Bad Urach / Regine Lotterer  Uhr
Großer Bahnhof für die Sirchinger Steige: Zahlreiche Bürger wollten gestern Nachmittag dabei sein, als Verkehrsminister Winfried Hermann die Sirchinger Steige nach 15 Monaten Vollsperrung wieder frei gab.

Bad Urach/St. Johann. Alle Festredner haben gestern Nachmittag einmütig ihre Freude darüber kund getan, wie schnell es gelungen ist, die Sirchinger Steige zu sanieren. Manchem Pendler mögen die vergangenen 15 Monate angesichts der Umwege, die er von der Alb ins Tal und retour in Kauf nehmen musste, dennoch lang geworden sein. Der Landesregierung, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann gestern anlässlich der feierlichen Wiedereröffnung der Straße, sei im vergangenen Jahr rasch klar gewesen, dass die Strecke so schnell es geht saniert werden muss, da sie für die Menschen in der Region große Bedeutung besitze. Dass es innerhalb eines guten Jahres geglückt ist, die vom Junihochwasser 2013 verursachten Schäden zu beseitigen und die Strecke zu reparieren, sei jedoch bemerkenswert, betonte der Minister. Gemeinhin würden solche Projekte weit mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Während der Bauzeit, schilderte Hermann, hätten die Fachleute einige große Brocken bewältigen müssen: Dreieinhalb Kilometer Straße waren zu sanieren, der Hang musste, teilweise mit Schutznetzen, gegen Steinschlag, gesichert werden. Allein 170 Bohrpfähle stecken bis zu 21 Meter tief im Boden, um die Straße, die, wie es Winfried Hermann ausdrückte, in einem hochlabilen Gelände gebaut ist, zu stabilisieren. Während der Bauarbeiten wurden insgesamt 25 000 Kubikmeter Erdmaterial bewegt und 17 000 Tonnen Schotter eingebaut. In etlichen Bereichen haben die Experten den Straßenbelag überdies bis zu drei Meter tief abgetragen, damit sie wieder einen stabilen Untergrund schaffen können. Gekostet hat die Sanierung letztlich knapp sechs Millionen Euro.

Minister Hermann nutzte gestern die Gelegenheit, die Politik der Landesregierung zum Thema „Straßenbau“ zu erläutern. Die grün-rote Koalition konzentriere sich seit drei Jahren auf den Erhalt der Substanz, da hier gewaltiger Nachholbedarf bestehe. Dafür gebe es inzwischen auch deutlich mehr Bundesmittel als früher. Heute investiere das Land drei Mal so viel Geld in die Sanierung von Straßen und Bauwerken als noch vor zehn Jahren.

Von einem „schönen, guten und wichtigen Tag für die Region“ sprach Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann anlässlich der Einweihung der Sirchinger Steige. Was die Experten nach dem Starkregen Anfang Juni 2013 entdeckten, habe den Urachern und St. Johannern überhaupt nicht gefallen, erinnerte der Bürgermeister. Immer wieder sei es wegen der Vollsperrung zu Diskussionen in den Gemeinderäten und unter den Einwohnern gekommen. Aus diesem Grund entschieden sich die Verantwortlichen, die Bürger im vergangenen Dezember „bei Roter Wurst und Glühwein“ zum Steigenrundgang einzuladen: „Das war der Durchbruch“, sagt Rebmann, „weil die Leute gesehen haben, die Sanierung geht nicht von heute auf morgen.“ Der milde und schneearme Winter habe ebenfalls sein Teil dazu beigetragen, die Bauarbeiten zügig voranzutreiben. Überdies habe er den Schülern manchen Umweg erspart. Weil die Hanner Steige, die, so Rebmann an alpine Routen erinnert, mangels Eis und Glätte fast durchweg befahrbar blieb, konnten die Schulbusse die meiste Zeit den direkteren Weg vom Kispel ins Tal nehmen.

Nachdem der Verkehrsminister schon einmal vor Ort war, nutzte Rebmann die Chance, für die Regionalstadtbahn zu werben. Es wäre schön, so Rebmann, wenn das erste Modul bald eingeweiht werden könnte, nachdem die Zufahrtsstrecken zur Ermstalbahn nun in bestem Zustand seien. Für diesen Wunsch spendeten nicht nur die Bürger Beifall, sondern auch der Minister, der den versammelten Kommunalpolitikern Unterstützung für ihr Ansinnen signalisierte.

Angesichts des großen Interesses der Bürger an der feierlichen Straßeneröffnung kündigte Regierungspräsident Hermann Strampfer an, künftig alle derartigen Festakte an die Sirchinger Steige verlegen zu wollen. Der Zuspruch, so Strampfer, sei sichtbarer Beweis für die Bedeutung, die die Steige für die Region besitze. Viele hätten dafür gekämpft, die Straße schnell wieder herzustellen. Auch die Fachbehörden und die beteiligten Firmen hätten bestens kooperiert. In diesem Zusammenhang würdigte Strampfer ausdrücklich die Leistung von Bauleiter Horst Reichenecker, der dafür gesorgt habe, dass alle Beteiligten gut zusammenarbeiten konnten.