Bad Urach Uracher diskutieren mit Bürgermeister Rebmann über die Entwicklung des Höhenfreibades

© Foto: Archiv (Thomas Kiehl)
TRISTAN STAACK 08.11.2012
Etwa 45 Interessierte fanden sich am Mittwochabend im Rathaus ein, um gemeinsam mit Bürgermeister Rebmann, über Vorfälle im Zusammenhang mit dem Höhenfreibad im September zu diskutieren.

Etwas zögerlich betraten die Bürger am Mittwochabend den großen Sitzungssaal des Uracher Rathauses und drängten sich dicht in den hinteren Reihen, sodass Bürgermeister Elmar Rebmann vor Beginn der Veranstaltung die Menge darum bitten musste, doch weiter nach vorn zu rücken und die große Lücke, die bis zum Rednerpult entstand zu schließen.

Mit einiger Verspätung hieß Rebmann dann alle Anwesenden zum Bürgergespräch willkommen und nutze die Gelegenheit, das erste Wort zu haben, um vom eigentlichen Streitpunkt des Abends abzulenken, „was gesagt wurde, wurde gesagt. Ich, wir haben einen Fehler gemacht“, sagte Rebmann in die Runde blickend. Der Abend solle vielmehr dazu dienen, Vorschläge zu sammeln und zu diskutieren, was man in Sachen Höhenfreibad in Zukunft verbessern könnte.

Was war geschehen? Der Stein geriet ins Rollen, als das Höhenfreibad Bad Urach im vergangenen September bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen seine Pforten schloss. Zwar war dies der offizielle Saisonschluss, andere Freibäder bewiesen allerdings ihre Flexibilität und verlängerten kurzerhand die Badesaison.

Den Uracher Schwimmern war es unverständlich, warum die Bäderstadt zu diesem Schritt nicht in der Lage war. So zogen sie mit Badetuch und Gummiboot vors Rathaus, um ihrem Ärger Luft zu verschaffen. Die Verantwortlichen reagierten und standen Rede und Antwort, allerdings wurde der eigentliche Grund der Schließung zunächst hinter dem Berg gehalten. „Personelle Engpässe“, so Rebmann später, hätten die Schließung unausweichlich gemacht. Zwei Mitarbeiter hätten gekündigt und konnten nicht schnell genug ersetzt werden, erklärte Rebmann, inzwischen seien die Stellen jedoch wieder besetzt.

Zum Zeichen des guten Willens luden die Verantwortlichen rund um den Bürgermeister zum Bürgergespräch ein. Dies begann mit harten Fakten. Stadtkämmerer Klaus Braunbeck präsentierte die wirtschaftlichen Eckdaten des Freibades aus den Jahren 2009 bis 2011. So stiegen hauptsächlich die Personalkosten stark an (182 762 Euro im Jahr 2009, 196 164 im Jahr 2011). Im selben Zeitraum fielen die Gesamteinnahmen jedoch ab (von 116 849 auf 110 553 Euro). Die Zahlen für 2012 dürften ähnlich sein, kommentierte Braunbeck die an alle Anwesenden ausgeteilte Bilanztabelle.

Auch die in den kommenden Jahren anstehenden Investitionen wurden von den Verantwortlichen thematisiert. „Ein Freibad ist ein gewerblicher Betrieb“, so Braunbeck, „und die zu erfüllenden Anforderungen haben sich erhöht, besonders, was die Wasserqualität und die Sicherheit betrifft“. So wurden bereits dieses Jahr zwei neue Trafos installiert, um die Stromversorgung zu garantieren. Dazu kommen in den nächsten Jahren die Renovierung des Kinderbereichs, wofür bereits ein Budget von 25 000 Euro freigegeben wurde, die Teilerneuerung der Rutschen (Kosten etwa 85000 Euro) sowie neue Wasserfilter (Kosten ebenfalls etwa 85.000 Euro). „Wir wollen das Bad attraktiv halten, da es wichtig ist für unsere touristische Infrastruktur“, meinte Rabmann, „die richtige Technik für den gesicherten Badebetrieb ist daher unabdingbar“.

Die anschließende Diskussion der Bürger mit den Freibadverantwortlichen drehte sich, neben kleineren Belangen wie die Beschränkung der Duschzeiten und einzelnen baulichen Verbesserungen, vor allem um die Öffnungszeiten, sowohl die Saison betreffend, als auch die Tagesöffnungszeiten. Bezüglich letzterer bekämpften sich lächelnd Früh- und Spätschwimmer mit dem Ergebniss, dass das Freibad an einzelnen Tagen (die noch festzulegen sind) später öffnet und dafür auch später schließt. Was die Saisonöffnungszeiten betrifft, so schlug Rebmann für das kommende Jahr den 9. Mai vor, was wiederum Kritik laut werden ließ: „Warum kann man nicht flexibler sein?“, hieß es aus dem Publikum, worauf Braunbeck harsch antwortete, dass dies nicht möglich sei. „Sie müssen alles vorbereiten, wenn dann wetterbedingt doch nicht geöffnet werden kann, haben Sie nur Kosten“, so Braunbeck, „und Sie haben keine Chance, das Geld wieder reinzuholen.“ Allgemeine Zustimmung fand schließlich Rebmanns Vorschlag, den 1. Mai als Eröffnungsdatum anzupeilen und dieses gegebenenfalls zu verschieben, falls die Wetterlage es erfordere.

Ein zweites großes Thema, neben den Öffnungszeiten, waren die Veranstaltungen im Freibad, wie zum Beispiel das Aqua-Fit, die, zum Bedauern der Anwesenden, in den letzten Jahren nicht mehr stattfanden. Ein Konsens wurde dahingegen erreicht, dass sich sowohl die Verantwortlichen als auch die Bürger um mehr Bürgerbeteiligung bemühen wollen. „Ein Förderverein wäre sehr wünschenswert und würde in der Stadtverwaltung auf jeden Fall Unterstützung finden“, erwiderte Rebmann den Vorschlag einer der Anwesenden. Man sei auch offen für das Engagement von Privatpersonen, die dazu bereit sind, regelmäßige Veranstaltungen anzubieten.

Das Resumée eines nicht immer ganz sachlich geführten Dialogs: Neben der Zurkenntnissnahme kleinerer Vorschläge seitens der Verantwortlichen gestehen die Frühschwimmer den Spätschwimmern ein wenig ihrer Zeit zu. Außerdem setzen beide Seiten auf mehr Bürgerbeteiligung. „Da wird sich einiges tun“, so Rebmann abschließend.