Kurz vor dem Startschuss am Dienstag juckte es Tobias Prokop schwer in den Fingern. Auf dem Baldauf-Areal vertrieb sich Riederichs Bürgermeister die letzten Minuten vor dem Spatenstich im Steuerhaus jenes Baggers, der in den kommenden Monaten dazu dienen wird, ein Mehrgenerationenhaus für Senioren und Kinder samt Tiefgarage zu schaffen. Wo Prokop etwas Erde umher schaufelte, wird in den kommenden zwei Jahren ein Entwurf aus dem Architekturbüro Schwille allmählich Gestalt annehmen, sofern die Bauarbeiten planmäßig verlaufen.

Spatenstich am Dienstag

Der tatsächliche Bau ist die letzte Hürde des Projekts, das eine planerische Vorlaufzeit von mehr als einem Jahrzehnt nötig machte: „Diese Idee hat uns einiges abverlangt, bis wir uns heute in dieser Runde versammeln konnten“, so Prokop in seiner Ansprache.

Corona-bedingt musste der Spatenstich in kleiner Versammlung stattfinden, umso größer schien der Enthusiasmus der anwesenden Vertragspartner: „Gerade jetzt wird einem bewusst, was Gemeinschaft eigentlich bedeutet“, so der Vorstand der Altenhilfe innerhalb der Samariter-Stiftung, Eberhard Goll. Die Samariter-Stiftung ist neben einer Pfullinger Baugenossenschaft Träger des Bauvorhabens, das sich in zwei Gebäudeabschnitte aufteilt: Eine Pflegeeinrichtung mit 30 Plätzen, Räumlichkeiten für die Kleinkindbetreuung „TigeR“ sowie ein multifunktionaler Veranstaltungssaal werden zunächst von der Stiftung finanziert.

Begegnung der Generationen

Während das Pflegeheim Eigentum der Samariter bleibt, wird die Gemeinde den Raum für die Kinderbetreuung und die Begegnungsstätte erwerben. Eine ähnliche Vereinbarung besteht mit der Baugenossenschaft, die insgesamt zehn seniorengerechte Wohnungen und eine Arztpraxis bauen lässt. In diesem Fall wird sich die Gemeinde durch den Kauf von fünf Wohneinheiten sowie der Arztpraxis beteiligen. Das Grundstück an der Karl-Baldauf-Straße selbst verbleibt Eigentum der Gemeinde; ein Erbpachtvertrag bildet die Grundlage dieses gemeinsamen Bauprojekts von rund 8,5 Millionen Euro.

Pflegeheim, Kinderbetreuung und Arztpraxis

Das Zusammenspiel von Seniorenpflege, Kinderbetreuung sowie einer Arztpraxis hält Eberhard Goll für außergewöhnlich, allem voran in Bezug auf die kompakte, auf Riederich zugeschnittene Größe: Weil sich der Aufwand für Pflegeeinrichtungen mit weniger als 45 Plätzen für Betreiber kaum lohnt, würden kleinere Pflegeheime nur selten gebaut. Dass der Vertrag durch eine komplexe Verzahnung aller Beteiligten gekennzeichnet ist, erklärt Goll mit der Zukunft dieses Projekts: „Wir sind stark aufeinander angewiesen. Und damit ist gesichert, dass sich der eine vom anderen nicht verabschiedet.“ Dank der engen Verwicklung müsse jedenfalls keiner fürchten, am Ende ohne Heizung dazustehen.