Nur noch ein Jahr bis zum Abitur und trotzdem haben sich seit dem vergangenen September 17 Gymnasiasten aus Metzingen und Reutlingen jede Woche die Zeit genommen, um eines herauszufinden: Ob sie sich in den Bereichen Technik, Metallbearbeitung, Elektrik und Forschung vielleicht beruflich wohl fühlen könnten.

Die acht Mädchen und neun Jungen der 11. Klassen des Reutlinger Johannes-Kepler-Gymnasiums sowie des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Metzingen waren da schon gefordert, denn: Nicht nur, dass sie jeden Freitagnachmittag in die Firmen zu Elring-Klinger nach Dettingen gegangen sind oder zu Wafios in Reutlingen - so mancher Samstag wurde zudem noch investiert, um sich mit dieser Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) zu beschäftigen.

Dafür drückte am Dienstag Dr. Christof Dietborn seine Anerkennung gegenüber den Jugendlichen aus: "Sie haben da einiges geleistet, das verdient Respekt", sagte der Personalchef von Elring-Klinger. "Aber es ist auch für uns wichtig, junge Menschen für Technik und Tüfteln zu interessieren", betonte er weiter. Rektor Matthias Pröhl sagte: "Die Schüler-Ingenieur-Akademie ist das Highlight in der Oberstufe bei uns am Bonhoeffer-Gymnasium." Ausdrücklich lobte der Schulleiter den Praxisbezug des Projekts: "Das ist ein frischer Wind für unser theorielastiges Gymnasium."

Was die 17 Schüler in den zurückliegenden Monaten getan haben? Sie beschäftigten sich nicht allein mit einer Einführung in technisches Zeichnen per CAD-Programmen oder mit Projektmanagement, mit Begriffen wie Team- und Präsentationstraining oder mit den kooperierenden Firmen - sie wurden auch selbst aktiv, bekamen Kontakte zu den Azubis in den Unternehmen, erhielten dabei zahlreiche Tipps beim Sägen, Bohren und anderen handwerklichen Fertigkeiten. All das brauchten die Gymnasiasten auch, denn: Ihre Umsetzung von der Theorie in die Praxis hieß - ein Brennstoffzellen-Fahrzeug zu konstruieren und selbst zu bauen.

Dieses Auto sollte natürlich wenige Zentimeter Größe nicht überschreiten. Dennoch mussten die Schüler zunächst einmal die Funktionsweise von Brennstoffzellen verstehen, sie mussten sich mit Konstruktionsfragen auseinandersetzen, wie viele und welche Räder sie montieren sollten, wie muss die Bodenplatte des Autos beschaffen sein, damit sie möglichst wenig Gewicht mitbringt, aber ausreichend Platz für die Brennstoffzelle und den Motor aufweist. "Alle Schüler waren erfolgreich, alle Fahrzeuge laufen", wurde bei der SIA-Abschlussveranstaltung am Dienstag verkündet. Beim Wettbewerb um das beste Auto kam es aber nicht allein auf Geschwindigkeit und einen Langstreckentest an, sondern auch auf die Konstruktion, die Präsentation des Fahrzeugs wie auch aufs Finanzmanagement. "Ihr habt in den vergangenen Monaten Erfahrungen gesammelt, die euch keiner nehmen kann", lobte Anette Beeh von BBQ, einem gemeinnützigen Bildungsträger, der ebenso mit im Boot bei der SIA ist wie Südwest-Metall und die Bundesagentur für Arbeit. "Vielleicht wird euch diese Teilnahme an der Akademie die Berufswahl erleichtern", so Beeh. Abschließend wurden Zertifikate an die Akademie-Teilnehmer überreicht, "die bei Bewerbungen an Hochschulen von Vorteil sein können".