St. Johann Oldtimerfreunde mit einer Hommage an die Eleganz

St. Johann / REGINE LOTTERER 28.11.2013
Die Oldtimerfreunde St. Johann treten mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, ein einzigartiges Weihnachtsgeschenk kreiert zu haben. Ihr neuer Kalender zeigt Raritäten auf zwei, drei und vier Rädern.

Wer in den Gründerjahren der Bundesrepublik als Autofahrer etwas auf sich hielt, der stellte am Sonntag frische Blumen in seinen Wagen. "Das war Pflicht", erzählt Kurt Kolb, Vorsitzender der Oldtimerfreunde St. Johann. Für die dafür notwendige Vase besaßen die Fahrzeuge eine spezielle Halterung. Ob der Blumengruß im Cockpit dazu diente, die Eleganz des jeweiligen Autos zu unterstreichen oder Ausdruck für die Sehnsucht der Deutschen nach der heilen Welt ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Sicher ist, dass viele gerne an die Sitten und Gebräuche jener Gründerjahre der Bundesrepublik erinnern und mit ihrer Hände Arbeit Relikte aus jenen Tagen für die Nachwelt bewahren. Zu ihnen zählen die Oldtimerfreunde in St. Johann. Sie wollen alte Autos, Motorräder und Traktoren erhalten. Jenen Fahrzeugen widmen sie ihren neuen Kalender, der Vehikel auf zwei, drei und vier Räder zeigt.

In und um St. Johann entdeckte der Verein zwölf Schmuckstücke, deren Anblick, da ist sich Kurt Kolb sicher, manchen Betrachter zu Tränen rühren wird. Weil die Oldtimer zum einen mit ihrem Design Eleganz und Charakter bewiesen. Zum anderen, da sie viele an die längst entfleuchte Jugendzeit mit all ihren Begebenheiten gemahnen.

Es waren aber auch schöne Zeiten, sagt Kurt Kolb, als die Republik die Nachkriegswirren überwunden hatte und von einer anonymen Kommunikation über Mails oder soziale Netzwerke noch keiner etwas geahnt hat. Damals, entsinnt sich Kolb, regelten Männer und Frauen ihre Angelegenheiten noch verbal. Und, wenn das nicht reichte, durfte die Frau auch auf die Wirkung einer Maulschelle vertrauen. So jedenfalls sind Kolb manche Sonntagnachmittage im Gedächtnis geblieben, als er am Steuer eines blank gewienerten Wagens saß, den Arm lässig aus dem Fenster hängend und langsam an den Mädchen aus dem Ort vorbeifahrend, die mit ihren Freundinnen die frische Luft genossen und nichts dagegen hatten, von flotten, jungen Herren angesprochen zu werden.

"Weißwandreifen waren damals Pflicht", erzählt Kurt Kolb, "ebenso wie Zierleisten." Chrom musste blitzen. Wenn der Wagen bockte, schraubte der Fahrer selbst, mit Rat und Tat unterstützt von seinen Kumpels. Um in solch herzerwärmenden Erinnerungen zu schwelgen, bietet der neue Kalender jedenfalls vielfältige Gelegenheit. Den März 2014 etwa verschönt das Foto eines zitronengelben VW Porsches, Baujahr 1972 mit satten 110 PS. Einen Monat später ruht der Blick auf einem roten Mercedes aus dem Jahr 1952, ein Modell, wie es einst auch der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, für seine Dienstfahrten nutzte.

Im Mai grüßt den Betrachter ein hellblaues Goggomobil, dessen Farbe ebenso an den Trabant erinnert wie sein Zweitaktmotor. Wesentlich eleganter gibt sich dagegen ein Borgward Hansa Coupé, Baujahr 1960. Derselbe Hersteller fertigte auch Transportfahrzeuge, wie ein Goliath, ein Lastwägelchen auf drei Rädern, von dem ein Modell auch heute noch in Ohnastetten über die Straßen rollt.

Info Den Kalender der Oldtimerfreunde gibt es im Gasthof "Krone" in Upfingen, beim Getränkemarkt Rauscher in Lonsingen, bei der Kreissparkasse Würtingen, bei Elektro-Müller in Bleichstetten, bei der Bäckerei Tiefenbach in Würtingen, bei der Bäckerei Stoß in Upfingen sowie in der Buchhandlung am Markt in Bad Urach.

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