkte sind derzeit gefragt wie noch nie.

Das ist doch toll!

Das ist es allerdings. Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Wir benötigen Flächen für die weitere Expansion und das dazugehörige Personal. Wir werden also wieder massiv investieren, zum Beispiel in ein neues Verwaltungs- und Montagewerk bei unserer Tochterfirma in Zimmern ob Rottweil. Beides, Fläche und Personal, ist in Deutschland nicht mehr leicht zu bekommen.

Was tut Ihr Unternehmen dafür, um qualifizierte Mitarbeiter oder Jugendliche für die Ausbildung zu finden?

Wir präsentieren uns an jedem Standort als attraktiver Arbeitgeber. Dafür haben wir zum Beispiel ein betriebliches Gesundheitsmanagement für die Mitarbeiter aufgelegt. Mit Betriebssportgruppen beteiligen wir uns an Volksläufen wie am Ermstal-Marathon oder an Fußball- und Volleyballturnieren. Allen unseren Mitarbeitern in Deutschland bieten wir zudem ein kostenloses Fitness-Training an. Das ist aber nur ein Sektor. Außerdem müssen wir den Bekanntheitsgrad unse­rer Marke weiter stärken.

Ein gutes Stichwort. Gefühlt wird jeder Sportverein hier in der Region von Rampf unterstützt. Warum machen Sie das, dadurch setzen Sie keinen Euro mehr um?

Das stimmt zwar, trotzdem gibt es zwei gute Gründe für unsere Marketing-Aktivitäten. Zum einen handeln wir aus einer gesellschaftlichen Verantwortung heraus. Das hat schon mein Vater so gemacht, und er tut es mit seiner Stiftung bis heute, mit der er sich für Jugendliche in Grafenberg einsetzt. Zum anderen möchten wir uns an unseren Standorten als Firma für potenzielle Mitarbeiter bekannt machen. Wer von Rampf zuvor schon einmal gehört hatte,  der entscheidet sich bei der Berufswahl dann später vielleicht mal für unser Unternehmen.

Dann betreiben Sie das Marketing an allen Ihren Standorten?

Allein schon durch die vielen persönlichen Kontakte um unseren Stammsitz in Grafenberg herum liegt hier schon ein Schwerpunkt. Die TusSies, der TVN, der TSV und der TC Grafenberg, die JSG Echaz-Erms oder die Leichtathleten der TuS – da waren wir früher selbst aktiv oder heute sind es unsere Kinder. Da hilft man dann ja auch gerne. Aber tatsächlich haben wir auch Engagements an allen Standorten. In Göppingen sind wir bei Frisch Auf dabei, in Zimmern bei der HBW Balingen-Weilstetten oder beim SV Zimmern. Trotzdem enden natürlich auch unsere Möglichkeiten irgendwann.

Wie viel investieren Sie denn pro Jahr in das Sponsoring?

Wir haben ein klar definiertes Budget von 200 000 Euro. Das ist von unserem Marketing gut durchdacht verplant, es bringt also jetzt auch nichts, wenn da weitere Anfragen kommen. Rund zehn bis 15 Prozent dieser Summe sind für die gesellschaftliche Verantwortung eingeplant, den Rest investieren wir in die Arbeitgeber-Marke. Künftig werden wir bei der Markenbildung auch verstärkt auf soziale Netzwerke achten. Da haben wir bislang noch nicht viel unternommen.

Noch ein anderes Thema: Rampf gilt als Musterbeispiel für eine Betriebsübernahme durch die nächste Familiengeneration. War es wirklich so einfach, wie es aussieht?

2012 hat unser Vater uns Söhnen und Horst Bader als Trio die Geschäftsführung übergeben. Zunächst hat er dann von einem Beiratsposten aus noch einen Blick auf die Geschicke gehabt. Als er gemerkt hat, es läuft, wurde dieser Beirat 2016 aufgelöst.

Das klingt doch alles sehr harmonisch.

Das war es überwiegend ja auch. Aus meiner Sicht war die wichtigste Phase jene von 2008 bis 2012, als wir mit unserem Vater zusammen die Firma geführt haben. Das war beziehungstechnisch manchmal schwierig. Aber da haben wir sehr viel gelernt, besonders was den zwischenmenschlichen Bereich und die Mitarbeiterführung angeht. Einige Mitarbeiter kennen uns schon von Kindesbeinen an, schließlich sind wir in der Fabrikluft groß geworden. In die neue Situation mussten alle erst hineinwachsen, aber ich glaube, das ist sehr gut gelungen.

Die Unternehmensgruppe in Zahlen

Michael (Jahrgang 1974) und Matthias Rampf (Jahrgang 1977) haben 2012 ihren Vater Rudolf Rampf in der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe abgelöst. Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr haben die sechs Firmen gemeinsam einen Umsatz von 184,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Weltweit hat die Rampf-Gruppe 840 Mitarbeiter, davon rund 600 in Deutschland, am Stammsitz in Grafenberg sind 270 Menschen beschäftigt.

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