Dettingen an der Erms Pfarrstelle Buchhalde wird gekürzt

Die Christuskirche in der Buchhalde: Die dortige Pfarrstelle wird um 50 Prozent gekürzt. Foto: Thomas Kiehl
Die Christuskirche in der Buchhalde: Die dortige Pfarrstelle wird um 50 Prozent gekürzt. Foto: Thomas Kiehl
Dettingen an der Erms / CAROLA EISSLER 08.11.2012
Die Pfarrstelle Christuskirche in der Buchhalde wird um 50 Prozent gekürzt. Der Kirchengemeinderat Dettingen hat in geheimer Abstimmung mit deutlicher Mehrheit diese Entscheidung getroffen.

Seit Monaten beschäftigt die Dettinger Kirchengemeinde kein Thema mehr und intensiver als der Pfarrplan 2018. Darin hat die Bezirkssynode nämlich festgelegt, dass neben Metzingen und Bad Urach auch Dettingen bis spätestens 2018 einsparen muss, und zwar eine halbe Pfarrstelle. Wo diese gestrichen wird, sollte der Kirchengemeinderat festlegen. Und der tat sich enorm schwer damit. Denn eine 50-prozentige Pfarrstelle verlangt keine Residenzpflicht des Pfarrers.

Eine wahre Flut von Briefen, Stellungnahmen, Einlassungen, Mails hatte die Entscheidungsträger in der Vergangenheit erreicht. Denn innerhalb der Kirchengemeinde standen sich zwei Interessensgruppen gegenüber: zum einen die Befürworter einer Stellenkürzung am Pfarramt Ost der Stiftskirche, zum anderen die Anhänger eine Kürzung am Pfarramt Christuskirche-Buchhalde. Dass diese Diskussion mitunter recht heftig geführt worden war, ist ein offenes Geheimnis. Ebenso wie die Tatsache, dass es bei der Kürzung eben nicht nur um die Stelle als solche, sondern auch um Inhalte, theologische Ausrichtungen und Gottesdienstformen geht. Kirchenpfleger Kai Münzing schickte am Dienstagabend jedenfalls gleich zu Anfang die Mahnung in die Runde, nicht noch mehr Porzellan zu zerschlagen.

Wie persönlich die Debatte geführt wurde, zeigt allein der Umstand, dass der Vorsitzende des Gremiums, Pfarrer Harald Grimm, den Antrag stellte, geheim abstimmen zu lassen. Es war danach erneut Pfarrer Grimm, der den Antrag auf Stellenkürzung in der Buchhalde einreichte. Werner Stiefel trug den Gegenantrag vor, die Kürzung am Pfarramt Stiftskirche-Ost vorzunehmen. Das Ergebnis war dann recht eindeutig: Bei einer Stimm-Enthaltung votierten zwölf Kirchengemeinderäte für eine Kürzung in der Buchhalde, fünf Kirchengemeinderäte wollten diese Kürzung am Pfarramt Ost durchsetzen.

Zuvor wurden nochmals die einzelnen Standpunkte ausgetauscht. Hilde Dreisbach sprach zugunsten der Buchhalde und gab zu bedenken, dass die Stiftskirche nicht nur über die beiden Pfarrämter verfügt, sondern auch über die Kirchenpflege, das Diakonat und das Gemeindebüro. Wenn in der Buchhalde dagegen gekürzt werde, gebe es dort bisweilen keinen Ansprechpartner mehr. Werner Stiefel sprang ihr zur Seite. Wenn man eine 100- Prozent-Stelle in der Buchhalde belasse, sorge man hiermit auch für eine Ausgewogenheit in der Gemeinde, so seine Einschätzung.

Ganz anders sah dies Martin Stanger. Das Gemeindewachstum hänge weder von der Präsenz noch von der Residenz eines Pfarrers ab, sagte er. Sein Gremiumskollege Thomas Haas betonte, der Schwerpunkt werde in Zukunft bei der Stiftskirche im Ort liegen. Die Wohnung in der Buchhalde sei zudem nicht optimal und im Wettstreit um Pfarrer (derzeit sind immerhin 140 Pfarrstellen in Württemberg unbesetzt) sei die Buchhalden-Stelle wohl in Zukunft ohnehin nur schwer zu besetzen. Pfarrer Grimm räumte ein, man müsse schon ehrlicherweise sagen, dass eine Kürzung der Stelle in der Buchhalde eine Verlagerung des Schwerpunkts der kirchlichen Arbeit an die Stiftskirche bedeute.

Mehrere Kirchengemeinderäte äußerten sich dahingehend, die Last der Kürzung betreffe nicht eine einzige Parochie, sondern werde dann freilich auf die Gesamtgemeinde verteilt, entsprechende Seelsorgebezirke müssten ohnehin neu eingeteilt und Aufgaben neu definiert werden. Man habe, so die Meinung vieler, überdies noch Zeit bis 2018.

Die Kürzung könnte die Kirchengemeinde Dettingen allerdings wesentlich früher treffen als zunächst gedacht. Denn Pfarrer Peter Rostan von der Christuskirche Buchhalde ließ anklingen, dass er, sollte sich der Kirchengemeinderat für eine Kürzung der Buchhalde aussprechen, möglicherweise schon 2013 wechseln und damit Dettingen verlassen wolle. Das hatte er bereits im Vorfeld der Abstimmung deutlich gemacht. Auf Nachfrage sagte Rostan, diese Überlegungen gründen sich auf zwei Argumente. Zum einen gehe es um familiäre Aspekte. "Ein Wechsel 2018 wäre da sehr ungünstig." Zum anderen gehe es aber auch um die Akzeptanz einer Arbeitsstelle, für die es zukünftig keinen Nachfolger gebe. "Und es geht ebenso um die zukünftige Gestaltung des Christuskirchen-Gottesdienstes."

Der Kirchengemeinderat habe in dieser Hinsicht am Dienstagabend eine sehr weitreichende Entscheidung getroffen, sagte Rostan. "Wir von der Buchhalde haben das Modell befürwortet, das zwei Kirchen mit unterschiedlichem Stil favorisiert. Diesbezüglich haben wir eine Schlappe erlitten." Verändern wird sich zukünftig wohl auch die Organisation der Kindergartenarbeit, die bislang allein in den Händen von Pfarrer Rostan liegt. Eine Arbeit, die sich in den vergangenen Jahren enorm vergrößert hat, sind doch alle fünf Dettinger Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft. Bei einem Wechsel muss sicherlich eine zusätzliche Fachkraft für diesen Bereich eingestellt werden.

Die Kirchengemeinde Dettingen wird nunmehr die beschlossene Stellenreduzierung an die Bezirkssynode melden. Auf Vorschlag von Eberhard Knauer soll der Oberkirchenrat darum gebeten werden, den Pfarrplan in Dettingen erst zwei Jahre später, nämlich 2020, umzusetzen. Dadurch könnte Pfarrer Rostan die Option offen gehalten werden, noch bis zu diesem Zeitpunkt in Dettingen zu bleiben.

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