Vom Schäferlauf, so sagt es Claus Scherin selbst, hat er in den letzten 20 Jahren „eigentlich gar nix“ mitbekommen. Und doch gehört der 56-Jährige fest zum Uracher Schäferlauf – wie der Büttel, nur nicht ganz so bekannt.

Doch für die Amtsnachfolger des Büttels, und für die Feuerwehrleute und Sanitäter, ist Claus Scherin mindestens genauso wichtig. Denn der Bad Uracher leitet die Feldküche, mit der der Ortsverein Bad Urach des Deutschen Roten Kreuzes die Einsatzkräfte versorgt, die beim Schäferlauf für die Sicherheit sorgen.

Ohne Einsatzkräfte Schäferlauf nicht denkbar

Ob bei den Straßensperrungen rund um die Umzüge oder der Ersten Hilfe bei kleineren und größeren Blessuren: Ohne die Einsatzkräfte von Polizei, Freiwilliger Feuerwehr und dem Rettungsdienst wäre ein Volksfest wie der Schäferlauf nicht denkbar. Die meisten Einsatzkräfte sind dabei ehrenamtlich tätig, bei der sanitätsdienstlichen Absicherung des Festwochenendes sind zahlreiche DRK-Bereitschaften aus dem ganzen Landkreis im Einsatz. Und alle Einsatzkräfte kommen früher oder später an der Unterkunft des Bad Uracher Ortsvereins vorbei, unmittelbar hinter dem Feuerwehrhaus gelegen. Im Innenhof sind Biertischgarnituren aufgebaut, dort können sich die Einsatzkräfte verköstigen und zwischen den Schichten ein wenig ausruhen.

„Wir könnten auch ein Vesper zum mitnehmen anbieten“, sagt Claus Scherin. Doch das sei eigentlich nicht gewollt: „Hier bei uns können die Einsatzkräfte ein wenig zur Ruhe kommen, sich austauschen und ganz nebenbei auch noch in gemütlicher Atmosphäre das ein oder andere Detail zum weiteren Vorgehen absprechen.“ Am Verpflegungsplatz herrscht ständig Bewegung: Einsatzkräfte kommen und gehen, meist sind es ganze Gruppen. Für die Küche heißt das: ständig bereit zu sein, ohne wirklich zu wissen, wann wie viele Portionen benötigt werden. Verkochtes oder lange Wartezeiten soll es dabei natürlich nicht geben.

Schon ab 4 Uhr in der Küche

Doch die Zeitplanung ist natürlich schwierig. Vorab erfuhr Scherin nur, wie viel Essen benötigt wird: Zu Frühstück am Sonntag – ab 6 Uhr – beispielsweise 270 Portionen, während des Sonntags dann noch insgesamt 375 Mittagessen. Schon ab 4 Uhr stand Scherin mit seinen Mitstreitern in der Küche.

Seine Helfer kommen übrigens aus dem ganzen Land: aus Aalen und Heilbronn, aus Herrenberg, Melchingen, Metzingen und Sigmaringen. Und natürlich aus dem DRK-Ortsverein Bad Urach. Es sind allesamt gelernte Feldköche des Roten Kreuzes, die in der Schäferlaufstadt an einem Lehrgang teilnehmen – und sich so neues Wissen aneignen und die komplexe Technik der Feldküche in der Praxis austesten können. „Wir üben ja meistens nur dann, wenn es wirklich Sinn macht so viel zu kochen.“ Wie eben beim Uracher Schäferlauf.

60 Kilogramm Spanferkel

Dabei sind es die Details der Organisation, die Arbeitsabläufe und der Aufbau der Technik, der vermittelt und vertieft wird. „Es geht darum, in einen Fluss hereinzukommen. Die Abläufe müssen stimmen, damit es ohne Stress zugeht und alle genau dann verköstigt werden können, wenn sie es wollen“, erklärt Scherin. Die Feldküche, aufgebaut aus verschiedenen Modulen, die im Katastrophenfall sogar mit Kohle beheizt werden könnten, liefert dabei beeindruckende Zahlen: Ein Wärmedurchlauferhitzer etwa, mit Diesel zu betreiben, liefert etwa 700 bis 3000 Liter Warmwasser – je nach Bedarf. Und verarbeitet wurden in der Küche zum Schäferlauf etwa 60 Kilogramm Spanferkel und Rollbraten, weitere 60 Kilogramm gefüllter Schweinerücken, 75 Kilogramm Kartoffeln und 36 Liter Sahne. Alles wurde vorgekocht und abgekühlt, um dann punktgenau wieder erhitzt zu werden.

Scherin, der als gelernter Koch auch als Ausbilder für Feldköche an der DRK-Schule tätig ist, lässt sich dabei vom Trubel nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich kocht der 56-Jährige schon seit Jahren beim Schäferlauf, aber auch im Ausland war der DRKler bereits aktiv: 1999 bei einem Hilfseinsatz im Kosovo, wobei sechs Wochen lang 9000 Essen täglich über die Theke gingen, oder 2010 in einem Zeltlazarett nach dem Erdbeben in Haiti. Da ist der Schäferlauf ein Klacks. Doch in Deutschland gibt es dafür auch andere Herausforderungen: 2017 schaute der Wirtschaftskontrolldienst vorbei. „Es gab keine Beanstandungen“, berichtet Scherin stolz.

Das könnte dich auch interessieren: