Bad Urach Süße Stückle für Mauritius

Bad Urach / Simon Wagner 09.10.2018
Sie verdient ihre Brötchen mit Torten im Indischen Ozean: Die Bad Uracher Konditorin Romy Huber lebt und arbeitet auf Mauritius.

Weiße Strände, kristallklares Wasser, palmengesäumte Küstenlinien. Mauritius, der Inselstaat mitten im Indischen Ozean gelegen, vermag so manch schillernde Assoziation zu wecken. Die gebürtige Bad Uracherin Romy Huber jedenfalls hat ihr Herz an das Eiland verloren. Seit 2005 lebt sie dort mit ihrem Mann Blek Ramdass in dessen Heimat. Seit 2007 betreiben sie im Örtchen Lallmatie gemeinsam ihre Konditorei, das „R & B Cake Studio Ltd.“ und versorgen die Inselbewohner nicht nur mit aufwendig gestalteten Torten und Süßgebäck, sondern die deutsche Community, wie jetzt zur Oktoberfestzeit, unter anderem auch mit gezwirbeltem Laugengebäck, den Brezeln.

Gelernt hat Romy Huber ihr Handwerk, genauso wie ihr Mann, von der Pike auf. Den Grundstein legte sie nach dem Besuch des Graf-Eberhard-Gymnasiums in Bad Urach mit ihrer Ausbildung zur Konditorin im Römersteiner Café Beck. Als Innungssiegerin folgten verschiedene Stationen  in angesehenen, teils sterndekorierten Häusern in Stuttgart, Konstanz oder im schweizerischen Amriswill bei Urs Wellauer. Neugierig auf weitere Inspirationen und die Welt, zog es Huber anschließend nach Dubai, ehe ihr Plan nach Australien zu gehen  der Liebe wegen scheiterte. Als Chef de Parties lernten sich Huber und Ramdass 2004 in den Vereinigten Arabischen Emiraten kennen und lieben. Nach einem halben Jahr auf dem Karibik-Kreuzfahrtschiff „Celebrity Constellation“ gaben sich die beiden Konditoren 2005 auf Mauritius das Ja-Wort. Noch zwei Jahre sollten ins Land ziehen, ehe sich beide auf das Wagnis Selbstständigkeit einließen und ihre Konditorei auf Mauritius eröffneten. Ein Schritt, der nicht immer einfach war und der auch heute nicht zum bloßen Zuckerschlecken geworden ist. „Ein paar Mal im Jahr gehe ich an den Strand. Dann bin ich auf Mauritius“, ansonsten so lacht sie, „sehe ich vor allem meine Kacheln in der Küche.“ Hier treffen pro Woche zehn bis 15 Torten-Bestellungen ein, an Wochenenden sind es bis zu 30. Zugute kommt den beiden Konditoren, die derzeit rund zehn Mitarbeiter beschäftigen, dass es auf Mauritius eine ausgeprägte Kuchen-Kultur gibt. „Auch wenn sich kein Putz mehr an der Wand befindet, eine Torte gehört am Wochenende auf den Tisch“, erklärt Huber das Selbstverständnis vieler Inselbewohner, die sich gerne und oft besuchen. Und diese Torten veredelt ihr Mann mit selbstentworfenen und freihändig gezeichneten Designs. Aber es ist auch die Qualität der Backwaren die der inzwischen vierköpfigen Familie ein solides Auskommen beschert. Die beiden Konditoren haben sich auf die Teigherstellung ohne Ei spezialisiert. Wie Hubers Mann gehören etwa die Hälfte der Mauretanier dem Hinduismus an und sind angehalten, auf diese Zugabe zu verzichten. Längst gehören zum Repertoir der beiden aber auch würzige Snacks, die sie im angegliederten Café an ihre Kunden abgeben.

Fern ab der Heimat ist Romy Huber stolz auf das was sie zusammen mit ihrem Mann erreicht hat. „Das ist ein Traum, den wir uns verwirklichen wollten“, sagt sie. Inzwischen zweifache Mutter geworden, war sie 2011 das letzte Mal in ihrer Heimatstadt Bad Urach. Lockerer und mit weniger Druck gehe es auf Mauritius zu, wagt sie einen Vergleich mit ihrer alten Heimat. Aber auch im Indischen Ozean sei nicht jeden Tag eitel Sonnenschein, erinnert sie sich auch an den einen oder anderen Inselkoller. Inzwischen aber sei sie und ihre Familie vollständig ins Inselleben eingebunden. Gleichwohl vermisst sie durchaus gewohnte Dinge. Die aber, so sagt sie lachend, hätten vor allem mit Essen zu tun. Currywurst oder Käsespätzle lassen ihre Sehnsüchte aufsteigen. Sehnsüchte, die auch die rund 230-köpfige deutsche Gemeinschaft auf Mauritius kennt. Sie immerhin haben in Romy Huber eine Anlaufstation. „Ich habe hier mehr Brezeln als in Deutschland gemacht“, lacht sie.

Konditorei als gefragtes Kunstatelier

Lionel Messi zum Anbeißen: Etwa 15 fantasie- und kunstvoll gestaltete Torten, wie die mit dem Konterfei des argentinischen Nationalspielers, verlassen pro Tag die 2005 eröffnete Konditorei von Romy Huber und Blek Ramdass auf Mauritius. 

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