Dettingen Schneller, weiter, schwieriger

Bereits jetzt ist Dettingen für viele Radfahrer reizvoll. Von der Ermsgemeinde aus kann man unterschiedliche Ecken der Region erkunden.
Bereits jetzt ist Dettingen für viele Radfahrer reizvoll. Von der Ermsgemeinde aus kann man unterschiedliche Ecken der Region erkunden. © Foto: Kirsten Oechsner
Radfahren boomt / Kirsten Oechsner 07.06.2018

Radfahren boomt, doch den richtigen und vor allem sichersten Weg durch Dettingen zu finden, ist nicht einfach. Ein schlüssiges innerörtliches Radwegenetz aufzubauen wird deshalb für die Gemeinde in naher Zukunft eine der wichtigen Aufgaben sein. Darin sind sich die Mitglieder des Verwaltungsausschusses einig. Weniger intensiv aus Dettinger Sicht werden vorerst jedoch die Pläne von Land und Landkreis verfolgt, einen Radwegschnellweg von Reutlingen nach Bad Urach auszubauen.

Varianten werden vorgestellt

In Ballungsräumen und Regionen mit viel Platz sei das Konzept umsetzbar, so Bürgermeister Michael Hillert. Doch aufgrund der topografischen Lage Dettingens und der damit einhergehenden angespannten Verkehrslage seien die Vorgaben kaum zu realisieren: „Wir können keine Trasse aufweisen“, machte Hillert deutlich bei der Vorstellung einer vom Ingenieurbüro MAP aus Stuttgart im Auftrag des Landkreises Reutlingen in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie.

Ziel einer Radschnellstrecke ist eine kurze, direkte und zeitsparende Verbindung von Orten, die Steigerung des Radanteils für Alltagsradler und damit auch die Verringerung von Staus und Emissionen. Die Anforderungen an die autobahnähnlichen Radschnellwege sind hoch: Die mindestens vier Meter breiten Wege müssen mit 30 Stundenkilometern befahrbar sein, geringe bis gar keine Steigungen aufweisen und nicht zuletzt haben laut Konzept Radfahrer an Knotenpunkten Vorrang vor Fahrzeugen und Fußverkehr.

„Ich sehe keine Lösung, das umzusetzen“, so Hillerts Ansicht, der von einer „eierlegenden Wollmilchsau“ sprach. „Wir haben es schon schwer, den Autoverkehr durch Dettingen zu bringen.“ Angesichts der Vorfahrt für Radfahrer seien auch landwirtschaftliche Wege ebenso wenig für einen Radschnellweg nutzbar wie der bereits ausgewiesene Ermstal-Obst-Radweg.

Die fünf in der Machbarkeitsstudie vorgeschlagenen Varianten haben nach Ansicht des Gremiums alle ihre Schwachstellen, weil selbst die favorisierten Vorschläge zum Teil durchs Gewerbegebiet Vogelsang oder auf Wohnstraßen quer durch Dettingen, unter anderem über die Hölderlinstraße, den Gfällweg, Im Waager, Am Bodenweg und die Stettiner Straße und den Buchenweg in Richtung Radwegunterführung an der Kappishäuser Straße, führen. „Wenn man das Konzept ernst nimmt, muss man eine neue Trasse bauen“, führte Wolfgang Budweg (CDU) aus.

Die Idee sei grundsätzlich gut und man solle sie nicht vorschnell abhaken, meinte Archibald Fritz (Unabhängige Liste), aber um sie umzusetzen, müsse man tatsächlich über eine völlig neue Wegführung nachdenken. In dieser Frage den Ball flach zu halten, forderte Dr. Rolf Hägele (Freie Wähler) auf: „Hier Verwaltungskapazitäten zu binden, wird mit meiner Stimme nicht möglich sein.“

Wegen der angespannten Personalsituation in der Verwaltung sollen zunächst laut Ansicht der Gremiumsmitglieder keine weiteren Aktivitäten auf die Machbarkeitsstudie folgen, zumal noch keine Überlegungen hinsichtlich der Kosten für die einzelnen Gemeinden existieren. Einig waren sich die Kommunalpolitiker aber auch, dass für das derzeit laut Bürgermeister Hillert „autolastige“ Dettingen dringend ein Radwegekonzept erarbeitet werden muss. „Wir werden ab nächstem Jahr an unseren innerörtlichen Radbeziehungen arbeiten und sie organisieren“, sicherte er zu, wobei die Bevölkerung in die Entscheidungsprozesse mit eingebunden werden soll. „Wir werden für Dettingen gute Lösungen finden“, erklärte Hillert.

Absprache mit den Nachbarn

Zeitgleich wurde  in der Nachbarstadt Bad Urach über die Möglichkeit eines Radschnellwegs debattiert. Der Technische Ausschuss der Kurstadt befasste sich mit der Machbarkeitsstudie und der grundlegenden Planung sowie verschiedenen Trassenführungen. Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann verwies jedoch darauf, dass man sich vor genaueren Festlegungen zunächst mit der Gemeinde Dettingen besprechen müsse. Mehrheitlich zeigten sich die Bad Uracher Ausschussmitglieder von der Idee angetan, wie sie jedoch umgesetzt werden soll, ist noch nicht klar.

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