Bad Urach Quartett im Stadtmuseum

Das Quartett belebt das derzeit leerstehende Stadtmuseum. Foto: Kirsten Oechsner
Das Quartett belebt das derzeit leerstehende Stadtmuseum. Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER 14.11.2013
Vermeintliche Hintergrundmusik in den Vordergrund gerückt hat das Quartett "Un, deux, trois": Im leer stehenden Stadtmuseum erklang einen Abend lang Jazz vom Feinsten zur Begeisterung der Zuhörer.

Ein wenig kokettiert die Gruppe "Un, deux, trois" mit dem Begriff, der von bösen Zungen für ihre Musik geprägt wurde: Von Fahrstuhlmusik sprechen die. Sie laufe dort und an vielen anderen Orten so nebenbei, im Hintergrund eben. Und so hat sich das Trio aus Heidelberg - das bei Kulturach durch den Esslinger Saxophonisten Holger Steltner ergänzt wurde - den Begriff der Hintergrundmusik, die in jeden Fahrstuhl passt, zum Konzept gemacht. Es kommt an: Weil die Songs luftig, leicht und locker sind. Und weil diese Art von jazziger Musik nicht allzu oft zu hören ist, dabei aber durchaus ihre Fans hat.

Die kamen im derzeit leer stehenden Stadtmuseum in der Klostermühle voll auf ihre Kosten: Zum Repertoire der Musiker gehören neben Jazz-Standarts auch Adaptionen von Songs aus Rock und Pop wie Otis Reddings "Sitting on the dock of the bay" oder dem "Tears for Fears"-Hit "Everybody wants to rule the world". Groß der Wiedererkennungseffekt bei Dave Brubecks "Take five", das an einem solchen Abend ebenso wenig fehlen durfte wie George Gershwins Klassiker "Summertime". Auf Blues folgte "RocknRoll und eine Publikums-Improvisation. Musikalischer Dreh- und Angelpunkt ist Gitarrist Daniel Fritzenschaft, der als Upfinger mit seiner Heidelberger Band sozusagen ein Heimspiel hatte. Jubel bei seinen Soli, gespannte Stille bei den leisen Parts. Ebenfalls ein Meister seines Instruments ist Martin Jungkunz, der seine Finger regelrecht über die Seiten seines Kontrabasses fliegen ließ. Für den nötigen Rhythmus sorgte Bastian Woytinnek am Cajon und einer kleinen, aber feinen Auswahl an Schlaginstrumenten. Noch nicht oft mit dem Trio gespielt hat Saxofonist Holger Steltner, der sich hervorragend ins Spiel einklinkte und für Akzente sorgte. Für die Musiker ungewohnt ruhig die knapp 80 interessierten Zuschauer: "Wir spielen tatsächlich oft mit viel Hintergrundgeräuschen", gab Daniel Fritzenschaft zu. Er, seine Mitmusiker und auch die Zuschauer genossen die Atmos-phäre in einem ungewöhnlich stimmungsvollen Konzertraum: Leise drehte sich im Hintergrund das Mühlrad, umgeben waren Band und Gäste im Fachwerkgebäude mit seinen Holzelementen von ausgedienten Schautafeln und Ausstellungselementen. So mancher aus dem Publikum warf dabei einen Blick auf die Infos zum Thema "Vom Wasserschloss zur Wasserwirtschaft" oder erfuhr, wie Urach zur festen Stadt wurde. Und ein Fahrstuhl fehlte auch nicht, gläsern ist das Exemplar in der Klostermühle. Klar, dass die Musiker mit ihm einfuhren und nach mehreren Zugaben auch wieder entschwanden. Beschwingt durch das fröhliche "Girl from Ipanema" gings nach dem Konzert raus in den November-Regen - doch die Hochstimmung dauerte nach dem stimmigen Abend für die meisten Besucher sicherlich noch ein Weilchen an.

Die Kulturach-Veranstaltungsreihe geht am Freitag, 13. Dezember weiter. Im neuen Uraca-Mitarbeiterrestaurant präsentiert die Sängerin Gitte Müller ihr Programm "Schwäbisch - normal bis poetisch".

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