Dettingen Schillerschule: Kosten klettern knapp 20 Prozent in die Höhe

Die Baustelle Schillerschule, hier ein Foto vom Frühjahr, wird den  Dettinger Gemeinderat noch eine Weile beschäftigen.
Die Baustelle Schillerschule, hier ein Foto vom Frühjahr, wird den  Dettinger Gemeinderat noch eine Weile beschäftigen. © Foto: Anja Weiß
Christina Hölz 23.06.2018

Wir sind geschockt“, urteilt Gemeinderat Archibald Fritz. „Wir mussten kräftig schlucken“, ergänzt Bürgermeister Michael Hillert. „Ich möchte am Ende nicht noch eine Million drauflegen“, mahnt FWV-Sprecher Dr. Rolf Hägele.

Soweit die Stimmen aus dem Dettinger Gemeinderat zur jüngsten Hochrechnung in Sachen Schillerschule. Sozialverträglich und gebremst kritisch fielen sie aus. Indessen war klar, dass es die Kostenprognose des Projektsteuerers Thomas Kaltenmark in sich haben würde. Denn schon vor Wochen hatte Bürgemeister Michael Hillert gegenüber unserer Zeitung eingeräumt: Die von Verwaltung und Gemeinderat vorgegebene Grenze von 15 Millionen Euro für den Umbau der Gemeinschaftsschule sei nicht haltbar. Wie berichtet, hatten die Reutlinger Generalplaner „Riehle+Assoziierte“ vor Baubeginn einen Entwurf knapp unter dieser Summe vorgelegt – die 15-Millionen-Marke wollte der Rathauschef dann „mit Zähnen und Klauen“ verteidigen.

Nun ist klar: Schon heute liegen die Ausgaben für das neue Schulzentrum bei knapp 16,6 Millionen Euro. Und die endgültigen Baukosten beziffert der zuständige Ingenieur auf gut 18,2 Millionen Euro. Die Schillerschule wird die Gemeinde Dettingen knapp 20 Prozent mehr kosten als erwartet. Und das ist, wie gesagt, eine Prognose: Vergeben sind bislang 67 Prozent der Gewerke.

Weshalb der Zuschlag? Nach den Worten des erst später in den Bauverlauf eingeschalteten Projektmanagers des Büros Klotz (Stuttgart) liegt es vor allem an zwei Faktoren: Erstens hadern die Dettinger ganz gewaltig mit der Baupreissteigerung auf dem Markt. Die liege schon derzeit zwischen vier und fünf Prozent, rechnete Thomas Kaltenmark vor. Für die Zukunft, etwa beim Bau des dritten Gebäudes, prognostiziert der Ingenieur gar eine Kostenexplosion von weiteren acht Prozent. Gemeinsam mit dem Ausbau der beiden ersten Gebäude und der Außenanlagen hat Dettingen allein in den kommenden zwei Jahren zusätzliche Baukosten von knapp 330 000 Euro zu tragen, bilanziert der Projektsteuerer. Um es mit Michael Hillert zu sagen: „Bezogen auf das ganze Millionen Projekt sind solche Preisexplosionen einfach eine Menge Holz.“

Zweitens hat sich beim Bauen wohl einiges ergeben, mit dem die Planer nicht gerechnet hatten. Dazu gehört etwa, auf Wunsch der Schule, der zeitgemäße Ausbau der Fachklassenräume (größere Unterrichtsräume, bessere Ausstattung) im Gebäude drei. Der Gemeinderat hat dafür am Donnerstag Mehrkosten in Höhe von 524 000 Euro genehmigt. Das Gremium war sich einig: An der neuen Schule soll unter optimalen Bedingungen gelehrt und gelernt werden. Dazu tragen auch die Außenanlagen bei. Die Kinder bekommen unter anderem altersgerechte Aufenthaltsbereiche, „Chill-Ecke“, Arena und Kletteranlage. Aber auch der Außenbereich wird um rund 42 000 Euro teurer. Allein die später verbesserte Feuerwehrzufahrt schlägt mit 20 000 Euro zu Buche.

Kurz, gut eine Million Euro muss die Gemeinde in der Fortschreibung der Planer mehr aufbringen, weil im Verlauf des Bauprojekts „neue Erkenntnisse gewonnen wurden“, erklärt Kaltenmark. In diesen Topf gehören auch Massenmehrungen, hier ein Kanal, dort eine Aufräumarbeit, eine zusätzliche Einhausung beim Aufzugseinbau.

Rolf Hägele ist’s, der mit den teuren, späteren Erkenntnissen hadert: Ob man da nicht vorab etwas sorgfältiger rechnen könnte, hakte er nach. „Es gibt keine Statistik darüber, ob man so etwas gleich in der Entwurfsplanung merkt“, entgegnete Projeksteuerer Kaltenmark. Und Generalplaner Thorismuth Gaiser sprach von „Prozessen im Bestand“. Auch sei die Zeit ein Faktor gewesen. Manches habe in den Sommerferien einfach nicht gereicht.

Und jetzt? Um alles zu finanzieren, muss Dettingen Schulden machen. „Um diezu vermeiden, müssten wir schon enorme Steuerzuwächse einfahren, so Kämmerer Karl Reusch. Kredite sind 2019 und 2020 eingeplant. Bauamtsleiter Farag Khodary rechnet mit Zuschüssen von vier Millionen Euro für den Schulausbau.

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Zwei Jahre, noch bis zum Sommer 2020, bleibt die Dettinger Schillerschule eine Großbaustelle. Danach soll das Schulzentrum einziger Bildungsstandort in der Ermsgemeinde sein.

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