Verschmitzt schauen die Jungen und Mädchen aus ihren Verstecken heraus, getarnt sind sie mit Sherlock-Holmes-Käppis und dunklen Brillen. Dann, im richtigen Moment, schlagen sie zu und klauen ein Geräusch nach dem anderen mit dem Soundsauger, einem Handstaubsauger: Plötzlich klackt der Kaugummiautomat nicht mehr, das Rauschen des Marktbrunnens ist nicht mehr zu hören und auch die Glocken der Amanduskirche sind verstummt. Beste Unterhaltung wird den Zuschauern bei der Premieren-Vorstellung des Films geboten, fünf Minuten lang lachen Mamas und Papas, Geschwister, Großeltern und auch Mitglieder des Arbeitskreises Asyl ausgiebig und so ist den jungen Akteuren eines sicher: ganz viel Applaus. Den genießen die zehn Sounddiebe-Kinder zwischen sechs und elf Jahren dann auch voller Stolz, die intensive Arbeit mit Medienpädagogin Kerstin Risse vom Büro Medien und mehr hat sich gelohnt.

Von März bis Mai haben Schüler der Internationalen Vorbereitungsklasse und der Grundschule einmal in der Woche an dem integrativen Projekt "Wie klingt unsere Stadt?" teilgenommen, das der Arbeitskreis Asyl angestoßen hat. "Wir haben das Hören gelernt und die Ohren geschult", berichtet Projektleiterin Kerstin Risse vor großem Publikum im Jugendhaus und gibt einen Einblick in die Arbeit. "Ohren auf und Augen zu" heißt das Motto, die zahlreichen Zuschauer sollen Geräusche unter anderem von einer klappernden Schere oder einem Tacker erkennen - gar nicht so leicht in einer von Lärm erfüllten Welt. Die Erkenntnis, so die Medienpädagogin: "Man kann viel Spaß mit Alltagsgegenständen haben und sogar Spiele mit ihnen gestalten."

Spaß hatten die Sounddiebe während des Projekts offensichtlich auch, im Film wird ihre Freude am Projekt sichtbar. Für die Umsetzung des Streifens haben sie ganz viel Verantwortung übernommen, wirkten nicht nur als Schauspieler mit, sondern führten Regie, übernahmen Kamera und Ton. Der Erfolg lässt nicht auf sich warten, die Geschichte um die Geräusche der Stadt soll auch anderweitig gezeigt werden - gedacht ist an eine Präsentation um die Feierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen der Stadt oder im Rahmen der interkulturellen Woche.

Auf intensive, aber dennoch lockere Art und Weise haben bei diesem Projekt Flüchtlingskinder, deutsche Jungen und Mädchen und Schüler mit Migrationshintergrund zusammengefunden und Kontakte geknüpft. Das Projekt ging weit über die Herstellung des Films hinaus, mit dabei war auch Sonka Müller vom Theater Patati Patata: Mit ihr setzten die Projekt-Teilnehmer Geräusche in Szenen um. Auch standen immer wieder Übungen auf dem Programm, um das Hören zu schulen. Finanziert wurde das Projekt durch eine Spende des Rotary Clubs und aus Mitteln des Landesprogramms "Gemeinsam in Vielfalt". Unterstützt wurde Fachfrau Risse von Jutta Epple vom Arbeitskreis Asyl und Tina Reitze von der Mobilen Jugendberatung.

Mit dabei waren auch die "Beatstompers", die Trommelgruppe begleitete die Filmpremiere auch musikalisch: "Wir waren bei ihnen zu Besuch und durften ganz viel Lärm machen", blickt Risse auf spannende Zeiten zurück. Und wie im Film zu sehen ist, tauchten dort auch die Geräusch wieder auf: Das Trommeln wurde begleitet von den Kirchturmglocken, dem Rauschen des Marktbrunnens und wer ganz genau hinhörte, erkannte auch das Klacken des Kaugummiautomaten.