Dettingen Uniplast steht vor dem Verkauf

Das Uniplast-Gelände im Dettinger Handelsteich. Vor wenigen Jahren wurde dort angebaut und modernisiert.
Das Uniplast-Gelände im Dettinger Handelsteich. Vor wenigen Jahren wurde dort angebaut und modernisiert. © Foto: Archiv
Von Christina Hölz 13.02.2018

Die Firma Uniplast und der Name Knauer – beides gehört seit Generationen zusammen. Im Ermstal ist der 450 Mitarbeiter zählende Mittelständler kaum denkbar ohne die Gründerfamilie, zumal die Dettinger Becherspezialisten seit einigen Jahren auch unter dem Titel Knauer Group firmieren. Doch aus dem Familienbetrieb könnte bald ein fremdgeführtes Unternehmen werden: Knauer ist auf der Suche nach einem Käufer. Zumindest aber nach einem weiteren Anteilseigner, der frisches Kapital in den Betrieb bringt. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens gestern gegenüber der SÜDWEST PRESSE.

Schuld an dieser Wende in der Unternehmensgeschichte sei nicht die aktuelle Situation der Firma Uniplast, betont Pressesprecher Peter Caspar Hamel. Im Gegenteil. Nach der gescheiterten Wachstumspolitik in den letzten „Dienstjahren“ des langjährigen Uniplast-Chefs Karlheinz Knauer und der Insolvenz der Allgäuer Tochterfirma Uniprint 2015, gehe es dem Unternehmen heute wieder deutlich besser (wir haben berichtet). Auf Konsolidierungskurs brachte die Kunststoff-Experten mitunter Interimsmanager Christoph Riess. Der Sanierer (zuvor bei Bertelsmann und Heidelberger Druck), wurde nach dem Crash von Uniprint auf Drängen der Banken eingesetzt. CEO Riess teilt sich heute die Geschäftsführung mit Karlheinz Knauers Schweigersohn Andreas Doster, Seniorchef Knauer selbst schied Mitte 2017 aus dem operativen Geschäft aus.

Noch vor gut einem halben Jahr sprach das Führungsduo der Knauer-Group gegenüber unserer Zeitung von einer gelungenen Neu-Strukturierung des Betriebs. Daran habe sich bis heute nichts geändert, betont Pressesprecher Hamel. Die Knauer-Gruppe, im Südwesten Marktführer für Plastikbecher, sei gerade in Dettingen gut aufgestellt: „Die Firma schreibt schwarze Zahlen.“

Das Problem bleiben die Krisenjahre. Während Knauers Expansion nahm das Unternehmen hohe Kredite auf. Nun drücken nicht nur die Schulden, sondern vor allem die enormen Zinslasten aus dieser Zeit. Mindestens siebenstellig seien Letztere jährlich, lässt der Sprecher durchblicken. „Ohne neue Geldgeber wird es mit dieser Schuldenlast, schwierig, langfristig profitabel zu wirtschaften.“

Nun sucht die Firma Kapitalgeber. Noch offen ist, ob Uniplast komplett verkauft wird oder ob die neuen Herren im Haus einen wohl größeren Anteil erwerben. Beides wäre ein Einschnitt, denn bislang hält die Familie Knauer alle Anteile – etwas mehr als die Hälfte gehören Andreas Doster und seiner Frau. Das berichtet „Das Handelsblatt“, das den Wert des Unternehmens ohne Schulden auf rund 20 Millionen Euro beziffert.

Interessenten gibt es wohl bereits. Nach Firmenangaben laufen Gespräche, in den kommenden Wochen entscheidet sich die Zukunft von Uniplast. Und wohl auch die der 450 Mitarbeiter in Dettingen und im Zweigwerk in Bad Laasphe in Nordrhein-Westfalen.

Firmensprecher Hamel beschwichtigt allerdings: „Das Unternehmen ist wieder so gut aufgestellt, dass dort niemand Tabula rasa machen muss.“

Die Knauer-Gruppe in Zahlen und Fakten

Die Dettinger Knauer-Group stellt Verpackungen für Molkerei und Lebensmittelprodukte her.

Das Unternehmen betreibt Standorte in Dettingen (Stammsitz) und  Bad Laasphe in Nordrhein-Westfalen und beschäftigt momentan rund 450 Mitarbeiter.

Im Jahr 1928 gegründet, hatte sich das einstige Familienunternehmen zunächst auf Kartonagen spezialisiert. Uniplast spaltete sich 1968 ab und stellte dann überwiegend Pappbecher her.

Heute produziert die Firma nach Unternehmensangaben drei Millarden Becher pro Jahr und ist Marktführer der Branche.