Bad Urach / ANGELA STEIDLE  Uhr
Bevor die Gemeinschaftsausstellung "Etwas bleibt" weiter zieht nach Zwiefalten gibt es nur eine Empfehlung: Anschauen, staunend begreifen und erfüllt sein von den Exponaten in der Klostermühle.

"Ich bin wie du, nur anders", formulierte Prälat Dr. Christian Rose als Vorsitzender der Inklusionskonferenz des Landkreises Reutlingen bei der Eröffnung der Wanderausstellung "Etwas bleibt" im Bad Uracher Stadtmuseum Klostermühle. Unter dem gemeinsamen Dach der Baden-Württemberg-Initiative "duichwir, alle inklusiv" ergänzen sich sechs Künstler aus der Region zu einer beeindruckenden Werkschau. "Behindert oder nicht behindert spielt hier gar keine Rolle", verbreitete Künstler Erich Rosenberger bei der Vernissage selbstbewusst, "wir inspirieren uns gegenseitig".

Über drei Stockwerke hinweg sind in der Klostermühle noch bis zum 10. Juli 70 Arbeiten ganz unterschiedlicher Künstler, Techniken und Ausdrucksformen zu sehen, etwa die von Renate Quast (surreale Objekt-Fotografie und Installation), Birgit Sonnhof (beeindruckend sinnliche Porträts) sowie die Action-Kunst von Erich Rosenberger (Tempera nach Küchenrezeptur).

Alle drei Künstler stammen aus Reutlingen. Normann Seibold wohnt in Grafeneck und zeigt zentimeterdicke, leuchtende Finger-Malerei. Zu sehen sind Karl Striebels thematischer Mix aus Grafik, Pinsel und Dimension (aus Münsingen) und Helm Zirkelbachs Meisterwerk: 24 Radierungen zu 24 Préludes von Frédéric Chopin. "Das Stadtmuseum bietet sich als Galerie oder Haus der Künste an", fand Bürgermeister Elmar Rebmann. Der Umgang mit behinderten Menschen und deren Inklusion sei in der Stadt längst gelebter Alltag. Die Klostermühle bietet den sechs regionalen Künstlern ganz selbstverständlich in etwa den doppelten Platz wie zum Start der Wanderausstellung in Reutlingen.

"Kunst gilt als Sprache der Verständigung. Sie kennt keine Ausgrenzung", betonte Prälat Rose in seiner Laudatio. "Sie ist nicht nur die Idee bildnerischen Ausdrucks, sondern die Auseinandersetzung mit der gezeigte Vielfalt. Menschen miteinander verbinden, die Augen öffnen, eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung fördern. Tiefe Begegnungen erzeugen, die etwas auslösen", das wünscht sich Rose von der Ausstellung. Und: "Impulse, die dauerhaft bleiben und uns etwas klüger machen." Stark war der Auftritt eines kleinen Ensembles des Theaters in der Tonne. "Inklusion ist, wenn Menschen, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt worden sind, entdeckt werden", erklärte Tonne-Intendant Enrico Urbanek.