Bad Urach Unter Freunden wird reichlich geredet

Fastenbrechen bei der türkisch-muslimischen Gemeinde in Bad Urach.
Fastenbrechen bei der türkisch-muslimischen Gemeinde in Bad Urach. © Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER 28.07.2014
Gemeinsame Mahlzeiten unter Freunden haben immer eine besondere Bedeutung, die zwischen Muslimen und ihren Gästen am Freitag erst recht: Die türkisch-muslimische Gemeinde lud zum Fastenbrechen.

Als sich gegen 21 Uhr langsam die Dämmerung über Bad Urach neigt, füllt sich das Zelt vor der Mevlana-Moschee am Munz-Magenwirth-Platz zusehends: Muslime kommen zusammen, weil sie am Ende eines weiteren Ramadan-Tages das Fasten brechen - seit Sonnenaufgang durften sie weder essen noch trinken. Unter den Wartenden auf den Sonnenuntergang befinden sich auch zahlreiche Deutsche oder Mitbürger anderer Nationalitäten, Christen oder auch nicht: Sie wollen die Erfahrung des Fastenbrechens mit den Mitgliedern der türkisch-islamischen Gemeinde teilen - auch wenn unter den Gästen kaum einer tagsüber gefastet hat. Aber etwas enthaltsamer gelebt als sonst habe man schon, wie der ein oder andere betont.

Als Imam Abuzer Yücekaya um 21.18 Uhr das Gebet gesprochen hat, füllen sich die Tische mit leckeren Köstlichkeiten: Nudelsuppe und Tomatensalat, Lammragout, Reis mit Kichererbsen und frische Melonen.

Und wies bei einem Essen unter Freunden üblich ist, wird viel geredet: Über den Ramadan und das Fastenbrechen - aber nicht nur. Denn man hat sich viel zu erzählen, befindet sich seit vielen Jahren in einem ständigen gegenseitigen Dialog: im Arbeitskreis Integration, als Teilnehmer am christlich-muslimischen Gesprächskreis oder weil einem das gelebte Miteinander unabhängig von Gruppen wichtig ist.

Das Fastenbrechen ist eine der gemeinsamen Aktionen des Gesprächskreises und der türkisch-muslimischen Gemeinde, ein Mal im Jahr wird darüber hinaus in Seeburg gegrillt, es finden Vorträge statt und es wurden bereits zwei Reisen nach Istanbul organisiert. Mit dabei war 2012 Bürgermeister Elmar Rebmann, der heute noch nachhaltig von den Erlebnissen beeindruckt ist. Umso mehr freue ihn die Einladung zum Fastenbrechen: "Das zeugt von großer Verbundenheit zu Bad Urach, das Miteinander wird gelebt." Er sei sich sicher, dass man auf dem eingeschlagenen Weg der Integration weitergehe: "Während der Fußball-Weltmeisterschaft hingen zwei Fahnen aus der Moschee", freut er sich. "Die von Bosnien-Herzegowina und Deutschland." Er werte dies als Zeichen des Wohlfühlens und das werde von der Stadt auch gewürdigt: Auf dem Friedhof wurde nach einstimmigen Gemeinderats-Beschluss ein muslimisches Grabfeld eingerichtet. Viele unter den Migranten hätten bereits ihr ganzes Leben in Bad Urach verbracht, sie und die anderen Muslime könnten nun auch hier ihre letzte Ruhe finden.

Bis Sonntag dauerte der Fastenmonat Ramadan, am Montag darf zur Erleichterung der Muslime wieder normal gegessen und getrunken werden - wobei die Regeln vor allem aus beruflichen Gründen oder krankheitsbedingt nicht jeder einhalten kann.

Doch Verzicht zu üben, so ein Bad Uracher Muslim, heiße zu verstehen: Wie wichtig zum Beispiel Wasser ist - man schätze es erst, wenn man es tagsüber nicht trinken dürfe. Man denke auch über die Bedeutung von Lebensmitteln und deren Verschwendung nach: "Man lernt, das Essen zu schätzen", erklärt er seinen deutschen Gesprächspartnern.

Im Dezember ist eine weitere gemeinsame Veranstaltung von Gesprächskreis und türkisch-islamischer Gemeinde geplant, auf dem Programm soll eine Nikolaus-Feier stehen - immerhin kam St. Nikolaus ja aus Kleinasien und damit aus der heutigen Türkei.

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