Bad Urach Scheitern als Chance zur Veränderung

Den Zuhörern werden vier Lernschritte nahegelegt. Foto: Stefan Heide
Den Zuhörern werden vier Lernschritte nahegelegt. Foto: Stefan Heide
Bad Urach / STEFAN HEIDE 14.11.2013
Männer aus Bad Urach und dem Kirchenbezirk beschäftigten sich kürzlich im Stift Urach mit dem Thema "Scheitern". Referent beim Männervesper war Siegfried Hornung aus Aulendorf.

Beim Männervesper schilderte Referent Siegfried Hornung schilderte eine Erfahrung des Scheiterns aus seinem eigenen Leben: Nachdem er als Jugendreferent in Bad Urach und später als Landesjugendreferent gearbeitet hatte, blieb er zuhause bei den kleinen Kindern. Nach einiger Zeit hatte er eine depressive Phase: Der Kalender war leer, er hatte außerhalb des Jugendwerks kaum soziale Beziehungen, fühlte sich gescheitert und sah keine Perspektive. Er habe sich gefragt: Wer bin ich noch als Mann? Womit soll ich die restlichen 25 Jahre bis zur Rente verbringen?

Das Scheitern ist in unserer Welt nicht gefragt, obwohl wir alle es kennen, so Hornung. Wo wir Erfolg hätten, seien wir gefragt in der Gesellschaft. "Aber macht uns das wirklich glücklich?", stellte er das Streben nach Erfolg in Frage.

Das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten erzählt von Gescheiterten, die an einer Grenze stehen, so Hornung. Der Esel hole die anderen Tiere aus ihrer Depression heraus. Sie brächen auf und fingen neu an. Dort, wo es mir gelingt, mich auf meine eigene Energie zu besinnen, geschieht oft schon eine Wandlung weg aus Fremdbestimmung, analysierte der Referent das Märchen. Der Wald in der Geschichte sei ein Bild für unsere Schatten, aber dort geschehe auch eine Veränderung. Die Tiere im Märchen würden im Wald satt, seien nicht mehr fremdbestimmt, hätten gelernt, zusammenzuarbeiten und ihre Ziele ihren Bedürfnissen anzupassen.

Wo es im Leben nicht mehr weitergehe und wenn wir an Grenzen gerieten, seien wir eingeladen, genau hinzuschauen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Es gehe aber nicht darum, alles einfach zu verlassen, schränkte Hornung ein. Sondern wir sollten überlegen: Stimmt das so für mich? Wo sollte ich etwas verändern? Zudem gelte es zu lernen, authentischer zu werden, anstatt ohne nachzudenken das zu tun, was andere von uns erwarten.

"Mit wem baut Gott sein Reich? Wo sind da die Helden?" fragte der Referent und erwähnte Abraham, Jakob, Mose, David, Maria und Petrus, die keine Helden waren und an ihre Grenzen gestoßen sind. Die Auferstehung Jesu zeige uns, dass etwas Neues komme. Auch in unserem Leben solle immer wieder Neues entstehen. Wir sollen an Lebenserfahrung und -tiefe gewinnen, wenn wir uns den Schwierigkeiten stellen, so Hornung.

Er empfahl vier Lernschritte: Wir sollen Ja sagen zu uns selbst, so, wie wir sind: begrenzt und begabt zugleich. Dann gelte es zu entdecken, dass in uns selbst genug Möglichkeiten zur Gestaltung unseres Lebens sind. Ferner sollten wir Widersprüchliches zulassen in unserem Leben. Und schließlich gehe es darum zu entdecken, dass wir in der Gegenwart leben, nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft. Denn wir können die Vergangenheit nicht ändern.

Der Referent rief jeden dazu auf, das zu leben, was zu ihm gehört. Und ja zu uns selbst zu sagen, weil Gott schon ja zu uns gesagt habe. Hornung hält es für wichtig, dass wir entdecken, dass Grenzen, Probleme und Scheitern uns einladen, unser Leben zu verändern und uns von alten Wegen zu lösen. Es ist gut, so der Referent, wenn wir mit unserem Scheitern nicht alleine bleiben, sondern mit einem oder mehreren Freunden darüber reden können.

In zwei Diskussionsrunden wurde deutlich, dass es gerade Männern schwer fällt, ihr Scheitern zuzugeben und über Schwierigkeiten zu reden. Da kann es helfen zu erkennen, dass andere auch scheitern und dieselben Probleme haben.

Siegfried Hornung aus Aulendorf ist freiberuflicher Sozialpädagoge und Theologe. Er macht Einzel- und Paartherapie, Coaching und Supervisionen.

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