Vom 19. bis 22. Juli wird wieder das schönste Fest im ganzen Land gefeiert. Um die Wartezeit bis zum Uracher Schäferlauf 2019 zu verkürzen, gibt es mit unserem ABC alles Wissenswertes aus der Festhistorie.

A

Auricher Schäferlauf: Aurich ist der alte Begriff für Urach
Ahne: Figur im Festspiel D’Schäferlies, Großmutter der Lies. In der Lichtstube erzählt sie gerne gruselige Geschichten
Amanduskirche: Ort des Festgottesdienstes

B

Büttel: Amts- oder Gerichtsdiener, der Büttel begrüßt die Zuschauer in der Zittelstatt mit einer Ansprache, die sich in allerlei Spottversen über die Einwohner der umliegenden Gemeinden zur vielfach gefürchteten Schmährede entwickelt und um so bissiger wird, je länger sie dauert
Bechertanz: Die Kreisreiterpaare tanzen der Reihe nach im großen Bogen auf einen überkopf angebrachten, an einem Galgen hängenden Becher zu, wobei zunächst der Kreisreiter sein Metzgermädchen hochhievt, damit dieses den mit Wasser gefüllten Becher mit dem Kopf umstößt. In einer zweiten Runde hebt das Metzgermädchen den Kreisreiter hoch. Das am besten bewertete Paar erhält einen lebenden Hahn als Preis
Brechstatt: Auf der Brechstatt spielt eine wichtige Szene der Schäferlies. Der Name erinnert an die Tradition des Flachsanbaus auf der Alb. Um aus dem Flachs Garn zu gewinnen, mussten die Fasern der Pflanze mit einem speziellen Werkzeug gebrochen werden. Aus dem Garn wurde am Webstuhl Leintuch, dessen Verkauf den Bauernfamilien einen bescheidenen Nebenerwerb einbrachte
Bürgermeistertanz: Ehrentanz des Bürgermeisters mit einem Metzgermädchen
Böllerschüsse: Damit werden um sechs Uhr morgens die geweckt, die nicht von der Tagwache eine Stunde davor wachgeblasen wurden (siehe Tagwache);
Blunzaschießer: Spottname, mit dem der Büttel die Uracher auf der Zittelstatt begrüßt. Der Ausdruck soll auf das Missgeschick eines Metzgers zurückgehen, dem eine Katze eine Blutwurst, auch Blunz genannt, stahl. Um das diebische Tier zur Strecke zu bringen, griff der Metzger zur Waffe und landete einen Volltreffer: Er traf die Wurst und erntete Spott.


C

Carl Eugen: Es steht geschrieben, der Herzog von Württemberg habe auf dem Weg ins Uracher Schloss das Dettinger Rathaus passiert, doch aus dem Fenster habe nicht der Schultes, sondern ein Gaisbock geschaut, woraufhin der Herzog den Dettingern den Spitznamen „Goisköpf“ verlieh, wie sie heute noch der Büttel während der Begrüßung zum Schäferlauf nennt.

Schäferlauf Urach 2019 Vorverkauf startet Anfang Juli

Bad Urach

D

D’Schäferlies: Festspiel von Hans Reyhing, uraufgeführt 1923. Es geht um den Streit zwischen Schäferbauer und Kirchenbauer

Dreispitz: Kopfbedeckung des Vorreiters.

E

Ehrengäste: Die im Bundes- oder im Landtag vertretenen Politiker aus der Region, oft kommt auch der Ministerpräsident oder ein Vertreter.

F

Fass: Der Gasthof „Zum Fass“ taucht im Festspiel „D’Schäferlies“ auf, der Fass-Wirt selbst kommt in einer Szene zu Wort. Darüber hinaus gilt das „Fass“ ab den 1930er Jahren immer mehr als das Wirtshaus der Schäfer; Festbändel Farbige Lederbändel in den Stadtfarben Blau Weis und Rot, die den Ehrengästen am Tag des Schäferlaufs angesteckt werden

Fahne, Fahnenweihe Etwa einen Monat vor dem Schäferlaufsonntag ruft die Stadtverwaltung die Uracher Einwohner dazu auf, eigene Schäferlauffahnen aufzuhängen. Etliche Uracher haben fest montierte Fahnenständer am Haus, andere verfügen über Fahnenmasten im Garten. Werden dort die Fahnen gehisst, findet sich oft der ganze Straßenzug ein zur so genannten Fahnenweihe, die in geselliger Runde meist in ein lustiges Nachbarschaftstreffen mündet, das bis in die Nacht dauert und oftmals begleitet wird von der Schäfermusik. Doch die eigentliche Schäferfahne ist indessen mehr als ein festlicher Farbtupfer und hat einen historischen Hintergrund: Die Schäferfahne war ein Insignium ihrer Zunft, und so lange sie ausgehängt war, galt das Schäferrecht; Fanfarenzug Fahnenschwinger, Bläser und Trommler, deren blau-weiß-rote Uniform an die Uracher Stadtwappen erinnert. Die Fahnenschwinger bilden die Vorhut des Historischen Festzugs (siehe Großer Festzug).

G

Großer oder Historischer Festzug: 2400 Teilnehmer, 87 Gruppen, 45 Kutschen, Wagen und Gespanne, 23 Musikkapellen, 120 Pferde, dazu Ziegen, Schafe, Gänse, Kühe, Esel und Schäferhunde setzen sich gegen 11 Uhr ab der oberen Stuttgarter Straße in Richtung Marktplatz in Bewegung. Weiter geht es entlang der Lange Straße, der Wilhelmstraße, zurück zum Marktplatz, die Neue Straße hoch über die Ulmer Straße zum Festplatz Zittelstatt

Gänse: Die einzigen Tiere, die den Festzug watschelnd begleiten, angetrieben von einem Hütejungen, der dem Federvieh vermittels eines Stockes die Richtung weist, dem die Tiere aber in Sachen Marschgeschwindigkeit wenig Mitspracherechte einräumen

Glemser Bergmäus’: Bürger des kleinsten Metzinger Stadtteils, die vom Büttel freundlich begrüßt werden; Goißköpf (siehe Carl Eugen).

H

Halltaler Polka: Musik, auf die der Schäferreigen zu ehren des Schäferkönigspaares tanzt; Hannes Figur im Festspiel „D’Schäferlies“, Sohn des Kirchenbauern und verliebt in Lies, Tochter des Schäferbauern

Hahn: Lebender Preis für das beste Kreisreiterpaar beim Bechertanz

Hütehund: Treuer Begleiter und Helfer des Schäfers mit Kenntnissen im Aus- und Einpferchen

Hans Helferstorfer: Der 2006 verstorbene Heimatzeichner aus St. Johann hat viele Schäferläufe fürs Goldene Buch der Stadt illustriert

Hansjörg: Figur im Festspiel „D’Schäferlies“, Schäferknecht des Schäferbauern

Hauptlade: Die Dachorganisation der Zünfte sind die Laden. Hauptlade der Schäfer ist seit Gründung der Schäferzunft die Stadt Markgröningen

Höllablitz: Als solche bezeichnet der Büttel die Schäferlaufgäste aus Grabenstetten.

I

Im schönsten Wiesengrunde: Volkslied, das zum Auftakt in der Zittelstatt mit allen Zuschauern und Beteiligten gesungen wird

In der Heimat ist es schön: Das Lied erklingt zum Abschluss der Darbietungen in der Zittelstatt.

J

Jakobi: ursprünglich wurde der Schäfertag an Jakobi, also dem 25. Juli, gefeiert. Inzwischen muss es zwingend ein Sonntag sein, allerdings kurz vor oder nach Jakobi (siehe Ungerades Jahr).

K

Kreisreiter: Ursprünglich waren die „CrayßReuter“ berittene Metzger, die beim Schäferlauf als Ordner eingesetzt wurden. Heute begleiten die Kreisreiter den Historischen Festzug, zudem tanzen die jungen Männer, die einen Bezug zum Metzgerhandwerk vorweisen müssen, einige Tänze mit den Metzgermädchen (siehe Bechertanz, Metzgertanz)

Kleiner Festzug: Nachdem sich morgens auf dem Marktplatz die allmählich eintreffenden auswertigen Gruppen formiert haben, wird der Bürgermeister im Rathaus abgeholt, danach übergibt er die Schäferfahne und die Zunftlade an die Schäfer, anschließend tanzt der Bürgermeister mit einem Metzgermädchen den Bürgermeistertanz, ehe sich die umstehenden Gruppen zum Kleinen Festzug formieren und in die Amanduskirche zum ökumenischen Festgottesdienst marschieren

Kunstrasen: Der Wettlauf der Schäfer und Schäferinnen führte einst barfuß über ein Stoppelfeld. So wird es in Markgröningen immer noch gehalten, in Urach hingegen bildet Kunstrasen die Unterlage für das Rennen

Kirchenbauer: Kontrahent des Schäferbauern in der Schäferlies.

Bad Urach

L

Lies:, Tochter des Schäferbauern im Volksstück von Hans Reyhing, sie ist in Hannes, den Sohn des Kirchenbauern verliebt

Laurentia: Eine Art nächtlicher Gemeinschaftstanz auf dem Marktplatz

Lahmäsch: aus Donnstetten, so begrüßt der Büttel die aus dem Römersteiner Ortsteil angereisten Besucher. Die Donnstetter nehmen die derbe Begrüßung freilich gelassen, schließlich führen sie den Ausdruck auf den Fleiß ihrer Vorfahren zurück. Die meisten Donnstetter Bauern hatten einst einen Webstuhl im Haus, an dem sie stundenlang saßen und Leinen produzierten. Bei dieser Arbeit ist ihnen dann regelmäßig der Allerwerteste eingeschlafen

Lichtstube: Schauplatz im Festspiel „D’Schäferlies“. In der Lichtstube kamen im Winter die jungen Mädchen zusammen, um gemeinsam Garn zu spinnen, zu singen oder Geschichten zu hören

Leistungshüten (siehe Preishüten)

Literatur: Es gibt ein 370 Seiten starkes Buch zum Schäferlauf, geschrieben vom früheren Kurdirektor Walter Röhm. Es heißt „Schäfertag und Schäferlauf in Bad Urach“.

M

Martha-Marsch: Ein Musikstück aus dem Festspiel, das zudem die Schäfermusik abends in der Woche vor dem Schäferlaufsonntag so oft spielt, bis es sich als Ohrwurm sämtlichen Urachern und deren Gästen ins musikalische Gedächtnis brennt

Metzgertanz: Tanz der Kreisreiter und ihrer Metzgermädchen

Metzgerzunft: Richtet seit der Auflösung der Schäferzunft im Jahre 1828 den Schäferlauf aus

Marktplatzhock: Gemütlicher Hock am Samstag vor dem eigentlichen Schäferlauf, der am Sonntagnachmittag auf dem Marktplatz fortgesetzt wird

Madele: Die Magd der Kirchenbäuerin, eine weitere Figur aus dem Festspiel „D’Schäferlies“

Mädelesmahd: Eine Wiese im Festspiel, die im Besitz der Stadt ist und die der Schäferbauer nutzt. Sein Gegenspieler, der Kirchenbauer, möchte sie in Ackerland umwidmen; Metzgermädchen: Junge Frauen, die ledig sein und einen Bezug zum Metzgerhandwerk haben müssen.

N

„Neunundneunzig Schäfer geben 100 Spitzbuben“: sagt im Festspiel „D’Schäferlies“ der Kirchenbauer zum Schäferbauer
„Nichtsnutziger Schippenleuner“: Als solche werden Schäfer im ausgehenden Mittelalter beschimpft
Nebenlade: Eine von drei Nebenladen (siehe Hauptlade) erhält die Stadt Urach und wird dadurch Mittelpunkt der Albschäferei. Die anderen sind Heidenheim und Wildberg.

O

Ochs am Spieß: Gibt es im Festzelt auf dem Festplatz; Oberamtmann: Figur aus dem Festspiel „D’Schäferlies“.

P

Pferch: Weidefläche der Schafe, meist von mobilen Zäunen eingegrenzt

Preishüten: Wettkampf der aktiven Schäfer am Samstag vor dem Schäferlauf auf dem Gelände des TSV Wittlingen, ausgerichtet vom Landesschafzuchtverband.

Q

Quelle Heiligenberg: Eine der wichtigsten Hülbener Quellen, hier holten die Frauen des Ortes das Brauchwasser für den täglichen Bedarf. Transportiert haben sie das kostbare Gut mit Gölten, die sie auf dem Kopf balancierten. An diese mühseligen Tage vor dem Anschluss der Albdörfer an die moderne Wasserversorgung erinnern beim Schäferlauf die Wasserträgerinnen.

R

Reyhing, Hans: Er schrieb das Festspiel „D’Schäferlies“. Geboren wurde er 1882 in Bernloch, heute ein Ortsteil der Gemeinde Hohenstein. 1922 traten der Schäferlauf-Organisator Hans Neff und Johannes Widmann, Mitglied im Schäferlauf-Festausschuss, an Reyhing mit der Bitte heran, er möge ein Festspiel für den Uracher Schäferlauf schreiben. Die Uraufführung des Stücks erfolgte 1923. 50 Jahre später inszenierte Klaus Heydenreich das Stück neu und straffte es, ohne am eigentlichen Spielgeschehen etwas zu ändern.

S

Schwarzreiter: Schwarz gekleidete Reiter, teilweise ehemalige Kreisreiter. Sie bilden eine Formation und bereichern den Großen Festzug (siehe Großer Festzug)

Schäferkarren: Wohn- und Schlafzimmer des Schäfers, wenn er mit seinen Tieren von Weide zu Weide zieht

Schäferlauf: Wettlauf der ledigen Schäfer und Schäfertöchter. Die Sieger werden am Ende zum Königspaar gekrönt

Schäfermusik: Neun Musiker bilden die Schäfermusik, die traditionell die Kreisreiterpaare begleitet. Hauptsächlich spielen sie die Melodien des Becher- und Metzgertanzes sowie den Martha-Marsch

Schäferreigen: Seit 1927 tanzen die Paare des Schäferreigens zu Ehren des neu gekrönten Schäferkönigspaares zur Melodie der Halltaler Polka

Schäferbauer: Figur aus dem Festspiel „D’Schäferlies“, Ladmeister der Uracher Schäferzunft, Vater von Lies, Konkurrent des Kirchenbauers

Schäfertag: Alle Angelegenheiten, die die Schäferei betrafen, wurden früher während des Schäfertages vom Schäfergericht verhandelt

Schäferzunft: Die einstigen Austräger des Schäfertags, also die Zunft der Schäfer, wurde 1828 aufgelöst. Seitdem richtet die Metzgerzunft zusammen mit der Stadt den Schäferlauf aus; Schäferlade: Eine grün bemalte Truhe aus dem Jahr 1724. Sie ist gleichzeitig Zunftlade und wird als Ehrenzeichen ebenso wie die Zunftfahne im Festzug mitgeführt.

T

Tagwache: Ab fünf Uhr spielt der Musikverein Upfingen an verschiedenen Stellen in der Stadt und übernimmt die Funktion eines melodiös-harmonischen Weckers

Tribüne: In der Zittelstatt gibt es zwei Tribünen, von denen aus tausende Zuschauer das bunte Treiben bestaunen können: die relativ gut beschattete Waldtribüne und ein ihr gegenüberliegendes Stahlrohrgestell.

U

Upfinger Musikverein: Er übernimmt die Rolle als offizielle Festmusmusik, spielt beim Schäferlauf die Tagwache und begleitet den Schäferreigen bei dessen Darbietung in der Zittelstatt; Ungerades Jahr: Den Schäferlauf gibt es in Urach nur an ungeraden Jahren um Jakobi (siehe Jakobi), oder wie es auf Schwäbisch ausgedrückt wird: „All ander Jahr“.

V

Vorreiter: Ein Herr im schwarzen Frack, der die Kreisreiter anführt und dem eine andere wichtige Aufgabe zuteil wird: Wenn er aus dem Galopp heraus seinen Dreispitz (siehe Dreispitz) in die Luft wirft, ist dies das Start-Signal für die Wettläufer.

W

Wasserträgerinnen: Mädchen, die einen Wettlauf vortäuschen, indem sie auf dem Kopf kupferne, mit Wasser gefüllte Gefäße balancieren, deren Inhalt sie aber nicht wie vorgeschrieben in einen hölzernen Zuber entleeren, sondern ihn auf die vor ihnen flüchtenden Stadträte gießen

Wassergölten: Die kupfernen Gefäße der Wasserträgerinnen

Wölflin: Hangwiese, die der Waldtribüne gegenüber liegt und auf die der Stadtschäfer seine Herde während der Rede des Büttels treibt.

X

Xylocain: Betäubende Salbe, die möglicherweise jene Läufer an ihre Füße schmieren, denen der Lauf über den Kunstrasen Brandblasen verursacht hat.

Y

Ysop: Ein Kraut, das insofern zumindest mit Schafen zu tun hat, als Mose rät, die Balken des eigenen Hauses mit in Schafblut getränkte Ysopbüschel einzustreichen.

Z

Zittelstatt: Der Festplatz, auf dem die jungen Schäfer und Schäferinnen ihren Wettlauf austragen

Zunftlade: Eine grün bemalte Truhe aus dem Jahr 1724. Sie ist gleichzeitig Zunftlade und wird als Ehrenzeichen ebenso wie die Zunftfahne im Festzug mitgeführt

Zwerchsäck: Als solche bezeichnet der Büttel die Wittlinger, ein Zwerchsack ist ein Rucksack, der quer über der Schulter getragen wird.

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