Für Schlagzeilen waren die Becherproduzenten der Firma Uniplast Knauer in den vergangenen Jahren immer wieder gut. Zuletzt ist das Dettinger Traditionsunternehmen im Frühjahr 2018 an die Münchner Industrieholding Blue Cap verkauft worden. Und erstmals im Laufe der jüngsten Sanierungsoffensive hat nun die Belegschaft ein öffentliches Zeichen gesetzt: Mehr als 100 Mitarbeiter des Verpackungsspezialisten demonstrierten am Dienstag vor den Werkstoren.

Die Beschäftigten kämpfen für den Erhält ihrer Tarifverträge, die die Firma zum Ende des Jahres 2018 gekündigt hatte. „Wegen der angespannten finanziellen Lage bei Uniplast erwartet die Geschäftsleitung einen finanziellen Beitrag der Mitarbeiter“, erklärt Florian Hüfner von der zuständigen Industriegewerkschaft Bergbau Chemie und Energie (BCE). Laut Hüfner hatten die Uniplast-Verantwortlichen in den ersten beiden Verhandlungsrunden im Januar und Februar auf ihre Forderungen bestanden. Die da wären: 40 statt 37,5 Stunden Arbeitszeit pro Woche ohne Lohnausgleich – außerdem ein Weihnachtsgeld abhängig vom „wirtschaftlichen Erfolg“ des Unternehmens.

Bei einer Versammlung der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer (betroffen von der Mehrarbeit wären vor allem Beschäftigte in der Produktion) am Samstag in Dettingen hatte die BCE zur Demo aufgerufen. Mittlerweile sei die Uniplast-Geschäftsleitung zu ersten Zugeständnissen bereit, berichtet Hüfner, der für die Gewerkschafter verhandelt. Eine Einigung im Tarifstreit gebe es zwar noch nicht, sagte gestern Andreas Klose, Bezirksleiter der Bergbau, Chemie, und Energie. Doch sowohl er wie auch Uniplast-Geschäftsführer Andreas Doster betonen: „Wir bewegen uns aufeinander zu.“

Mit Blick auf die Situation bei Uniplast ein positives Zeichen. Für Unruhe bei den rund 350 Mitarbeitern des Dettinger Stammwerkes hatte eine weitere Nachricht gesorgt: Die Kunststoff-Experten geben ihr Zweitwerk in Bad Laasphe (Nordrhein Westfalen) auf. Betroffen sind 60 Mitarbeiter – Mitte des Jahres ist Schluss. Das bestätigt Geschäftsführer Doster.

Warum trennt sich die Firma von ihrem zweiten Standort? „In Bad Laasphe sind uns zuletzt etliche Aufträge weggebrochen“, begründet Betriebswirt Doster. Das Werk dort ist auf ein spezielles Tiefziehverfahren ausgerichtet, das auch in Dettingen praktiziert wird. „Wir haben uns entschieden, alle Produktionsbereiche und Geschäftsfelder in Dettingen zu bündeln“, sagt der Uniplast-Chef. „Das ist Teil der wirtschaftlichen Neuausrichtung des Unternehmens.“

Am Stammsitz möchte Uniplast laut Andreas Doster weiterhin in neue Märkte, Maschinen, Forschung und Entwicklung investieren. Ziel sei es nach wie vor, das Unternehmen breiter aufzustellen und in Zukunft auch hochwertigere Verpackungen für die Lebensmittelbranche zu fertigen. Geht nach den Uniplast-Vorderen, so wird das Werk im Handelsteich zwar demnächst das einzige der einstigen Knauer-Gruppe mit mehreren Standorten sein – es soll aber gestärkt aus der Neuordnung der Firma hervorgehen. Doster: „Wir bekennen uns ganz klar zum Standort Dettingen.“

Die Zusammenarbeit mit dem Münchner Investor Blue Cap, die in Dr. Hannspeter Schubert den zweiten Uniplast-Geschäftsführer stellt, beschreibt der Firmenchef „als produktiv und postiv“. Man habe das Unternehmen weiter voran gebracht. „Ein Teil dieses Kurses sind auch die jüngsten Tarifverhandlungen.“

Für BCE-Bezirksleiter Andreas Klose überschattet die Schließung des Werkes in Westfalen allerdings die laufenden Verhandlungen. „So etwas trägt nicht gerade zum Vertrauen der Mitarbeiter bei.“ Die Beschäftigen hätten bereits Einbußen in Sachen Urlaubs- und Weihnachtsgeld in Kauf genommen. Nun fordern sie und die Gewerkschafter im Gegenzug eine Beschäftigungsgarantie.

Ob es die für die kommenden Jahre gibt? Dazu möchte sich Andreas Doster mit Blick auf die laufende Tarif-Debatte  noch nicht äußern. Er betont aber: Die Auftragslage in der Firma sei gut. „Und die Lebensmittelbranche ist trotz des umkämpften Marktes stabil und krisensicher.“