Bad Urach Staus wird es immer geben

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Bad Urach / PETER KIEDAISCH 20.11.2013
Die Einwohner Sirchingens fühlen sich schlecht informiert, was die Sanierung der Sirchinger Steige anbelangt. Inzwischen werden Unterschriften gesammelt, um den Behörden Druck zu machen.

Die Kurstadt ist ein verkehrspolitisches Nadelöhr. Zumindest zu den Stoßzeiten. Der Schwung an Autos und Lastwagen, aus Richtung Reutlingen kommend, hat durch den vierspurigen Ausbau des B 28-Maienwaldknotens freie Fahrt. Bis zur Ampelanlage auf Höhe der Bleiche. „Der Pfropfen, der früher vor Metzingen saß, sitzt jetzt vor Urach“, fasste es Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann am Dienstagabend im Gemeinderat zusammen. Morgens stehen die Fahrzeuge auf der anderen Seite der Stadt im Stau: hinter der Ampel am Wilhelmsplatz bis zurück an die Ulmer Steige.

Um das künftig, so gut wie möglich, zu vermeiden, hat der Gemeinderat über eine Optimierung der Ampelanlagen diskutiert. An sieben Knotenpunkten sollen die Signalanlagen so eingestellt werden, dass sie nicht mehr 120 Sekunden lange Grünphasen haben, sondern nur noch 80 Sekunden. Das mag paradox anmuten, aber Udo Pasler, der Leiter des Kreisstraßenbauamts, hat es dem Gremium erläutert (wie bereits vergangene Woche dem in Dettingen, wir haben darüber berichtet). Demnach werden die Abstände zwischen den Autos umso größer, je länger die Grünphase dauert. Die Reduzierung auf 80 Sekunden erhöht also den Verkehrsfluss.

Das Land investiert in diese Optimierung 100 000 Euro, die bis Ende 2014 verwirklicht sein soll. „Ein bisschen Bauchweh“, habe Pasler schon, wie er zugab. Denn die Erwartungen in Bad Urach sind hoch. Umso größer wäre die Enttäuschung, wenn auch nach der Umstellung hauptsächlich rote Bremslichter die Ortsdurchfahrt dominierten. Das soll zwar vermieden werden, aber Staus werde es in Bad Urach immer geben, so Pasler, dessen Ziel es ist, diese auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Wie es künftig aussehen könnte, hat der Gemeinderat anhand einer Computer-Simulation vorgeführt bekommen. Außer der Software-Umstellung an den Ampeln, die der Bund bezahlt, muss auch die Stadt investieren. Beispielsweise ist es vorgesehen, die Kreuzung an der Bäderstraße (mit Ein- und Ausfahrt ins Kurgebiet und ins Maisental) zu entschärfen. Um aus dem Kurgebiet kommend das Rechtsabbiegen zu erleichtern, soll die Rechtsabbiegespur separiert werden. Geradeaus und links werden zusammengeführt. Da schreibt die Verkehrsbehörde aber eine sogenannte Dreiecksinsel zwischen den beiden Spuren vor. Wie diese Kreuzung im Detail baulich verändert wird, entscheidet der Gemeinderat in der Sitzung am 3. Dezember, wie Bürgermeister Rebmann nach einigen kritischen Wortmeldungen vorschlug. Die Kosten für den Umbau (80 000 Euro) erschien einigen Räten, etwa Horst Vöhringer (SPD/AB) und Axel Walcher (CDU) als zu hoch. Möglicherweise wird es eine abgespeckte Variante davon geben.

Am Dienstag ging es auch mal wieder um die Sirchinger Steige. Zu diesem Thema waren eigens einige Bürger zum Tagesordnungspunkt „Einwohnerfragestunde“ gekommen. Die frühere Stadträtin Barbara Schwarz berichtete von einer Unterschriftenaktion von Sirchinger Einwohnern, die sich ans Regierungspräsidium wenden möchten, um die Freigabe zweier Feldwege auf St. Johanner Gemarkung für den Verkehr zu fordern. Bürgermeister Rebmann versprach, dieses Unterschriftenpaket mit einem Begleitschreiben zu unterstützen, zuständig sei aber nicht das Regierungspräsidium, sondern die Gemeinde St. Johann. Deren Gemeinderat habe die Freigabe abgelehnt. Aus Sicherheitsgründen, wie Rebmann erläuterte. Barbara Schwarz kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Polizei, die die Notsituation der Sirchinger ausnutze und Feldwegfahrer abpasse, um sie mit einem Bußgeld in Höhe von 20 Euro zu belegen. Der Umweg über Bleichstetten sei teuer genug. Sie habe errechnet, dass dieser monatliche Mehrkosten von 106 Euro verursache. Sirchingens Ortsvorsteherin Katrin Reichenecker regte an, für die Einwohner eine Infoveranstaltung zu organisieren. Viele, sagte sie, „fühlen sich schlecht informiert.“ Diesen Vorschlag nahm Elmar Rebmann gerne auf. Ob dies direkt auf der Baustelle sein werde oder im Dorfgemeinschaftshaus müsse man sehen.

Wie am Dienstag zudem bekannt wurde, beginnen am Montag die Sanierungsarbeiten auf der Sirchinger Steige. Die Firma Kirchhoff richtet zunächst die Baustelle ein und beginnt übernächste Woche mit den Bohrungen für die Pfähle. Diese Arbeiten sollen bis Anfang Februar andauern. Danach geht es an die Entwässerungseinrichtungen, „bis zu den Sommerferien wird die Steige auf jeden Fall gesperrt bleiben“, berichtete Udo Pasler. Bereits vor zwei Wochen hat der Forst mit Rodungsarbeiten begonnen, um die Zeit der Sperrung auszunutzen.

Auch die Ulmer Steige muss übrigens saniert werden. Sie wird ab Montag für drei Wochen voll gesperrt. Auch hier müssen Pfähle die Stabilität der Steige wiederherstellen, die ebenfalls unter dem Juni-Dauerregen gelitten hat. Im Frühjahr werden die Arbeiten fortgesetzt, allerdings kann an der Baustelle halbseitig vorbeigefahren werden. Der Verkehr wird ab Montag über das Fischburgtal und über die Grabenstetter Steige umgeleitet.