Bad Urach Stadt schützt sich vor Hochwasser

Bad Urach / REGINE LOTTERER 07.11.2013
Die Kurstadt will sich besser vor Hochwasser schützen. Was dafür zu tun ist, steht in einem Gutachten, das im Gemeinderat vorgestellt wurde. Es befürwortet unter anderem Rückhaltebecken im Kaltental.

Um erste Hochwasserschäden zu beseitigen sowie den Einsatz diverser Hilfskräfte zu begleichen, hat die Stadt bislang 125 000 Euro aufgebracht. Einige Rechnungen stehen allerdings noch aus, wie Tiefbauamtsleiter Andreas Streble den Stadträten am Dienstag erläuterte. Am Ende dürfte unterm Strich eine Summe zwischen 170 000 Euro und 180 000 Euro stehen. In ähnlichen Dimensionen bewegen sich nach Schätzungen des Tiefbauamtsleiters wohl auch die mittelfristigen Kosten.

Weil die Stadt das Bad Uracher Ingenieurbüro Fritz bereits im Januar 2012 damit beauftragt hatte, ein Hochwasserschutzkonzept zu erstellen, konnten die Verantwortlichen während der kritischen Tage Anfang Juni die neuralgischen Punkte relativ schnell lokalisieren. Eine wichtige Hilfe, führte Bürgermeister Elmar Rebmann im Gemeinderat aus. Er betonte, die Stadt wolle den Hochwasserschutz in den kommenden Jahren Zug um Zug verbessern, der nächste Schritt hierzu ist ein detaillierter Plan, der aufzeigt, was an den Gewässern zu verändern ist. Grundlage ist das am Dienstag im Gemeinderat vorgestellte und vom Gremium einmütig gebilligte Gutachten.

Das mehr als 40 Seiten starke Papier hat es durchaus in sich. Um der Elsach im Falle eines Hochwassers ihre zerstörerische Kraft zu rauben, empfehlen die Fachleute Rückhaltebecken im Kaltental zu errichten. Denkbar wäre ein großes Bauwerk, das rund 59 000 Kubikmeter fassen kann. Die Dammhöhe am Auslaufbauwerk betrüge in diesem Fall acht Meter.

Möglich ist auch, ein Kaskadensystem bestehend aus drei Becken zu erstellen, die zusammen rund 71 000 Kubikmeter speichern können. Das Wasser stünde dann auf einer Höhe von zwei bis fünf Meter. Ob die für den Umweltschutz zuständigen Behörden einen solchen Eingriff in die Natur absegnen, bleibt freilich noch abzuklären. Die Variante Staubecken befürworten die Fachleute zum einen wegen der extremen Hochwasserspitzen, die die Elsach mit sich führt, und die mit einer solchen Konstruktion gebrochen würden. Zum anderen bestehen innerorts entlang der Elsach nur wenig Möglichkeiten, das Flussbett zu vertiefen oder zu erweitern.

Für die Erms sei ein solches Rückhaltesystem dagegen nicht sinnvoll, heißt es im Gutachten. Der gesamte Bereich des oberen Ermstals ist Wasserschutzzone, außerdem liegen dort mehrere Pumpwerke. Werde hier künstlich gestaut, könne eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung nicht ausgeschlossen werden. Zudem führe die Erms keine extremen Hochwasserspitzen, die es mit einem Rückhaltesystem aufzuhalten gelte. Für die Erms raten die Fachleute nach Rücksprache mit Anwohnern sowie nach den Erfahrungen mit dem Juni-Hochwasser, den Flusslauf von der Schlossmühle bis hinauf zum Altenheim Herzog Christoph zu vertiefen und wo es möglich ist auch zu verbreitern. Um dafür die ausreichende Tiefe zu erreichen, soll an der Schlossmühle eine Stauklappe eingebaut werden, die die bisherige Konstruktion ersetzt. Der Vorteil: Eine Stauklappe kann den Wasserspiegel lange Zeit konstant halten und gewährleistet, dass die Aufteilung der Erms auf den Mühlkanal sowie auf den 3/8- und den 5/8-Kanal bestmöglich erfolgt.

Am Seilerweg gerät vor allem die historische Tuffsteinbrücke in den Blick der Experten, sie erwies sich als Abflusshindernis. Wenn sich hier etwas verbessern soll, bleibt nach Einschätzung von Martin Seckel-Schmidt, der das Gutachten im Gemeinderat vortrug, nur die Frage ans Denkmalamt, ob das Bauwerk an eine andere Stelle versetzt werden darf.

Eine diffizile Situation machen die Fachleute auch an der Ermsbrücke auf Höhe Lange Straße aus. Hier sei es erforderlich, die Bachsohle um 60 bis 70 Zentimeter zu vertiefen, was voraussichtlich einen Brückenneubau erforderlich werden lässt. Im Bereich des Posthofs bieten die ohnehin anstehenden Arbeiten dagegen die Chance, den Hochwasserschutz voranzutreiben sowie Optik und Ökologie zu verbessern. Komplex gestaltet sich die Lage an der Klostermühle. Das Ingenieurbüro schlägt hier unter anderem vor, die bestehende Garage abzureißen und den Bereich aufzuweiten.

Stellungnahme des Gemeinderates
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