Bad Urach Swingchortypisches Gesamtpaket

Der Swingchor hat viel Beifall eingeheimst. Foto: Kirsten Oechsner
Der Swingchor hat viel Beifall eingeheimst. Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER 13.05.2013
Sie investieren viel Zeit und Energie in ihr Hobby, doch die 34 Sänger machens hörbar gerne: Der Swingchor begeisterte an zwei Konzertabenden vor jeweils ausverkauftem Haus mit neuem Programm.

Als nach zwei Stunden musikalische Power pur die Akteure sichtlich zufrieden und erleichtert die Bühne verließen, konnten die Zuschauer kaum glauben, was sie erlebt hatten: Ein von Laien auf höchstem Niveau präsentiertes Konzert, das mehr war als das reine Absingen von Titeln - ein swingchortypisches Gesamtpaket eben, bestehend aus Gesang und Tanz, etwas Schauspiel und ganz viel Spaß. Dass der Swingchor etwas kann, ist schon lange bekannt. Doch was die Singgemeinschaft unter Leitung von Fabian Brändle an zwei Abenden im Bürgersaal der Schlossmühle abgeliefert hat, sorgte für positive Überraschung auch bei Profis: "Das muss man erst einmal hinbekommen", meinte der Leiter mehrerer anderer Chöre aus der Region anerkennend.

Basis des Erfolgs ist ganz klar der Chorgesang, doch beim Swingchor kommt noch eine weitere Grundvoraussetzung hinzu: Jeder Akteur ist mit großem Engagement und Spaß dabei, strahlend wird gesungen und in den Augen blitzt bei allen die Freude auf - selbst wenn die Choreographie einiges an Konzentration abverlangt. Fast spielerisch agieren die Multitasking-Sänger auf der Bühne, der Chor präsentiert sich wie aus einem Guss. Aus dem treten zwar immer wieder beeindruckende Solisten heraus, doch letztlich reihen sie sich wieder in die von selbstbewussten Persönlichkeiten und einer entsprechenden Bühnenpräsenz geprägten Gemeinschaft ein - gemeinsam bilden sie eine gesangliche Einheit auf hohem Niveau. Begleitet wird der Chor von Brändle am E-Piano, Rainer Gleim an der Gitarre, Bassist Karl-Heinz Wallner und Schlagzeugerin Marion Wetzel.

Das auf den ersten Blick wilde Durcheinander von "Queen"-Songs, Mitsing-Liedern aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle oder James Bond-Titelmelodien hat indes eine Ordnung, Klammer ist eine szenisch dargestellte Rahmenhandlung mit viel Lokalkolorit: Swingchor-Mitglieder machen sich auf die Suche nach einem passenden Ort für eine Kulturkneipe - Raum dafür würde es ihrer Ansicht nach in leer stehenden Wirtschaften wie "Turngarten" oder "Traube" geben und nicht zu vergessen sei der Dicke Turm. Dort finden sie inmitten des Gerümpels eine Kiste mit alten Filmen eines Chores und Switch sind die Sänger von heute diejenigen von damals, als man sich in der legendären "Dampflock" traf und auf der Bühne im Hotel am Berg kulturell ständig etwas los war. Dann gibt das altertümliche Abspielgerät seinen Geist auf und befindet sich der Zuschauer in der Jetzt-Zeit des Chores: Ein Vereins- und Probenlokal ist gefunden, man bereitet sich auf dessen Eröffnung vor. Fiktiv geplant ist sie für Samstag, den 31. Juni.

So weit wird es bedauerlicherweise (noch) nicht kommen und der Swingchor wird weiterhin dienstags im Hartenstein-Haus proben, um sich auf seine Auftritte vorzubereiten. Die zeichnen sich durch ein ganz spezielles Flair aus, das ankommt: "Ich fühle mich richtig beschwingt", meint eine Zuschauerin nach dem Konzert. Und da war sie nicht alleine: "Mir gehen die Lieder nicht mehr aus dem Kopf", erklärte ein Gast und summte fröhlich "Niemand stoppt den Beat".