Hengen/Wittlingen Schöne Erinnerungen im Reisegepäck

Viele Hände waren am Sonntag vom scheidenden Pfarrer Jörg Sautter und seiner Frau Miriam in Hengen zu schütteln. Nach langen Jahren fiel der Abschied beiden Seiten nicht leicht.
Viele Hände waren am Sonntag vom scheidenden Pfarrer Jörg Sautter und seiner Frau Miriam in Hengen zu schütteln. Nach langen Jahren fiel der Abschied beiden Seiten nicht leicht. © Foto: Gudrun Grossmann
Hengen/Wittlingen / Gudrun Grossmann 17.07.2018

Der Pfarrer, der in seinen Predigten manchmal den Fußball rollen lässt, der in den Schulpausen gerne mit Mädchen und Jungen  kickt, im Verein Jugendliche trainiert, wechselt nun in eine Gemeinde, die vom Handball geprägt ist. Jörg Sautter wird das Fair Play in Neuhausen fortsetzen und damit eine lange Vakanz im Ermstal beenden.

Dass man ihn auf der Alb ungern ziehen lässt, seine Entscheidung aber versteht, wird bei seinem Abschiedsgottesdienst am Sonntag in der All’Heiligen-Kirche deutlich. Er ist ganz auf einen Seelsorger zugeschnitten, der in den vergangenen sieben Jahren viel frischen Wind nach Hengen und Wittlingen gebracht hat. Mit „So hoch der Himmel ist“ sorgt die Lobpreisband für einen schwungvollen Auftakt, Organist Hans-Martin Jaeger sendet mit „All you need is love“ die Schlussbotschaft in das voll besetzte Kirchenschiff. Dazwischen gibt es ein letztes „Heimspiel“ auf der Kanzel, viel Lob und Anerkennung für ihn, allerbeste Wünsche für die Zukunft. Ausdrücklich mit eingeschlossen ist seine Frau Miriam, die mit dem Zwergentreff und den Kinderbibeltagen beständige Anlaufstellen für junge Familien geschaffen hat. Kerstin Kugel überreicht ihr ein Geschenk, die Eltern und „Volltreffer“-Kinder singen ein munteres Mitmach-Lied, für das sie sich mit herzlichen Umarmungen bedankt. Ein liebevolles Miteinander wurde gepflegt. Der Abschied fällt offensichtlich schwer.

Mit ihrem Wittlinger Kollegen Wolfgang Rueß an ihrer Seite, drückt auch die Hengener Kirchengemeinderatsvorsitzende Heidi Götz aus, dass die Familie Sautter schmerzlich vermisst wird. Von der Nachricht sei man geschockt gewesen. Aber: „Wir können nichts festhalten, keine Menschen, keine Dinge, weder Zeit noch Glück.“ Jörg Sautter kam im Winter 2011 auf die Uracher Alb und feierte hier vor vier Jahren seine Investitur. Viel sei in dieser Zeit passiert. Positives und auch schwere Dinge, „die viel von uns allen gefordert haben“. Gegenseitig habe man sich getröstet und gestärkt. Was von Jörg Sautter bewegt und geleistet worden sei, könne gar nicht alles aufgezählt werden. Besonders bei Kindern- und Jugendlichen sei seine „lockere und aufgeschlossene Art“ gut angekommen. Heidi Götz zusammenfassend: „Du hinterlässt Spuren auf vielfältigste Art. Dafür möchten wir dir von Herzen Danke sagen.“

Dass sich mit dem Thema Fußball geistliche Wahrheiten verbinden lassen, das hat Pfarrer Jörg Sautter öfters unter Beweis gestellt. Nun, am Tag des Endspiels, nutzt er die Steilvorlage und geht in seiner Abschiedspredigt in Wort und Bild auf einen Slogan ein: „Nur der Sieg zählt.“ Mit einem kleinen Exkurs durch die WM-Historie stellt er die angeblichen Verlierer in den Vordergrund. Was sind schon Niederlagen, wenn sie richtig eingeordnet werden? Ein Läufer fühlt sich gut, wenn er unter den ersten Hundert im Ziel ankommt, ein anderer hadert damit, dass er nur Dritter ist. „Gottes Ziel ist die Gleichwertigkeit.“ Sautter hinterfragt die ständigen Vergleiche und das Getriebensein, spricht sich für ein Klima aus, „in dem es den Leuten leichter fällt, Fehler zu machen“, lenkt die Blicke bewusst auf eine Reihe von Persönlichkeiten, die Rückschläge als Chancen wahrgenommen und dann auch genutzt haben. Dieses Ausprobieren müsse möglich sein. Kernsätze beziehen sich auf Jesus und seinen Tod am Kreuz, die vermeintliche Niederlage, die zum „überwältigenden Sieg“ wird. „Auf seiner Seite werden wir am Ende alle stehen.“

„Neuhausen darf sich freuen.“ Daniel Mangel, Pfarrer in Zainingen, begrüßt es beim anschließenden Ständerling, musikalisch eingeleitet vom Hengener Posaunenchor, dass Jörg Sautter „als junger dynamischer Pfarrer“ dem Kirchenbezirk erhalten bleibt. Die Ortsvorsteher Gerhard Stooß (Hengen) und Horst Vöhringer (Wittlingen) bedanken sich für die „sehr gute, freundliche und kompetente Zusammenarbeit“, Rolf Oettinger überreicht Fotos der beiden Kirchen und einen Handball. Für die vier Kinder Sophia, Jule, Noah und Anne hat Heidi Götz kleine Schachteln parat. Aus deren Inhalten ergibt sich, einem Puzzle gleich, ein Gutschein für einen Familienausflug in die Wilhelma.

Pfarrer Jörg Sautter bedankt sich. Er nehme „schöne Erinnerungen“ an seine ersten Berufsjahre mit. „Wir haben viel zusammen erlebt.“ Den beiden Gemeinden wünscht er Gottes Segen für die Zukunft „und dass sich bald ein Nachfolger findet“. Er und seine Familie seien „nicht aus der Welt“. Neuhausen ist in Reichweite, die eine oder andere „Verlängerung“ nicht ausgeschlossen. Die Investitur von Pfarrer Jörg Sautter ist am Sonntag, 22. Juli, um 9.20 Uhr in der Zwölf-Apostel-Kirche in Neuhausen.

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Jahre verbrachte Jörg Sautter auf der Uracher Alb. Nun zieht es ihn nach Neuhausen. Mit seiner ehemaligen Gemeinde verbindet er viele Erlebnisse und positive Erinnerungen.

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