Bad Urach Surfen auf der Breitband-Welle

Die Glasfaserkabel rücken näher an die Bad Uracher Haushalte heran. Damit sollen, so die Telekom, in der Kernstadt künftig flächendeckend 100 MBit/s erreicht werden können.
Die Glasfaserkabel rücken näher an die Bad Uracher Haushalte heran. Damit sollen, so die Telekom, in der Kernstadt künftig flächendeckend 100 MBit/s erreicht werden können. © Foto: Daniel Reinhardt
Bad Urach / Simon Wagner 07.06.2018

In Bad Urach wird man künftig schneller surfen. Das jedenfalls verspricht die Deutsche Telekom, die im Rahmen der Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstagabend, durch Regionalmanager Winfried Hörmann ankündigte, den Glasfaser-Ausbau in der Kurstadt zügig vorantreiben und ausbauen zu wollen. Bis Ende des Jahres, als „Weihnachtsgeschenk“ (Hörmann) soll das Tempo beim Herunterladen von Daten flächendeckend 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) betragen. Das Hochladen soll mit 40 MBit/s möglich sein.

Um derlei Raten zu erreichen, plant das Unternehmen weitere Glasfaser zu verlegen und insgesamt 16 Verteiler entweder aufzustellen oder mit moderner Technik auszurüsten. Auf der Strecke zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle und dem Verteiler wird das Kupfer- durch ein Glasfaserkabel ersetzt. Die Verteiler werden damit zu Multifunktionsgehäusen und Mini-Vermittlungsstellen umgebaut, die deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten erlauben. Lichtsignale werden von der Glasfaser in ein elektrisches Signal umgewandelt und gelangen anschließend über die vorhandenen Kupferleitungen an die Haushalte. Rund 3500 Bad Uracher werden nach Aussagen von Hörmann von der dadurch erreichten Erhöhung der Bandbreite profitieren können. Derzeit und auch bei der jetzigen Maßnahme, so führte Hörmann weiter aus, bediene man sich der FTTC-Technik, bei der die Glasfaser nicht direkt in die Häuser gelangen, sondern den Weg zunächst in die Verteilerkästen finden. Die sogenannte „letzte Meile“ besteht auch weiterhin aus einem Kupferkabel. Dafür kommt die Technik des „Vecorings“ zum Einsatz, bei der elektromagnetische Störungen in den Kupferkabeln beseitigt werden. Theoretisch sind dadurch Raten von 250 MBit/s möglich.

Acht- bis zehnfach höhere Übertragungsraten ermögliche hingegen  die FTTB-Technik, bei der das schnelle Glasfaserkabel bis direkt ins Haus geführt wird. Dies allerdings, so erklärte Hörmann, mache bundesweit enorm umfangreich Tiefbauarbeiten notwendig, die eine gesamte Branche auf Jahre lahm legen würde. Alleine in gerade entstehenden Neubaugebieten oder in günstig gelegenen Gewerbegebieten könne die direkte Verlegung der Glasfaser schon jetzt verwirklicht werden.

Von der technischen Aufrüstung profitieren sollen, so Hörmann, auch die Stadtteile Hengen und Wittlingen. Auch hier sollen künftig bis zu 100 MBit/s aus der heimischen Dose kommen. Sirchingen dagegen verfüge über ein vorhandenes LTE-Handynetz, das mit entsprechenden Hybridanschlüssen schnelles Internet ermögliche. Ein weitgehend weißer Internet-Fleck ist und bleibt vorerst der Stadtteil Seeburg. Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann versprach indes, in den nächsten Monaten eine Lösung suchen und finden zu wollen.

Der Entschluss des Telekommunikationsunternehmens, in die hiesige Daten-Infrastruktur zu investieren, wurde wohlwollend von den Ausschussmitgliedern aufgenommen, wenngleich auch Kritik an der vergangenen Unternehmenspolitik aufkam. Moniert wurde das Gebahren der Telekom, anderen Mitbewerbern durch fehlenden Informationsfluss den Zugang zu bestehenden Leitungsnetzen zu verwehren. Hörmann räumte ein, dass zum Handlungsspektrum des Unternehmens durchaus auch das Taktieren zählen könne, man aber vorneweg mögliche Synergien im Auge habe.

Die gute Nachricht, die er jetzt für die meisten der Bad Uracher Internetnutzer im Gepäck hatte, hat allerdings auch eine Kehrseite. Das angekündigte Weihnachtsgeschenk muss noch verpackt beziehungsweise vergraben werden. Es werde damit in Zukunft vermehrt Baustellen und offene Gehwege in der Stadt gebe, kündigte Rebmann an.

100

MBit/s soll künftig der Standard der Datenübertragung, zumindest in der Bad Uracher Kernstadt sein. Auch Hengen und Wittlingen profitieren. Ein weißer Fleck bleibt vorerst Seeburg.